kommt auch noch dies in Betracht : der heilige Florian wird vom Feuerfürchtigen angerufen : Ich bitt ' dich , heiliger Florian , verschon ' mein Haus , zünd ' andere an . Wenn das Haus des andern brennt , ist ' s immer ein Schauspiel , das man sich mit Vergnügen beguckt , weil ' s die Nerven kitzelt . So bezahlt man als Skandalfürchtiger dem journalistischen Kloakenmann ein Schweigegeld für sich , damit man zugleich als , Skandalfreudiger sich an dem Anblick weiden kann , wenn er mit doppelter Frechheit über die Nichtzahler herfällt und sie von oben bis unten mit Kot bemalt . Dem genußgierigen Mob , auch dem gebildeten , ist jede Gemeinheit willkommen . Ich werde Ihnen einmal mit einer Reihe von Einzelfällen aus der sogenannten besten Gesellschaft aufwarten , daß Sie staunen sollen . Aber Sie müssen erst gehörig Kognak trinken lernen , - wollen Sie einen Schluck ? ich habe sehr guten da - damit Sie den Ekel aushalten . Ja , dieser glitzernde Sumpf , dieser duftende Misthaufen ... Und das will sich , wie der Pharisäer im Evangelium , an die Brust schlagen und augenverdrehend den Himmel angrüßen : Ich danke dir Gott , daß ich nicht bin wie die andern Leute aus Sodom und Gomorrah ... Sie sind noch jung in München , lieber Freund . Die schmutzigen Münchener Geheimnisse unter der sozialen Glanzwichse entschleiern sich nicht mit dem ersten Blick . Ich werde Ihnen meine Augen und meine Materialiensammlungen leihen , wenn die Zeit gekommen . Dann werden Sie tief hineinblicken in unser verborgenes Leben . Nur will ich die Stetigkeit Ihrer Arbeiten nicht beeinträchtigen durch Stoffüberladung . Nur eins will ich Ihnen heute noch erzählen , um der Kontrastwirkung willen . Ein Widerspiel exzessiver Güte der exzessiven Schlechtigkeit . Im Gegensatz liegt die Kunst , auch für den Impressions-Novellisten . Wie lange sind Sie in München , Herr Schlichting ? Zwei , drei , Jahre , nicht wahr ? Also werden Sie den Mann nicht vom Sehen kennen , kaum vom Hörensagen . Ja , doch , ich selbst habe Ihnen neulich andeutungsweise von ihm gesagt , daß ihn der Preßbandit hin und wieder durch seine Kloake schleife . Richtig . Es geht mir so viel durch den Kopf . Die Verhöhnung in dem Sudelblatt ist jetzt vielleicht in München noch die einzige Erinnerung an ihn . Effenbach ist ein Verschollener . Er hat sich vor ein paar Jahren müde , abgehetzt , krank vom hauptstädtischen Schauplatz in seinen Steinbruch zurückgezogen , wie ein todwundes Wild , das im Wald einen Unterschlupf zum Verenden sucht . Vielleicht haben Sie meine Andeutung überhört . Wie ' s heute um den Maler Effenbach steht , weiß ich selber nicht . Welch ' ein unzeitgemäßer Mensch ! Stellen Sie sich vor : er lebt im Lande des berühmtesten Bieres - und trinkt nur frisches Wasser ; er lebt in der Stadt der saftigsten Braten und Kalbshaxen - und begnügt sich mit der schmalen Pflanzenkost des strengsten Vegetarianers ; er lebt in der Kunstmetropole , wo die vertraktesten Modebilder in den Straßen herumlaufen und die Künstler in ihrer Tracht sich der sterilsten und geschmacklosesten Schneiderphantasie unterwerfen , um vor dem herrschenden Philister- und Geckentum nicht aufzufallen - und er kleidet sich in ein schlichtes wollenes Kuttengewand wie ein Mönch ; alle Welt verbummelt die heiligen Sonntage so sündhaft und vergnügt wie möglich - und er sammelt seine Gedanken bei den Verachteten und Verlassenen und hält Vorträge über die Quellen des menschlichen Elends ; alle Welt liegt auf den Knieen vor dem goldenen Kalb und kankaniert den Narrentanz nach Lust , Reichtum , Ehre - er steht hoch aufgerichtet da in seiner Armut und apostolischen Reinheit , beschäftigt sich mit dem Leid der andern und erstrebt nichts , als daß man ihn unbehelligt seinen uneigennützigen Beruf als Menschheitsfreund erfüllen lasse . Heilandhaftigkeit eines Neu-Nazareners im Lande der alleinseligmachenden Maßkrüge ! Wo sogar die himmelragenden Thürme der Metropolitankirche zu Unsrer lieben Frau die Form von Riesenmaßkrügen haben . Erlösung dem Erlöser ! Die andern besorgen sich ihre Erlösung auf ihre Weise . Durch die Jahrhunderte spottet ' s vom Jordan zur Isar herüber : Wenn du ein Gott bist , so hilf dir selbst und steig ' herab vom Kreuze ! Und Effenbach schleppt seinen Kreuzbalken ... Dabei arbeitet er im Stillen rastlos an der Vervollkommnung seiner Kunst , denn er ist ein genial veranlagter Maler , und verschmäht es , sich mit seinen Studien der Öffentlichkeit aufzudrängen . Seine Kunstgenossen sehen ihn über die Achsel an . Welch ' ein unzeitgemäßer Mensch , nicht wahr ? Nein , mehr als das : ein Phantast , ein Narr , ein Unfugtreiber , ein polizeiwidriges Subjekt ! Ja , ja . Wiederholt ist er seiner Kleidung und seiner Lebensweise wegen vor die Schranken des Gerichts zitiert und des öffentlichen Unfugs angeklagt worden . Natürlich ! Wo er sich blicken ließ , in unserer gebenedeiten Biermetropole und Kunststadt , lief ihm der Pöbel nach , und die Ansammlung der Maulaffen hätte Verkehrsstörungen und Unglücksfälle verursachen können . Welch ' ein Malheur , wenn einige Troddeln unter die Räder gekommen wären ! Aber die Troddeln müssen geschützt werden , selbstverständlich . Die vereinsmäßigen laxen Vegetarianer hassen ihn wegen seiner Strenge und unbeugsamen Konsequenz ; die parteimäßigen , ihren Mantel nach dem Winde hängenden Politiker und Volksbeglücker verlachen und verachten ihn wegen seiner reinen Unabhängigkeit und Selbsttreue ; die große Herde der Gaffer und zeitgemäß gebildeten Philister verspottet ihn als einen Dummkopf aus Prinzip ; die fanatischen Frömmler verfolgen ihn ... Man kann sich das brutale Verhalten der Allgemeinheit solchen Ausnahmemenschen gegenüber sehr gut erklären . Schopenhauer hat stets darauf aufmerksam gemacht , daß die sogenannte gute Gesellschaft Vorzüge aller Art gelten läßt , nur nicht die geistigen und reinmenschlichen . Und das geht hinauf und hinab durch alle Schichten der konventionellen Bildungswelt . Wie wird beispielsweise unser König seiner geistigen und menschlichen Eigenheiten wegen angefochten - natürlich