das , was kommt , keine grauen Haare wachsen lassen . « » Hältst du ihn für schlecht ? « » Nein , für schlecht nicht . Beinah im Gegenteil , jedenfalls hat er gute Seiten . Aber er ist so ' n halber Pole , kein rechter Verlaß , eigentlich in nichts , am wenigsten mit Frauen . Eine Spielernatur . Er spielt nicht am Spieltisch , aber er hazardiert im Leben in einem fort , und man muß ihm auf die Finger sehen . « » Es ist mir doch lieb daß du mir das sagst . Ich werde mich vorsehen mit ihm . « » Das tu . Aber nicht zu sehr ; dann hilft es nichts . Unbefangenheit ist immer das beste , und natürlich das allerbeste ist Charakter und Festigkeit und , wenn ich solch steifleinenes Wort brauchen darf , eine reine Seele . « Sie sah ihn groß an . Dann sagte sie : » Ja , gewiß . Aber nun sprich nicht mehr , und noch dazu lauter Dinge , die mich nicht recht froh machen können . Weißt du , mir ist , als hörte ich oben das Tanzen . Sonderbar , daß es immer wiederkommt . Ich dachte , du hättest mit dem allen nur so gespaßt . « » Das will ich doch nicht sagen , Effi . Aber so oder so , man muß nur in Ordnung sein und sich nicht zu fürchten brauchen . « Effi nickte und dachte mit einem Male wieder an die Worte , die ihr Crampas über ihren Mann als » Erzieher « gesagt hatte . Der Heilige Abend kam und verging ähnlich wie das Jahr vorher ; aus Hohen-Cremmen kamen Geschenke und Briefe ; Gieshübler war wieder mit einem Huldigungsvers zur Stelle , und Vetter Briest sandte eine Karte : Schneelandschaft mit Telegraphenstangen , auf deren Draht geduckt ein Vögelchen saß . Auch für Annie war aufgebaut : ein Baum mit Lichtern , und das Kind griff mit seinen Händchen danach . Innstetten , unbefangen und heiter , schien sich seines häuslichen Glücks zu freuen und beschäftigte sich viel mit dem Kinde . Roswitha war erstaunt , den gnädigen Herrn so zärtlich und zugleich so aufgeräumt zu sehen . Auch Effi sprach viel und lachte viel , es kam ihr aber nicht aus innerster Seele . Sie fühlte sich bedrückt und wußte nur nicht , wen sie dafür verantwortlich machen sollte , Innstetten oder sich selber . Von Crampas war kein Weihnachtsgruß eingetroffen ; eigentlich war es ihr lieb , aber auch wieder nicht , seine Huldigungen erfüllten sie mit einem gewissen Bangen , und seine Gleichgültigkeiten verstimmten sie ; sie sah ein , es war nicht alles so , wie ' s sein sollte . » Du bist so unruhig « , sagte Innstetten nach einer Weile . » Ja . Alle Welt hat es gut mit mir gemeint , am meisten du ; das bedrückt mich , weil ich fühle , daß ich es nicht verdiene . « » Damit darf man sich nicht quälen , Effi . Zuletzt ist es doch so : was man empfängt , das hat man auch verdient . « Effi hörte scharf hin , und ihr schlechtes Gewissen ließ sie sich selber fragen , ob er das absichtlich in so zweideutiger Form gesagt habe . Spät gegen Abend kam Pastor Lindequist , um zu gratulieren und noch wegen der Partie nach der Oberförsterei Uvagla hin anzufragen , die natürlich eine Schlittenpartie werden müsse . Crampas habe ihm einen Platz in seinem Schlitten angeboten , aber weder der Major noch sein Bursche , der , wie alles , auch das Kutschieren übernehmen solle , kenne den Weg , und so würde es sich vielleicht empfehlen , die Fahrt gemeinschaftlich zu machen , wobei dann der landrätliche Schlitten die Tête zu nehmen und der Crampassche zu folgen hätte . Wahrscheinlich auch der Gieshüblersche . Denn mit der Wegkenntnis Mirambos , dem sich unerklärlicherweise Freund Alonzo , der doch sonst so vorsichtig , anvertrauen wolle , stehe es wahrscheinlich noch schlechter als mit der des sommersprossigen Treptower Ulanen . Innstetten , den diese kleinen Verlegenheiten erheiterten , war mit Lindequists Vorschlage durchaus einverstanden und ordnete die Sache dahin , daß er pünktlich um zwei Uhr über den Marktplatz fahren und ohne alles Säumen die Führung des Zuges in die Hand nehmen werde . Nach diesem Übereinkommen wurde denn auch verfahren , und als Innstetten Punkt zwei Uhr den Marktplatz passierte , grüßte Crampas zunächst von seinem Schlitten aus zu Effi hinüber und schloß sich dann dem Innstettenschen an . Der Pastor saß neben ihm . Gieshüblers Schlitten , mit Gieshübler selbst und Doktor Hannemann , folgte , jener in einem eleganten Büffelrock mit Marderbesatz , dieser in einem Bärenpelz , dem man ansah , daß er wenigstens dreißig Dienstjahre zählte . Hannemann war nämlich in seiner Jugend Schiffschirurgus auf einem Grönlandfahrer gewesen . Mirambo saß vorn , etwas aufgeregt wegen Unkenntnis im Kutschieren , ganz wie Lindequist vermutet hatte . Schon nach zwei Minuten war man an Utpatels Mühle vorbei . Zwischen Kessin und Uvagla ( wo , der Sage nach , ein Wendentempel gestanden ) lag ein nur etwa tausend Schritt breiter , aber wohl anderthalb Meilen langer Waldstreifen , der an seiner rechten Längsseite das Meer , an seiner linken , bis weit an den Horizont hin , ein großes , überaus fruchtbares und gut angebautes Stück Land hatte . Hier , an der Binnenseite , flogen jetzt die drei Schlitten hin , in einiger Entfernung ein paar alte Kutschwagen vor sich , in denen , aller Wahrscheinlichkeit nach , andere nach der Oberförsterei hin eingeladene Gäste saßen . Einer dieser Wagen war an seinen altmodisch hohen Rädern deutlich zu erkennen , es war der Papenhagensche . Natürlich . Güldenklee galt als der beste Redner des Kreises ( noch besser als Borcke , ja selbst besser als Grasenabb ) und durfte bei Festlichkeiten nicht leicht fehlen