vergänglichem Schoß . Alles vergehet , Gott aber stehet Ohn ' alles Wanken , Seine Gedanken , Sein Wort und Wille hat ewigen Grund Sein Heil und Gnaden Die nehmen nicht Schaden , Heilen im Herzen , Die tödlichen Schmerzen , Halten uns zeitlich und ewig gesund . Kreuz und Elende - Das nimmt ein Ende , Nach Meeresbrausen Und Windessausen Leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht . Freude die Fülle Und selige Stille Darf ich erwarten Im himmlischen Garten , Dahin sind meine Gedanken gericht ' . « Die Großmutter saß still da mit gefalteten Händen , und ein Ausdruck unbeschreiblicher Freude , so wie ihn Heidi nie an ihr gesehen hatte , lag auf ihrem Gesicht , obschon ihr die Tränen die Wangen herabliefen . Als Heidi schwieg , bat sie mit Verlangen : » O , noch einmal , Heidi , laß es mich noch einmal hören : Kreuz und Elende Das nimmt ein Ende - « Und das Kind fing noch einmal an und las in eigener Freude und Verlangen : » Kreuz und Elende - Das nimmt ein Ende , Nach Meeresbrausen Und Windessausen Leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht . Freude die Fülle Und selige Stille Darf ich erwarten Im himmlischen Garten , Dahin sind meine Gedanken gericht ' . « » O Heidi , das macht hell ! das macht so hell im Herzen ! O wie hast du mir wohl gemacht , Heidi ! « Ein Mal ums andere sagte die Großmutter die Worte der Freude , und Heidi strahlte vor Glück und mußte sie nur immer ansehen , denn so hatte es die Großmutter nie gesehen . Sie hatte gar nicht mehr das alte trübselige Gesicht , sondern schaute so freudig und dankend auf , als sähe sie schon mit neuen , hellen Augen in den schönen himmlischen Garten hinein . Jetzt klopfte es am Fenster , und Heidi sah den Großvater draußen , der ihm winkte , mit heimzukommen . Es folgte schnell , aber nicht ohne die Großmutter zu versichern , morgen komme es wieder , und auch wenn es mit Peter auf die Weide gehe , so komme es doch im halben Tag zurück ; denn daß es der Großmutter wieder hell machen konnte und sie wieder fröhlich wurde , das war nun für Heidi das allergrößte Glück , das es kannte , noch viel größer , als auf der sonnigen Weide und bei den Blumen und Geißen zu sein . Die Brigitte lief dem Heidi unter die Tür nach mit Rock und Hut , daß es seine Habe mitnehme . Den Rock nahm es auf den Arm , denn der Großvater kenne es jetzt schon , dachte es bei sich ; aber den Hut wies es hartnäckig zurück , die Brigitte sollte ihn nur behalten , es setze ihn nie , nie mehr auf den Kopf . Heidi war so erfüllt von seinen Erlebnissen , daß es gleich dem Großvater alles erzählen mußte , was ihm das Herz erfreute , daß man die weißen Brötchen auch unten im Dörfli für die Großmutter holen könne , wenn man nur Geld habe , und daß es der Großmutter auf einmal so hell und wohl geworden war , und wie Heidi das alles zu Ende geschildert hatte , kehrte es wieder zum ersten zurück und sagte ganz zuversichtlich : » Gelt , Großvater , wenn die Großmutter schon nicht will , so gibst du mir doch alles Geld in der Rolle , daß ich dem Peter jeden Tag ein Stück geben kann zu einem Brötchen und am Sonntag zwei ? « » Aber das Bett , Heidi ? « sagte der Großvater ; » ein rechtes Bett für dich wäre gut , und nachher bleibt schon noch für manches Brötchen . « Aber Heidi ließ dem Großvater keine Ruhe und bewies ihm , daß es auf seinem Heubett viel besser schlafe , als es jemals in seinem Kissenbett in Frankfurt geschlafen habe , und bat so eindringlich und unablässig , daß der Großvater zuletzt sagte : » Das Geld ist dein , mach , was dich freut ; du kannst der Großmutter manches Jahr lang Brot holen dafür . « Heidi jauchzte auf : » O juhe ! Nun muß die Großmutter gar nie mehr hartes , schwarzes Brot essen , und o Großvater ! nun ist doch alles so schön , wie noch gar nie , seit wir leben ! « und Heidi hüpfte hoch auf an der Hand des Großvaters und jauchzte in die Luft hinauf , wie die fröhlichen Vögel des Himmels . Aber auf einmal wurde es ganz ernsthaft und sagte : » O wenn nun der liebe Gott gleich auf der Stelle getan hätte , was ich so stark erbetete , dann wäre doch alles nicht so geworden , ich wäre nur gleich wieder heimgekommen und hätte der Großmutter nur wenige Brötchen gebracht , und hätte ihr nicht lesen können , was ihr wohl macht ; aber der liebe Gott hatte schon alles ausgedacht , so viel schöner , als ich es wußte ; die Großmama hat es mir gesagt , und nun ist alles so gekommen . O wie bin ich froh , daß der liebe Gott nicht nachgab , wie ich so bat und jammerte ! Aber jetzt will ich immer so beten , wie die Großmama sagte , und dem lieben Gott immer danken , und wenn er etwas nicht tut , das ich erbeten will , dann will ich gleich denken : es geht gewiß wieder wie in Frankfurt , der liebe Gott denkt gewiß etwas viel Besseres aus . Aber wir wollen auch alle Tage beten , gelt Großvater , und wir wollen es nie mehr vergessen , damit der liebe Gott uns auch nicht vergißt . « » Und wenn ' s einer doch täte ? « murmelte der Großvater . » O dem geht ' s nicht gut , denn der liebe Gott vergißt ihn dann auch und läßt ihn