» Ach , du Glücklicher ! Du Glücklicher ! « » Ja ! Ich habe das Glück gefunden und will es halten . Anna wird meine Frau . Willst du ihr gut sein ? « » Gut sein ? Nur gut sein ? Tas ! Ich werde ja närrisch vor Freude ! « Sie erstickte den Bruder fast mit Küssen . Plötzlich richtete sie sich auf und glitt von seinem Schoß . Ihr Gesichtchen hatte alle Farbe verloren . » Tas - ums Himmels willen - Papa ? Hast du denn schon mit ihm gesprochen ? « Tassilo erhob sich . » Noch nicht . Das soll dieser Tage geschehen , droben in der Jagdhütte . « Verstört blickte sie zu ihm auf . » Herr , du mein Gott ! Lieber , lieber Tas ! Das wird böse Geschichten absetzen ! « » Das fürchte ich ! « sagte er ruhig . Leidenschaftlich , als hätte sie um das eigene Glück zu kämpfen , faßte sie die Hand des Bruders . » Sei mutig , Tas ! Dann wirst du es durchsetzen . Das bist du deiner Liebe schuldig . Und wie es auch kommen mag , ich halte zu dir ! Fest ! « Mit beiden Armen umklammerte sie seinen Hals . » Ach , Tas , ich habe dich so furchtbar lieb ! « Er nahm ihr zuckendes Gesichtchen zwischen die Hände . » Ich danke dir ! Ja , kleiner Spatz , du hast mich lieb ! Ich wußte , daß du dich für mich entscheiden würdest . Ebenso , wie ich weiß , daß die anderen gegen mich sein werden . « » Nein , Tas ! Denke nicht gleich das Allerschlimmste ! Ich sage dir was . Nimm das Bild mit hinauf in die Hütte ! Wenn Papa das Bild sieht - oder noch besser , Tas : Grüble dir einen Vorwand aus , suche Papa zu einer Fahrt nach München zu bewegen , mach ' ihn mit Anna bekannt - « Tassilo schüttelte den Kopf . » Ich kenne den Vater besser . Mit einem solchen Versuche würde ich Anna nur einer Demütigung aussetzen . Könnt ' ich mir von einer Bewegung Gutes versprechen , so wäre die Fahrt nach München nicht notwendig . Anna ist mit ihrer Mutter und Schwester hier im Dorfe . « » Tas ! Und das sagst du mir erst jetzt ! « stammelte Kitty in Freude . » Führe mich zu ihr ! Ich bitte , bitte ! Ich muß sie kennenlernen . Ich muß ! Nicht wahr , du erfüllst meine Bitte ? Heute noch ! Jetzt ! Sieh nur , Tas , wir können keine bessere Stunde finden ! Die Gundi schnarcht , und Papa ist in der Hütte droben - es ist also absolut unmöglich , daß ich irgend jemand um Erlaubnis frage ! Komm , Tas , komm ! Was später sein wird , wissen wir alle beide nicht , aber heute können wir noch tun , was wir wollen ! Ich bitte dich , Tas ! « » Ja , Schatz , wir wollen gehen ! Und ich will ehrlich sein : Ich hoffte , daß du diese Bitte stellen würdest . Für Anna wird es eine Freude sein , wenn ich dich bringe und ihr sagen kann , daß es dein freier Wunsch war . « » Tas ! « jubelte Kitty . » In fünf Minuten bin ich fertig . « Selig auflachend huschte sie davon . Nach wenigen Minuten erschien sie wieder , mit heißen Wangen und strahlenden Augen . Sie hatte sich » schön « gemacht - genau so schön wie für jenes Diner , zu welchem Forbeck geladen war . Arm in Arm wanderten die Geschwister durch die Ulmenallee , an dem Käfig vorbei , in dem die Adler auf den Stangen saßen ; die Raubvögel bewegten die Köpfe , als das Paar vorüberschritt , und die durch keine Gefangenschaft zu zähmende Wildheit ihrer Rasse funkelte in den scharfen Augen ; einer von ihnen knappte mit dem Schnabel und zog die Fänge an , daß die Stange knirschte . 13 Vor dem Seehof füllte ein Gewirr von Menschen und Wagen den sonnigen Landeplatz , Schiffe kamen und gingen , und aus dem See heraus tönten die Echoschüsse . Tassilo trat mit der Schwester in eine Schiffshütte . Hier bestiegen sie das Boot . Kitty faßte die Steuerschnüre , aber sie war so wenig bei der Sache , daß Tassilo immer wieder mit dem Ruder die Ablenkung des Bootes korrigieren mußte . Auf einem hinter den Villen gegen den Wald führenden Promenadenweg gewahrte er zwei Damen und erkannte Frau Herwegh mit ihrer jüngeren Tochter . Schon fürchtete er , auch Anna nicht zu Hause zu finden ; die Klänge eines Flügels , die immer deutlicher hörbar wurden , je mehr sich der Nachen dem Villenufer näherte , beruhigten ihn . Kitty wandte keinen Blick mehr von dem unter Bäumen halb versteckten Landhaus , und die gedämpften Klänge schienen ihre Erregung noch zu steigern ; als der Nachen an der Steintreppe anlegte , war sie in einer Stimmung , als sollte sie ein verwunschenes Schloß betreten . Sie klammerte sich an den Arm des Bruders , daß er lächelnd fragte : » Hast du Angst ? « Tief atmend schüttelte sie das Köpfchen und ließ sich führen . Während die beiden den kleinen Garten durchschritten , gesellte sich zu den Tönen des Flügels der Gesang einer Altstimme , wie der Klang einer Glocke . » Bleib , ich bitte dich , « stammelte Kitty , » laß mich hören ! « » Das hörst du in der Nähe besser ! « Sie traten in den Flur der Villa , und geräuschlos öffnete Tassilo eine Tür . Kitty hatte kein Auge für den Raum . Zitternd stand sie , und ihr Blick hing an der schönen , mit vornehmer Schlichtheit gekleideten Mädchengestalt , die , der Tür den Rücken wendend