man schimpft natürlich auf den Safur - wie nur Wütende schimpfen können . Abu Hischam ist der Einzige , der lachen kann . Safur ist verschwunden . Dafür erscheinen ein paar Eremiten mit langen Stangen am Ufer . Wie die ollen Eremiten die nassen schmutzigen Brüder schauen , müssen sie so lachen , daß ihnen die Tränen über die hohlen Wangen rollen . Die Schiffbrüchigen müssen sich das ruhig gefallen lassen . Der Kodama kriegt am meisten ab - er ist auch ganz kleinlaut . Von Safur aber sieht man keine Spur ; der ist vollkommen verschwunden . Man beschließt , Safur und Tarub nie wieder zu besuchen . Alle schwören sich das zu . Die Eremiten lachen sich krumm dabei . Die sieben lauteren Brüder reinigen wütend ihre Kleider - ihre schönen guten Kleider . Die Barke wird mit Mühe gehoben . Unzählige Schmutzflecke gehn nicht raus aus den Kleidern - schändlich ! - gemein ! - Die Wascherei nimmt gar kein Ende . Zweiundzwanzigstes Kapitel Seine Freunde ist also Bagdads berühmter Dichter los - die kommen nicht wieder . Jetzt hat er nur noch die Tarub , die sich natürlich nicht wenig wundert , als Safur ihr mitteilt , daß er sich mit den » Andern « erzürnt habe und daß die » Andern « schon nach Bagdad gefahren seien . Der Tarub wird so schwül , sie will Näheres wissen , erfährt aber nichts . Sie sagt dann kurz : » Das wird ja ein schönes Leben werden ! « Und nach diesen Worten geht sie in ihre Küche und wirtschaftet wieder herum , daß alles klirrt und klappert . Die Tarub muß immer arbeiten , sonst ist ihr nicht wohl . Safur aber - fängt jetzt an zu dichten . Das bereitet der Tarub natürlich eine große Freude . Sie bedauert allerdings , daß Safur seltner auf die Jagd geht , auch nicht mehr angelt . Das macht aber nichts , denn Tarub angelt selbst . Es gibt fast täglich Fische zu Mittag . Leider schickt Battany nicht mehr Brot und Wein - das ist sehr peinlich ! Es dauert drum nicht lange , und die Tarub ist wieder so wie in der langen Straße . Doch Safur geht jetzt einfach fort , wenn die Tarub laut zu reden oder gar zu schimpfen beginnt . Die Tarub wird , so unglaubwürdig das auch klingen mag , schließlich selber schweigsam . Ein rührendes Zusammenleben ! In der alten Lehmkate wirds immer stiller . Safur wird immer magrer . Doch er fängt sein Dschinnengedicht wirklich an - auf prächtigem chinesischem Papier schreibt er die ersten Verse - - - Indessen - er zerreißt gern das , was er schrieb . Er fängt immer wieder noch mal an . Mit dem Dichten wills garnicht so recht gehen . Er kann nicht , er hat das Leben eines Schlemmers geführt - immer nur genossen - nicht gelebt , um dichten zu können - - - sondern gelebt , um genießen zu können . Was Safur dichtete , waren immer nur Gelegenheitsscherze - mit denen er blendete - Längeres , Größeres hatte er nie fertig gebracht - demnach wollt es jetzt mit dem Dschinnengedicht nicht vorwärtsgehen - wollte nicht . Die Tarub wird neugierig . Sie wundert sich , daß Safur immer seine Verse zerreißt - warum zerreißt er sie denn ? Als Safur mal fort ist , setzt sie einzelne Papierteile , die sie in einer Ecke findet , wieder zusammen und liest : » Ich sah Dich schon so lange nicht , Wo bliebst Du nur ? Ich hört Dich auch so lange nicht . Ach , Alles spricht , Und die Königin der Wüste will da schweigen ? Nicht ! Du sollst mir endlich Alles Alles zeigen - Die ganze große Geisterwelt . Ich sehne mich zu sehr ! Komm endlich zu mir her ! « Das war mit riesig großen Buchstaben geschrieben - aus der Schrift leuchtete Safurs Selbstbewußtsein wie eine große Sonne heraus . Die Tarub versteht die Verse nicht . Aber sie will wissen , wer die » Königin der Wüste « ist . Safur sieht so mürrisch und gereizt aus . Wie er wieder mal ein paar Verse zerreißt , sammelt die Tarub gleich nachher mit großem Eifer abermals die Papierteile , setzt sie zusammen und liest : » Zum König Saiduk bist Du gegangen ? Zum König mit den schwarzen Wangen ? Wilde Dschinne , komm zu mir ! « Die Verse klären die Tarub nicht auf . Sie wird auch gereizt . Was will denn der Safur mit der Dschinne ? Die Geschichte ist der großen Köchin unbegreiflich . Safur bleibt oft tagelang fort - Oft fährt er im Kahn den Tigris hinauf - ganz allein . Zuweilen geht er auch auf die Jagd - bringt aber selten was mit . Die Tarub wird mißtrauisch und eifersüchtig . Eines Tages findet sie wieder ein paar zerrissene Verse - die gingen so : » Nun lach nicht mehr so schaurig ! Dein Lachen macht mich traurig ! Und sprich zu mir ein Wort ! Das Schweigen tötet die Liebe . Du sollst mich aber lieben - Ach , hörst Du mich denn nicht ? « Da regt sich das Weib in der Köchin - Sie wird eifersüchtig und schleicht ihrem Dichter nach - doch sie trifft kein Weib - nur ein paar alte Eremiten . Die Eremiten forscht sie vorsichtig aus , hört jedoch nichts von ihnen . Safurs Augen sehen so scheu aus . Manchmal spricht er zu sich selbst ... Da findet die Tarub eines Morgens im Kahne abermals viel zerrissenes Papier , und auf all dem Papier steht immer dasselbe - immer nur : » Du bist die Nacht ! Du bist der Tod ! « Diese Worte beruhigen das Weib - denn dem wirds nun allmählich klar , daß die Dschinne garnicht lebt , sonst könnt er sie doch nicht » Nacht « und » Tod « nennen .