keiner mehr kommen , oder sie die Haltestelle nicht finden und so hier in der rabenschwarzen Nacht auf der einsamen Chaussee umherlaufen , jedem Strolch , der des Weges kam , schutzlos ausgeliefert . Sie wußte sich nicht zu raten , zu helfen , und vor Frost und Angst an allen Gliedern bebend , brach sie in krampfhaftes Weinen aus . Endlich war die Kleine-Stern-Allee erreicht und der Kutscher bog wenigstens in diese ein , nachdem er die Korsoallee überschlagen und so einen Umweg von mindestens einer dreiviertel Stunde gemacht hatte , jedenfalls nicht , weil es sich , wie er behauptete , auf der Charlottenburger Chaussee doch noch immer besser fuhr , sondern um eine möglichst lange Zeit gefahren zu sein . Klotilde hatte längst den Kampf aufgegeben ; in der Stumpfheit der Seele , die sie befallen , ließ sie sich die Allee , die Tiergartenstraße hinauf und weiter die endlosen Straßen schleppen , bis der Wagen mit einem jähen Ruck vor ihrer Wohnung hielt und der Kutscher , den Schlag aufreißend , mit heiserer Stimme sagte : er könne die Nummer nicht erkennen ; aber es werde schon richtig sein . Sie zahlte dem Mann seine ganz unverschämte Forderung und gab ihm eine Mark dazu , - hatte sie die Hoffnung , überhaupt noch anzukommen , doch schon beinahe aufgegeben ! Der Kutscher , der plötzlich sehr gemütlich geworden war , schloß ihr sogar die Hausthür auf , da sie mit ihren ungeübten , völlig erstarrten Fingern nicht damit zustande kommen konnte . Die Treppe war dunkel - jedenfalls eine Chikane des Dieners , der mit de Kammerjungfer gemeinschaftliche Sache machte . Sie standen jetzt auf Viktors Seite . Wenn sie sich heute abend mit Viktor ausgesöhnt , würde morgen früh den beiden gekündigt . Sie hatte ihren Flur erreicht ; durch die schmalen Fenster der Flurthür kam der Schein eines Lichtes , das sich bewegte . Man hatte wohl ihren Schritt auf der Treppe gehört und wollte die Unbotmäßigkeit wieder gutmachen . Es würde ihnen nichts helfen . Die Thür wurde von innen geöffnet . Klotilde prallte zurück : vor ihr , mit einer Lampe in der Hand , stand Viktor . Bitte doch , einzutreten ! sagte er , die Lampe auf eine Konsole an der Wand stellend . Sein Überzieher hing neben seinem Hut auf dem Regal neben der Konsole ; augenscheinlich war er bereits längere Zeit zu Hause . Sie standen jetzt auf dem Korridor einander gegenüber im Licht der Lampe , das scharf auf die bleichen , hier in Schreck , dort in Zorn verzerrten Gesichter fiel . Ich habe Dich bereits seit einer Stunde erwartet , sagte Viktor , mit einer rauhen Stimme , die offenbar ruhig gelassen klingen sollte ; aber freilich nicht bedacht , daß der Weg von Charlottenburg etwas weit und heute nacht vermutlich nicht besonders ist . Dieser Herr hier , der denselben Weg machen mußte , hat Dich um eine volle Stunde überholt . Kommen Sie doch mal heran , Herr Krüger ! Wir haben hier keine Geheimnisse voreinander . Aus dem Schatten des großen , prächtigen Schrankes , den sie von dem elterlichen Gute mitgebracht hatte , trat ein kleiner , bleicher Mann - der Mann , der in dem National-Museum hinter ihnen die Treppe hinabgestiegen war , und den sie seitdem nun schon so oft hinter sich , neben sich , immer in unheimlicher Nähe bemerkt hatte . Dies ist die Dame , die Sie um neun Uhr am Arm des Ihnen bekannten Herrn in das Restaurant haben treten sehen ? Jawohl , Herr Assessor . Und die mit ihm in dem cabinet séparé verschwand ? Jawohl , Herr Assessor . Und mit ihm dann eine Unterredung hatte , die Sie Wort für Wort von dem nächsten Kabinett aus gehört haben ? Jawohl , Herr Assessor . Es ist gut . Sie können hinausgehen . Erwarten Sie mich auf dem Treppenabsatz ! Herr Krüger hatte die Flurthür hinter sich zugemacht . Nur noch ein paar Worte , sagte Viktor , während er sich den Überzieher anzog und den Hut herabnahm : Ich kann die Frau , die unglücklicherweise die Mutter meiner Kinder ist , nicht um zwölf Uhr nachts auf die Straße werfen , wohin sie gehört . Aber noch eine Nacht unter demselben Dache mit ihr zu verbringen , verbietet sich von selbst . Ich räume Dir also das Feld . Morgen vormittag um zehn werde ich wieder hier sein ; wir werden dann das weitere miteinander besprechen . Gute Nacht ! - Friedrich ! Die nur angelehnte Thür zum Speisezimmer wurde schnell aufgemacht und der junge Diener trat heraus , ein Licht in der Hand . Leuchte uns hinab ! sagte Viktor ; Du kannst dann zu Bett gehen . Er war mit Friedrich aus der Flurthür ; Klotilde hörte die drei die Treppe hinabsteigen . Sie stand noch auf derselben Stelle , unbeweglich . Nur einmal hatte sie die Regung gehabt , Viktor zu Füßen zu fallen : seine vornehme Ruhe hatte ihr so imponiert . Es wäre dann alles gut geworden - ganz gewiß ! Aber in Gegenwart jenes gräßlichen , bleichen , kleinen Menschen , und nun gar Friedrichs - unmöglich ! Und nun war alles aus ! Hätte es doch noch einen Sinn , murmelte sie . Um eine solche Geschichte ! eine so alberne Geschichte ! Sie wollte in Lachen ausbrechen ; aber aus ihrer Kehle kamen nur ein paar rauhe , häßliche Töne , vor denen sie erschrak . Von der Konsole nahm sie die Lampe und ging in ihr improvisiertes Schlafzimmer , dessen Thür sie hinter sich verschloß . Fünfundzwanzigstes Kapitel Viktor hatte den Rest der Nacht im Palast-Hotel ruhig verbracht ; jetzt , da die Entscheidung gefallen war , konnte er schlafen . Zur bestimmten Stunde , um zehn Uhr , war er vor seiner Wohnung ; Friedrich öffnete ihm die Flurthür . Ist die gnädige Frau aufgestanden ? Die gnädige Frau ist vor