jedoch jedes Handeln ab , so handle ich . Selbst auf die Gefahr deiner Nichtzustimmung . « » Tu , was du willst . « Und damit warf Treibel die Tür ins Schloß und ging in sein Zimmer hinüber . Als er sich in den Fauteuil warf , brummte er vor sich hin : » Wenn sie am Ende doch recht hätte ! « Und konnte es anders sein ? Der gute Treibel , er war doch auch seinerseits das Produkt dreier , im Fabrikbetrieb immer reicher gewordenen Generationen , und aller guten Geistes- und Herzensanlagen unerachtet und trotz seines politischen Gastspiels auf der Bühne Teupitz-Zossen - der Bourgeois steckte ihm wie seiner sentimentalen Frau tief im Geblüt . Dreizehntes Kapitel Am anderen Morgen war die Kommerzienrätin früher auf als gewöhnlich und ließ von ihrem Zimmer aus zu Treibel hinüber sagen , daß sie das Frühstück allein nehmen wolle . Treibel schob es auf die Verstimmung vom Abend vorher , ging aber darin fehl , da Jenny ganz aufrichtig vorhatte , die durch Verbleib auf ihrem Zimmer frei gewordene halbe Stunde zu einem Briefe an Hildegard zu benutzen . Es galt eben Wichtigeres heute , als den Kaffee mußevoll und friedlich oder vielleicht auch unter fortgesetzter Kriegführung einzunehmen , und wirklich , kaum daß sie die kleine Tasse geleert und auf das Tablett zurückgeschoben hatte , so vertauschte sie auch schon den Sofaplatz mit ihrem Platz am Schreibtisch und ließ die Feder mit rasender Schnelligkeit über verschiedene kleine Bogen hingleiten , von denen jeder nur die Größe einer Handfläche , Gott sei Dank aber die herkömmlichen vier Seiten hatte . Briefe , wenn ihr die Stimmung nicht fehlte , gingen ihr immer leicht von der Hand , aber nie so wie heute , und ehe noch die kleine Konsoluhr die neunte Stunde schlug , schob sie schon die Bogen zusammen , klopfte sie auf der Tischplatte wie ein Spiel Karten zurecht und überlas noch einmal mit halblauter Stimme das Geschriebene . » Liebe Hildegard ! Seit Wochen tragen wir uns damit , unsren seit lange gehegten Wunsch erfüllt und Dich mal wieder unter unsrem Dache zu sehen . Bis in den Mai hinein hatten wir schlechtes Wetter , und von einem Lenz , der mir die schönste Jahreszeit bedeutet , konnte kaum die Rede sein . Aber seit beinah vierzehn Tagen ist es anders , in unsrem Garten schlagen die Nachtigallen , was Du , wie ich mich sehr wohl erinnere , so sehr liebst , und so bitten wir Dich herzlich , Dein schönes Hamburg auf ein paar Wochen verlassen und uns Deine Gegenwart schenken zu wollen . Treibel vereinigt seine Wünsche mit den meinigen , und Leopold schließt sich an . Von Deiner Schwester Helene bei dieser Gelegenheit und in diesem Sinne zu sprechen ist überflüssig , denn ihre herzlichen Gefühle für Dich kennst Du so gut , wie wir sie kennen , Gefühle , die , wenn ich recht beobachtet habe , gerade neuerdings wieder in einem beständigen Wachsen begriffen sind . Es liegt so , daß ich , soweit das in einem Briefe möglich , ausführlicher darüber zu Dir sprechen möchte . Mitunter , wenn ich sie so blaß sehe , so gut ihr gerade diese Blässe kleidet , tut mir doch das innerste Herz weh , und ich habe nicht den Mut , nach der Ursache zu fragen . Otto ist es nicht , dessen bin ich sicher , denn er ist nicht nur gut , sondern auch rücksichtsvoll , und ich empfinde dann allen Möglichkeiten gegenüber ganz deutlich , daß es nichts anderes sein kann als Heimweh . Ach , mir nur zu begreiflich , und ich möchte dann immer sagen , reise , Helene , reise heute , reise morgen , und sei versichert , daß ich mich , wie des Wirtschaftlichen überhaupt , so auch namentlich der Weißzeugplätterei nach besten Kräften annehmen werde , gerade so , ja mehr noch , als wenn es für Treibel wäre , der in diesen Stücken auch so diffizil ist , diffiziler als viele andere Berliner . Aber ich sage das alles nicht , weil ich ja weiß , daß Helene lieber auf jedes andere Glück verzichtet als auf das Glück , das in dem Bewußtsein erfüllter Pflicht liegt . Vor allem dem Kinde gegenüber . Lizzi mit auf die Reise zu nehmen , wo dann doch die Schulstunden unterbrochen werden müßten , ist fast ebenso undenkbar , wie Lizzi zurückzulassen . Das süße Kind ! Wie wirst Du Dich freuen , sie wiederzusehen , immer vorausgesetzt , daß ich mit meiner Bitte keine Fehlbitte tue . Denn Photographien geben doch nur ein sehr ungenügendes Bild , namentlich bei Kindern , deren ganzer Zauber in einer durchsichtigen Hautfarbe liegt ; der Teint nüanciert nicht nur den Ausdruck , er ist der Ausdruck selbst . Denn wie Krola , dessen Du Dich vielleicht noch erinnerst , erst neulich wieder behauptete , der Zusammenhang zwischen Teint und Seele sei geradezu merkwürdig . Was wir Dir bieten können , meine süße Hildegard ? Wenig ; eigentlich nichts . Die Beschränktheit unsrer Räume kennst du ; Treibel hat außerdem eine neue Passion ausgebildet und will sich wählen lassen , und zwar in einem Landkreise , dessen sonderbaren , etwas wendisch klingenden Namen ich Deiner Geographiekenntnis nicht zumute , trotzdem ich wohl weiß , daß auch Eure Schulen - wie mir Felgentreu ( freilich keine Autorität auf diesem Gebiete ) erst ganz vor kurzem wieder versicherte - den unsrigen überlegen sind . Wir haben zur Zeit eigentlich nichts als die Jubiläumsausstellung , in der die Firma Dreher aus Wien die Bewirtung übernommen hat und hart angegriffen wird . Aber was griffe der Berliner nicht an - daß die Seidel zu klein sind , kann einer Dame wenig bedeuten - , und ich wüßte wirklich kaum etwas , was vor der Eingebildetheit unserer Bevölkerung sicher wäre . Nicht einmal Euer Hamburg , an das ich nicht denken kann , ohne daß mir