sei dies nun sein letztes Wort . Es klang fast wie ein Befehl für mich , still zu sein . Da regte sich das Mißtrauen von neuem in mir . Sein Verhalten war für mich ein Rätsel , dessen Lösung ich mir unbedingt verschaffen mußte . » Komm , Halef ! « Indem ich diese Aufforderung an meinen Hadschi richtete , wendete ich mich von Nafar Ben Schuri und stieg wieder in den Sattel . Halef that ebenso . Der Blick , den er mir zuwarf , sagte mir , daß er mich verstanden hatte und mir recht gab . » Wohin ? « fragte er . » Dorthin ! « Ich zeigte nach der Schlucht links , nach welcher die Spur führte , und setzte mein Pferd anstatt in Schritt in schnellen Trab . Da rief der Scheik der Dinarun hinter uns her : » Was fällt euch ein ? Warum reitet ihr dorthin ? Wollt ihr uns verlassen ? « Wir antworteten nicht , sahen uns auch nicht um und erreichten schnell die Schlucht , hinter deren Eingangsfelsen wir für die Dinarun verschwanden . Hier lag derselbe leichte Sand wie draußen . Die Fährte war ebenso deutlich wie dort . Halef hielt sich neben mir . Er konnte es nicht über das Herz bringen , zu schweigen ! » Sihdi , was hast du vor ? « fragte er . » Willst du unsere Freunde verlassen ? « » Nein . « » Aber warum entfernst du dich von ihnen ? « » Erstens um sie zu zwingen , mir Auskunft über diesen Ustad zu geben , und zweitens um sie darüber zu belehren , daß wir Männer sind , denen man Antwort zu geben hat , wenn sie fragen ! « » Das sind wir allerdings ! Doch meine ich , daß wir unsere Freunde - - - « » Freunde ? « unterbrach ich ihn . » Sei vorsichtig mit diesem Worte ! Es fällt mir schwer , das rechte Vertrauen zu dieser Freundschaft zu haben . « » Ich aber traue ihnen , Sihdi ! « » Das weiß ich gar wohl ; es wäre aber besser , wenn du zu mir mehr Vertrauen hättest , als zu ihnen . Es liegt irgend etwas zwischen ihnen und uns . Ich weiß es , kann es aber nicht finden . Wir werden es aber erfahren und ich hoffe , daß wir uns nicht zu der Sorte von Menschen zu zählen haben , welche nur durch Schaden klug werden können ! - Schau ! Was ist hier ? « » Da sind die Reiter abgestiegen , um auszuruhen , « antwortete er . So war es allerdings . Sie hatten an der rechten Seite der Schlucht Halt gemacht und sich in den weichen Sand gesetzt . Daneben standen niedrige Akaziensträuche , deren Spitzen und Blätter von den Pferden abgefressen worden waren . Die Eindrücke in dem Sande waren da , wo sie gesessen hatten , so scharf , daß man sogar sah , welche Stellung dabei von ihren Extremitäten eingenommen worden waren . Kaum hatte ich einen Blick dorthin geworfen , so entriß mir die Ueberraschung den Ausruf : » Welche Entdeckung ! Oder täusche ich mich ? « » Was ist ' s , Sihdi ? « fragte Halef . » Später ! Die Dinarun kommen ! « Sie waren es nicht alle , sondern nur der Scheik mit einigen von ihnen . Ich war wieder abgestiegen , um die Eindrücke in dem Sande zu untersuchen . Er blieb , um die Spuren nicht wieder zu verwischen , in einiger Entfernung von uns halten und rief uns , halb ärgerlich , halb bittend zu : » Ist denn plötzlich irgend ein Scheitan56 in euch gefahren ? Warum verlaßt ihr uns ? Wollt ihr etwa hier weiterreiten ? « » Ja , « antwortete ich . » Warum ? « » Wenn ich einen so gefährlichen Weg unternommen habe , wie der unsere ist , lasse ich nie eine unbeantwortete Frage auf ihm liegen . Ich muß unbedingt wissen , wen oder was ich vor mir habe . « » Du meinst den Ustad ? « Er wußte also wohl , warum wir uns entfernt hatten . » Ist dir dieser Mann denn so sehr wichtig ? « » Ja . « » Warum ? « » Weil du ihn durch dein Schweigen für mich wichtig gemacht hast . Hättest du mir nicht die Auskunft verweigert , so wäre er für uns wohl weiter nichts als jeder andere Mensch . « » Und was soll euch diese Fährte nützen ? « » Sie soll mich zu der Kenntnis führen , welche du uns nicht geben willst . Wir reiten als eure Freunde mit euch . Es handelt sich hierbei vielleicht um Blut und Leben . Darum ist die größte Vorsicht geboten . Ich sehe , daß sich noch andere Personen in unserer Nähe befunden haben , vielleicht noch befinden . Ich will wissen , wer sie sind . Ich entdecke , welches Pferd geritten wird . Ich will Auskunft über den Besitzer desselben . Du kannst sie geben , giebst sie aber nicht . Das ist gegen die Offenheit , welche ich von dir zu fordern habe ! Du hast Geheimnisse vor uns , die wir mit dir in den Kampf gehen sollen . Das trennt uns von euch . Wir reiten dieser Fährte nach , bis ich weiß , wer die Männer sind , die unsere Wege kreuzen ! « » Du hast einen harten Kopf ! « warf er ein . » Nicht das , sondern nur einen festen Willen ! « » Weißt du , was kommen wird , wenn ihr euch von uns trennt ? « » Was ? « » Ihr werdet in unbekannter Gegend hilflos sein ! Der Hunger wird an euch nagen , und der Durst wird euch verzehren ! « Kein Mensch hätte mir jetzt einen größeren Gefallen erweisen