, die grausame Enttäuschung ließ sich nicht leicht wieder verschmerzen . Er untersuchte jetzt auch seine Fleischtonnen . Aus der einen , die das bedeutend empfindlichere Schweinefleisch enthielt , quoll ihm ein Duft entgegen , der alle weitere Mühe überflüssig machte . Er versenkte das ganze Fäßchen in die Erde und überdeckte es mit einer Schicht dichten Lehms , dann setzte er die Untersuchung fort . Das Rindfleisch war noch gut erhalten , ebenso der Speck . Robert säuberte nun das Innere seiner Wohnung und sammelte dann Moos , um es zu trocknen . Bei dieser Gelegenheit fielen seine Augen zufällig auf die ganz vergessenen Überreste seiner Fischmahlzeit . Freilich konnte von diesem Gemengsel kein Labskaus mehr gebraten werden , aber ein anderer Gedanke tauchte plötzlich auf . Diese langen spitzen Gräten - sollten sie sich nicht zu Nähnadeln brauchen lassen ? Sein Anzug war ja völlig zerrissen . Nur Fetzen und Lumpen hingen noch von seinen Schultern herab . Die Gräten waren fest genug , um jedes Zeug durchbohren zu können , aber es ließ sich an ihnen kein Faden befestigen . Robert dachte nach , bis er darauf kam , mit der Gräte in ein ganz dünnes , leichtes Stück Holz hineinzubohren und auf diese Weise ein Öhr herzustellen , das dem einer Nadel glich . Er breitete das gesammelte Moos auf Segeltüchern im Sonnenschein aus und machte sich dann daran , mit seinem Taschenmesser ein Stückchen Holz ganz platt zu schneiden . Er wollte erst das kleine Loch hineinbohren und später der Nadel ihre Form geben , damit nicht ein plötzlicher Spalt die stundenlange Mühe zunichte machen könne . Das Essen hatte ihm am Mittag nur halb so gut wie sonst geschmeckt ; ausgehen oder jagen wollte er heute nicht , und vor dem Anblick des Meeres empfand er , seit es ihn so betrogen hatte , eine Art von Grauen , daher widmete er seine ganze Zeit der Nähnadel , die ihm zu einem neuen Anzug verhelfen sollte . Das Durchbohren des Holzes erwies sich aber als keineswegs leicht ; Gräte auf Gräte zerbrach , und Robert wurde immer ärgerlicher . Dann aber kam ihm ein glücklicher Gedanke , den er auch sofort ausführte . Die ursprüngliche Absicht , das Holz zu durchbohren , gab er auf und schnitt statt dessen die stärkste Gräte mit dem Messer aus der Reihe der übrigen heraus . Nun legte er ein ganz spitzes Hölzchen zum Feuer und ließ es heiß werden . Die Flammen ausblasend , drückte er das glühende Ende auf die obere Seite der Fischgräte , und siehe da , - ein leichtes Zischen zeigte , daß eine kleine Vertiefung entstanden sein mußte . Wie oft hatte er auf diese Weise seine Mutter ein Fischbeinstäbchen durchbohren sehen . Waren denn die Gräten nicht aus demselben Stoff ? Allerdings nahm die Mutter dazu eine Haarnadel und hatte also ein bedeutend besseres Werkzeug als er , aber mit den kleinen Splittern des sehr harten Holzes ging es zur Not auch , wenn auch weit schwerer und viel langsamer . Robert blieb geduldig . Er wendete von Zeit zu Zeit das feuchte Moos und warf das getrocknete in eine Kiste , dann arbeitete er weiter an dem winzig kleinen Nadelöhr , das doch so großer Mühe und Beharrlichkeit bedurfte . Heimlich dachte er dabei an die vielen bitteren Verwünschungen , die er noch vor wenigen Monaten auf alles , was Nähnadel hieß , herabgerufen hatte . Ob er gerade dafür zur Strafe jetzt so unermüdlich das Stück Holz in seiner Hand zuspitzen , ins Feuer stecken und wieder zuspitzen mußte ? Er schloß ermüdet die Augen . Es war ihm alles so gleichgültig geworden , so fremd ; er arbeitete nur , um nicht müßig dazusitzen . Und endlich , als er zum hundertsten Male die Gräte an das Licht hielt , zeigte sich , daß sie durchbohrt war . Robert war sehr stolz . Wenn er jetzt ohne Kreide , ohne Zwirn und Schere , nur mit einer Fischgräte und zerfasertem Segelgarn einen Anzug nähen konnte , so war das ein Werk , das ihm nicht jeder Schneider nachmachte . Er mußte unwillkürlich lächeln . Vater , Großvater und Urgroßvater , alle Krolls , soweit sich der Stammbaum der Familie zurückführen ließ , hatten ja mit gekreuzten Beinen auf dem Tisch sitzend das Leben durchstichelt , aber wie entsetzt würden sie sein , wenn sie sehen müßten , daß der letzte Sproß dieser ansehnlichen Reihe von Schneidern ihr Handwerk mitten im Urwald und mit einer Fischgräte fortführte ! - Robert schüttete das trockene Moos auf die Stelle , wo er schlafen wollte , und räumte seine Decken wieder ein , so daß jetzt wenigstens ein gutes , weiches Lager da war . Draußen sah es noch fürchterlich aus ; die Zweige geknickt und das Gras zerstampft , der ganze Boden feucht und aufgewühlt , als hätten dort Soldaten exerziert , - aber Robert kümmerte sich nicht darum . Er hatte für heute genug , daher legte er sich ohne Abendbrot zu Bett und träumte fortwährend von dem Schiff , das im Schlaf und im Wachen seine Gedanken beschäftigte . Er sah sich auf dem Mangobaum sitzen und rund um ihn herum war es heller sonniger Tag . Die Kameraden auf dem großen Dreimaster , der gerade an die Küste herankam , hatten ihn längst bemerkt , sie winkten ihm zu , sie riefen ihn an , und er wollte so schnell wie möglich zur Erde klettern . - Wer aber im Traum fällt , der hat das Gefühl , als weiche unter ihm jeder feste Halt , als stürze er ins Bodenlose , er erwacht mit klopfenden Pulsen und Schweißtropfen auf der Stirn , atemlos wie jemand , der lange und schnell gelaufen ist . Auch Robert fuhr vom Lager auf . » Das Schiff ! « murmelte er , » das Schiff ! « Dann aber erkannte er seine Umgebung , atmete die drückende Luft des engen ,