sitzen beisammen und erzählen sich Märchen . Sie haben heute einen sonderartigen Drang , aus ihrer Alltägigkeit herauszutreten und sich eine eigene Welt zu schaffen . Mancher übt alte , heidnische Sitten aus und vermeint durch dieselben einem unsäglichen Gefühle des Herzens zu genügen . Mancher strengt seine Augen an und blickt hin über die nächtigen Wälder und meint , er müsse irgendwo ein helles Lichtlein sehen . Er horcht nach Feierglockenklingen und lieblichen Engelsstimmen . Aber nur die Sterne leuchten über den Waldbergen , heute wie gestern und immer . Ein kalter Lufthauch weht über den Wipfeln ; Eisflämmchen flimmern nieder von den Kronen und zuweilen schüttelt ein Geäste seine Schneelast ab . Aber anders berührt in dieser Nacht das Flimmern und das Fallen des Schnees , und die Menschengemüter zittern in sehnsuchtsvoller Erwartung des Erlösers . Ich habe ein einfältig Christbäumlein , wie man sie in nordischen Ländern haben soll , zusammengerichtet und dasselbe der Anna Maria Ruß in die Lautergräben geschickt . Ich denke , die Kerzenflammen müssen freundlich spiegeln in den Äuglein ihres Kleinen . Vielleicht , daß gar ein Funke ins junge Herz hineinzuckt und dort nimmer verlischt . In der Hütte der Witwe kann kein Christbaum sein . Auf dem Grabe des Mathes liegt sehr viel Schnee ; das Briefgehäuse aus Reisig hat eine hohe Haube . Der flehende Brief der Mutter an das Kind muß verderben , ohne erbrochen und gelesen worden zu sein . März 1818 . In einem Winkel der Karwässer drüben hat sich der Berthold eine Klause erworben . Er ist zu den Holzleuten gegangen . Die Aga hat gestern ein Kindlein geboren . Es ist ein Mädchen . Sie haben es nicht nach Holdenschlag getragen . Ich bin geholt worden , daß ich es taufe . Ich bin kein Priester und darf dem Kirchenkalender keinen Namen stehlen . Waldlilie habe ich das Mädchen geheißen und mit dem Wasser des Waldes habe ich es getauft . Ostern 1818 . Wann wird der Engel kommen , der den Stein hinwegwälzt ? » Jerum , jerum , unser Herrgott ist gestorben ! Aber wie ich schon sag ' , es erfährt ein ' s halt nichts in dieses Hinterland herein . Schau , schau , ist eh ' nimmer jung gewesen , hab ' schon mein Lebtag von ihm gehört . Hat halt doch auch einmal fort müssen . Uh , wem bleibt ' s aus ! « - Das hat der alte Schwammelfuchs gesagt , als er erfahren , daß zu Holdenschlag am Charfreitag von der Kanzel verkündet worden , unser Herrgott sei gestorben zu Jerusalem . In ernster und in höchster Verwunderung meint es der Alte , der doch zu jedem Abendgebete die Worte sagt : » Gelitten unter Pontius Pilatus , gekreuziget , gestorben . « Es ist Zungengebet . Das wahre Gebet betet nur das Herz in seiner Not , in seiner Freude , aber die Leute werden sich desselben nicht bewußt . In Untiefen begraben liegt noch das Ding , das wir wahre Gottesehre oder Frömmigkeit heißen . Die Leute eilen in der Osternacht oder am Morgen in den freien Wald hinaus , zünden Feuer an , lassen Schießpulver knallen und spähen in der Luft nach dem päpstlichen Segen , der am Ostermorgen von der Zinne der Peterskirche zu Rom ausgestreut werde nach allen vier Winden . Es ist immer das unbewußte Sehnen und Ringen . Man merkt , es liegt etwas begraben in den Herzen , was nicht tot ist . Wann aber wird der Engel kommen , der den Stein hinwegwälzt ? Am Sankt-Markustag 1818 . Der Schnee ist geschmolzen . Drüben im Gesenke donnern noch die Lahnen . Vor einem Jahre haben wir einige Obstbäume gepflanzt ; diese grünen jetzt ganz frisch und der Edelkirschbaum treibt fünf schneeweiße Blüten . Der Kirchenbau hat wieder begonnen . Die Maurer haben sich auch schon an den Pfarrhof gemacht . Der wird ein stattliches Haus nach dem Plane des Waldherrn . Warum muß der Pfarrhof denn größer sein als etwan das Schulhaus ? Das Schulhaus soll ja für eine ganze Familie und für eine Schar junger Gäste eingerichtet sein ; der Pfarrhof herbergt nur einen oder ein paar einzelne Menschen , deren Welt sich nicht nach außen breitet , sondern im Innern vertieft . Aber der Pfarrhof soll das Heim und die Zuflucht sein für alle Rat- und Hilfebedürftigen ; eine Freistatt für Verfolgte und Schutzlose - und auch der Mittelpunkt der Gemeinde . Als Neues in der Jahreszeit kehrt stets das Alte wieder , die Leute leben in ihrer gewohnten Beschäftigung und unbewußten Armut fort . Ich kann nicht mehr so im Walde herumgehen , um mit den Leuten zu verkehren , von ihnen zu lernen und ihnen dafür anderweitig zu nützen . Ich kann nicht mehr flechten und schnitzen , nicht mehr so in der Schöpfung leben und Baum- und Blumenkunde treiben und das Erdreich ausspähen , was etwan aus demselben für uns zu holen wäre . Ich muß stetig dem Baue sein ; die Arbeiter und Vorarbeiter gehen auf meinen Rat . Ich muß viel nachdenken und Bücher und fremde Erfahrungen zu Hilfe ziehen , daß wir nicht auf Irrwege geraten . Mir behagt aber die Sache bei all der Anstrengung und ich werde jünger und kräftiger . Gestern ist der Dachstuhl aufgesetzt worden . Viele Menschen sind dabei anwesend gewesen ; jeder will zur Kirche sein Scherflein beitragen . Die Witwe des Mathes und ihre Tochter arbeiten auch im Bau . Sie sprechen kein Wort mehr von dem Knaben . Aber letzthin hat das Weib ein Steinchen mit aus ihrer Hütte gebracht und die Worte gesagt : » Ich möchte gern , daß dieses Sandkorn unter dem Altar liege . « Es ist der Stein , den der Knabe nach der Mutter geworfen . Pfingsten 1818 . Das erste Fest der neuen Kirche . Aber nicht in derselben , sondern vor derselben . Gestern ist das Turmkreuz aufgerichtet worden . Es ist von