im Schatten und wenig bemerkbar , hingen die Pastellporträts der prinzlichen Tafelrunde : Tauentzien , die Wreechs , Knyphausen , Knesebeck ; meistens Geschenke der Freunde selbst . Lewin und Renate sahen noch der untergehenden Sonne nach , als sie aus der Tiefe des Zimmers her den Zuruf hörten : » Soyez les bienvenus « . Sie wandten sich und sahen die Tante , die von der Wendeltreppe her auf sie zuschritt . Die Geschwister eilten ihr entgegen , ihr die Hand zu küssen . Die Gräfin trug sich schwarz , selbst die Stirnschnebbe fehlte nicht . Es war dies , dem Beispiele regierender Häuser folgend , die Witwentracht , die sie seit dem Hinscheiden des Grafen nicht wieder abgelegt hatte . Im übrigen hätten Haube und Krause frischer sein können , ohne den Eindruck zu schädigen . In der Nähe des Eckfensters stand eine » Causeuse « , die denselben Bleu-de-France-Überzug hatte wie alle übrigen Möbel . Eines war der Lieblingsplatz der Gräfin ; Renate schob ein hohes Kissen heran , während Lewin sich der Tante gegenübersetzte . Das Gespräch war bald in vollem Gange , mit französischen Wörtern und Wendungen reichlich untermischt , die wir in unserer Erzählung nur sparsam wiedergeben . Die Tante schien gut gelaunt und tat Frage über Frage . Der Hohen-Vietzer Weihnachtsmorgen , sogar der Wagen Odins mußten ausführlich besprochen werden . Dies letztere war das überraschendste , denn in Sachen der Altertümlerei blieb die Guser Gräfin wenig hinter Bamme zurück . Auch Maries wurde gedacht , aber nur kurz , dann lenkte das Gespräch zu den Ladalinskis hinüber , an die das Haus Vitzewitz durch eine Doppelheirat zu ketten der sehnlichste Wunsch der Tante war . Ihr in diesem Wunsche nach Möglichkeit entgegenzukommen würde sich , da sie die Erbtante war , unter allen Umständen empfohlen haben ; es traf sich aber so glücklich , daß der Guser Familienplan und die Herzenswünsche der Hohen-Vietzer Geschwister zusammenfielen . » Wie verließest du Tubal ? « fragte die Tante . » In bestem Wohlsein « , erwiderte Lewin , » und ein Brief , der heute früh von ihm eintraf , läßt mich annehmen , daß die Feiertage nichts verschlimmert haben . « » Was schreibt er ? « » Ein langes und breites über literarische Freunde . Aber eine kurze Schilderung des Christabends , und wie die Weihnachtslichter bei den Ladalinskis ziemlich trübe brannten , schickt er voraus . Er sagt auch einiges über Kathinka . Darf ich es dir mitteilen ? « » Je vous en prie . « Lewin entfaltete den Brief . Es dunkelte schon im Zimmer . Er rückte deshalb näher an das Fenster , dessen Scheiben in dem letzten Rot erglühten . Dann las er , über die Eingangszeilen hinweggehend : » In einem Hause , in dem die Kinder fehlen , wird das Christkind immer einen schweren Stand haben , so nicht etwa der Kindersinn den Erwachsenen verblieben ist . Und Kathinka , die so vieles hat ( vielleicht weil sie so vieles hat ) , hat diesen Sinn nicht . « Lewin schwieg einen Augenblick , weil es ihm schien , daß die Tante sprechen wolle . Dann sagte diese : » Es ist eine richtige Bemerkung , aber es überrascht mich , sie von Tubal zu hören . Es ist , als ob Seidentopf spräche . Kathinka ist eine Polin , ça dit tout , und gerade das macht sie mir wert . Kindersinn ! Betise allemande . Wie mag nur ein Ladalinski so tief ins Sentimentale geraten . C ' est étonnant ! Ich würde die deutsche Mutter darin zu erkennen glauben , wenn nicht durch ein Spiel des Zufalls , par un caprice du sort , in eben dieser Mutter mehr polnisch Blut lebendig gewesen wäre als in einem halben Dutzend itzkis oder inskis . Kindersinn ! Dieu m ' en garde ! Ich bitte euch , meine Teuren , verschließt euch der eitlen Vorstellung , als ob diese deutschen Gefühlsspezialitäten die unerläßlichen Requisiten in Gottes ewiger Weltordnung wären . « Renate faßte sich zuerst und sagte : » Ich glaube , daß mir diese Vorstellung fremd geblieben ist , aber schon die Bibel preist den Kindersinn als etwas Köstliches . « Die Tante lächelte . Dann nahm sie , wie sie zu tun pflegte , die Hand der Nichte , streichelte sie und sagte : » Du hast diesen Sinn , und Gott erhalte ihn dir . Aber muß ich euch , die ihr mich kennt , noch erst Erklärungen geben ? A quoi bon ? Gewiß ist es etwas Schönes um ein kindlich Herz , wie um alles , was den Vorzug des Natürlichen und Reinen hat . Aber das stete Sprechen davon oder das Geltendmachen , das immer nur da sich einfindet , wo der Schein an Stelle der Sache getreten ist , das ist kleinbürgerlich deutsch , et voilà ce qui me fâche . Und das war es auch , was den Prinzen verdroß . In seinem Unmut unterschied er dann nicht , ob er die Frommen oder die Heuchler traf ; sonst so vorsichtig , wog er nicht länger ab , und auch ich , je n ' aime pas à marchander les mots . Ihr müßt Abzüge machen , wo es not tut . Inzwischen laß uns weiter hören , Lewin . « Lewin fuhr im Lesen fort : » Als die Türen eben geöffnet wurden , kam Graf Bninski . Er hatte Aufmerksamkeiten für uns alle , zu weitgehende für mein Gefühl , aber Kathinka schien es nicht zu empfinden . « » Aber Kathinka schien es nicht zu empfinden « , wiederholte die Gräfin , langsam den Kopf schüttelnd . Dann fuhr sie fort : » Oh , cet air bourgeois , ne se perdra-t-il jamais ? Mit neuen Karten das alte Spiel . Je ne le comprends pas . Solange die Welt steht , haben sich Jugend und Schönheit an Geschenken erfreut , an Pracht