als er selber ungebührlich verzogen wurde . Ja , man beruhigte sich , und Egon , als die Teestunde da war , stand bereits an dem Punkt , alles von der heiteren Seite zu nehmen . Zugleich sprach er gegen Franziska , die dabei zustimmend nickte , die Hoffnung aus , sie werde die für den andern Tag anberaumte große Suche mitmachen , immer vorausgesetzt , daß sich bis dahin nicht alles wieder geregelt habe , was freilich das wahrscheinlichste sei . Denn das ganze Gesindel hänge zusammen , und nachdem König Hanka seinen Ukas nunmehr erlassen habe , werde sich das » Engelchen « am andern Morgen auf Toldys Türschwelle vorfinden . Aber dies erfüllte sich nicht , und als um die zehnte Stunde noch immer an keine Marischka zu denken war , brach man in zwei starken Trupps auf , von denen der alte Graf die für das linke , Graf Egon die für das rechte Seeufer bestimmte Kolonne führte . Bei der ersteren war auch Toldy , bei der zweiten aber Andras und Franziska , welch letztere trotz alles Abmahnens der alten Gräfin ihrer Neugier und einem kleinen in ihr aufsteigenden Abenteuerhange nicht hatte widerstehen können . Unten in Szegenihaza schloß sich dem Egonschen Trupp auch noch der kleine geistliche Herr an , anscheinend um dem Ganzen eine höhere Weihe zu geben , in Wahrheit aber aus Vorliebe für die junge Gräfin und in dankerfüllter Erinnerung an die Stunden und Tage , die sein armes , kleines Leben einen Sommer lang beglückt hatten . Egon hieß ihn willkommen , und in jagdgerechtem Absuchen immer wieder von der Peripherie der Gehölze her bis in das Innere vordringend , ritt man von Dorf zu Dorf , auch sonst noch auf jede Kleinigkeit achtend . Aber die Sonne stand schon ziemlich tief , ohne daß man einer Spur des Kindes begegnet wäre . Franziska hing den Kopf , während Egon in wirklicher oder erkünstelter Verstimmung über den Schuft von Hanka herfiel , der bloß große Worte gemacht habe , sehr wahrscheinlich aber mit im Komplott sei . Das ganze Vergnügen sei wie Dachsgraben ohne Dachs , und alles in allem habe der Junge , der Andras , ganz recht , wenn er von zu vielen Geschwistern im Hause Toldy spreche . Bei solchem Geplauder waren sie bis in die Nähe der Südspitze des Sees gekommen , als sie plötzlich einige hundert Schritte hinter sich ein Rufen hörten und in raschem Sichwenden Andras erkannten , der , eine Strecke Weges zurückgeblieben , in seiner Linken etwas in die Höhe zu halten schien . Gleich darnach aber hörten sie , daß er Marischkas kleine Schuhe auf dem Grabenrande gefunden habe , ganz so wie hingestellt , um leicht und bequem gesehen zu werden ; dies sei der eine , den andern aber hab er stehenlassen , um die Stelle nicht zu verpassen ; er wette jetzt seinen Kopf , hier würden sie die Marischka finden , tot oder lebendig . Alle waren derselben Meinung und umstellten , als ihr Trupp heran war , eine von Disteln , Gras und Heidekraut überwachsene Gemarkung , auf der sie nun abermals wie zum Kesseltreiben vorgingen . Und siehe da , was man vermutet hatte , traf ein , und zwischen hohem Farnkraut , ein Tuch unterm Kopfe , lag das Kind und schlief . Auch ein weniges von Brot war ihm in die Tasche gesteckt worden . Alles jubelte , sogar Egon , und jeder bedauerte , daß der alte Toldy , weil bei der andern Kolonne , sein Glück nicht gleich erfahren könne . Zwei , drei Schloßleute brachen denn auch auf , ihn an der andern Seeseite zu suchen , der Rest aber legte das übermüdete Kind , das ruhig weiterschlief , in einen Korb und machte kehrt , um nunmehr unter Führung des Geistlichen an demselben Ufer hin , an dem man gekommen war , den Rückweg anzutreten . Dies war ein mehr als dreistündiger Weg , den die vom langen Ritt sich ohnehin ermüdet fühlende Franziska nicht auch noch im Sattel zurückzulegen wünschte , weshalb sie vorschlug , lieber in der einmal eingeschlagenen Richtung bis zu dem nahen Nagy-Vasar hin weiterreiten und von dort aus das letzte Dampfschiff zur Heimfahrt benutzen zu wollen . Andras solle sie beide begleiten . Egon war mit dem Vorschlage zufrieden , und so ritten sie denn auf den Flecken und seine Dampfschiffstelle zu . Achtundzwanzigstes Kapitel Es schlug eben sechs in den umliegenden Dörfern , als Egon und Franiska , nur von Andras begleitet , auf Nagy-Vasar zuritten . Was sie nach rechts und links hin vor sich hatten , waren Äcker und Wiesen , und nur dann und wann unterbrach ein mit Tannen untermischtes Birkengehölz die sich bis an den See hin dehnende Plaine . Der Weg konnte keine halbe Stunde mehr sein , und so mußten sie das um sieben Uhr abgehende Boot noch bei guter Zeit erreichen , auch wenn sie nur Schritt ritten . Aber gleich das erste Gehölz , das sie zu passieren hatten , gab ihnen einen Aufenthalt , indem sie ziemlich in der Mitte desselben einen Feuerschein zwischen den Bäumen hin wahrnahmen und allerlei Stimmen zu hören glaubten . Es schien ein Streit . » Wir müssen hinein und sehen , was es ist « , rief Egon , sein Pferd rasch herumwerfend , während ihm Andras und Franziska durch die weißen Birkenstämme hin folgten . Aber sie fanden nichts und kehrten endlich nach längerem Suchen auf die große Straße zurück . » Ich hoffte schon « , sagte Egon , » daß wir dem Toldy noch ein zweites , ein Pflegekind mitbringen könnten . « » Dessen er sich in dem Glück über das eigene Kind auch sehr wahrscheinlich gefreut haben würde . « » Ganz unzweifelhaft . Denn zu den vielen Unerklärlichkeiten des Daseins gehört auch die , woher die gewöhnlichen Leute , die sogenannten Enterbten der Gesellschaft , ihre Zärtlichkeit nehmen . « » Ich