der Diener eine Karte , bei deren Empfang er eine leichte Röte aufsteigen fühlte . Felician tat , als hätte er des Bruders Verlegenheit nicht bemerkt , sagte ihm adieu und verließ das Zimmer . In der Tür begegnete er dem alten Rosner , neigte leicht den Kopf zum Gegengruß und sah vorüber . Georg forderte Herrn Rosner , der im Winterrock mit Hut und Regenschirm eingetreten war , zum Sitzen auf und bot ihm eine Zigarre an . Der alte Rosner sagte : » Ich habe eben geraucht « , was Georg irgendwie beruhigte , und nahm Platz , während Georg an den Tisch gelehnt stehen blieb . Dann begann der Alte mit gewohnter Langsamkeit : » Herr Baron werden sich wahrscheinlich denken können , weshalb ich so frei bin zu stören . Ich wollte eigentlich schon am Vormittag vorsprechen , aber ich konnte leider aus dem Bureau nicht abkommen . « » Vormittag hätten Sie mich nicht zu Hause gefunden , Herr Rosner « , erwiderte Georg verbindlich . » Nun , umso besser , daß ich den Weg nicht vergeblich gemacht habe . Also meine Frau hat mir nämlich heute morgen ... berichtet ... was sich ereignet hat . « Er sah zu Boden . » So « , sagte Georg und nagte an der Oberlippe . » Ich hatte eigentlich selbst die Absicht ... Aber wollen Sie nicht den Winterrock ablegen , es ist sehr warm im Zimmer . « » O , danke , danke , es ist mir durchaus nicht zu warm . Nun , ich war ganz entsetzt , als meine Frau mir diese Mitteilung machte . Jawohl , Herr Baron ... Nie hätt ich von Anna gedacht ... niemals für möglich gehalten ... es ist ja furchtbar ... « Er sagte alles in seiner gewohnten eintönigen Weise , nur schüttelte er öfter den Kopf dabei als sonst . Georg mußte immer auf die Glatze mit dem dünnen , gelblichgrauen Haar herunterschauen und empfand nichts als eine öde Gelangweiltheit . » Furchtbar , Herr Rosner , ist die Sache wahrhaftig nicht « , sagte er endlich . » Wenn Sie wüßten , wie sehr ich ... wie innig meine Neigung zu Anna ist , so würden Sie gewiß auch fern davon sein , die Sache furchtbar zu finden . Ihre Frau Gemahlin hat Sie ja jedenfalls hinsichtlich unserer Absichten für die nächste Zeit unterrichtet . Oder irre ich mich ? « » Durchaus nicht , Herr Baron , seit heute morgen bin ich über alles orientiert . Doch kann ich nicht verschweigen , schon seit einigen Wochen merkte ich , daß etwas im Hause nicht in Ordnung wäre . Es fiel mir insbesondere auf , daß meine Frau sehr erregt und häufig geradezu dem Weinen nahe war . « » Dem Weinen nahe ? Dazu liegt wahrhaftig kein Grund vor , Herr Rosner ; Anna selbst , auf die es doch schließlich vor allem ankommt , befindet sich sehr wohl , hat ihre gewohnte Heiterkeit ... « » Ja , Anna ist allerdings in guter Stimmung und dies , um die Wahrheit zu sagen , bildet gewissermaßen meinen Trost . Aber im übrigen kann ich Ihnen nicht schildern , Herr Baron , wie schwer getroffen ... wie , ich möchte sagen ... wie aus allen Himmeln gerissen ... nie , nie hätte ich geglaubt ... « , er konnte nicht weiter , seine Stimme zitterte . » Ich bin wirklich sehr bekümmert « , sagte Georg , » wenn Sie der Angelegenheit in dieser Weise gegenüberstehen , trotzdem Ihnen doch Ihre Frau Gemahlin jedenfalls alles auseinandergesetzt hat , und die Maßnahmen , die wir für die nächste Zeit getroffen haben , wohl auch Ihre Zustimmung finden dürften . Von einer ferneren Zeit , einer hoffentlich nicht allzufernen , will ich heute lieber noch nicht reden , weil mir Phrasen jeder Art ziemlich zuwider sind . Aber Sie können versichert sein , Herr Rosner , daß ich gewiß nicht vergessen werde , was ich einem Wesen wie Anna ... Ja , was ich mir selber schuldig bin . « Er schluckte . Soweit er zurückdachte , gab es keinen Moment in seinem Leben , in dem er sich selbst so unsympathisch gewesen war . Und nun , wie in Gesprächen von vollkommener Aussichtslosigkeit nicht anders möglich , wiederholte jeder einigemale dasselbe , bis Herr Rosner sich endlich entschuldigte gestört zu haben und sich von Georg verabschiedete , der ihn bis zur Stiege hinausbegleitete . Georg behielt es einige Tage lang nach diesem Besuche wie einen unangenehmen Nachgeschmack in der Seele . Jetzt fehlt nur noch der Bruder , dachte er geärgert und stellte sich unwillkürlich eine Auseinandersetzung vor , in deren Verlauf sich der junge Mann als Rächer der Hausehre aufzuspielen suchte und Georg ihn mit außerordentlich treffenden Worten in seine Schranken verwies . Immerhin fühlte sich Georg , nachdem die Unterredung mit den Eltern Annas überstanden war , wie befreit . Und über den Stunden , die er mit der Geliebten allein in dem friedlichen Zimmer , der Kirche gegenüber verbrachte , lag ein eigenes Gefühl von Behaglichkeit und Sicherheit . Zuweilen schien es ihnen beiden , als stünde die Zeit stille . Wohl brachte Georg zu den Zusammenkünften Reisehandbücher , den Burckhardtschen Cicerone , sogar Fahrpläne mit , und stellte gemeinschaftlich mit Anna allerlei Routen zusammen , aber eigentlich dachte er nicht ernstlich daran , daß all das einmal wahr werden sollte . Was jedoch das Haus anbelangte , in dem das Kind geboren werden sollte , so waren sie beide von der Notwendigkeit durchdrungen , daß es gefunden und gemietet sein mußte , ehe sie Wien verließen . Einmal sah Anna in der Zeitung , die sie sorgfältig daraufhin durchzulesen pflegte , ein Forsthaus angekündigt , hart am Walde , unweit einer Bahnstation , die von Wien in eineinhalb Stunden zu erreichen war . Eines Morgens fuhren sie beide an den bezeichneten Ort und nahmen die Erinnerung an einen verschneiten ,