und es entstehe nur Verdruß und wer weiß was alles draus ; aber - können Sie es ändern ? Ich kann ' s nicht ! Versetzen Sie sich in meine Lage , Herr Pastor . Das Frölen hat seinen Kopf aufgesetzt , mehr denn je , und was das bedeutet , wissen Sie ebensogut wie ich . Es meint , da die Welt doch auseinanderginge , so sei ' s das vornehmste und nobelste , man stelle sich wieder auf Adams Standpunkt und nehme jegliches Tierchen , wie es sich produziere . Und wissen Sie , der Herr von Glaubigern hat es daraufhin groß angesehen und hat ihm nachher , als es vom Tisch aufstand , ganz fein und ehrerbietig die Hand geboten und die Tür geöffnet mit einer Verbeugung , und nachher hat er mir gesagt , entweder gehe die Welt wirklich unter , oder das gnädige Fräulein sei noch von keinem Menschen recht gewürdigt worden . Der Herr von Glaubigern hat sich ganz auf die Seite des gnädigen Fräuleins gestellt , und dagegen ist nichts zu machen . Wozu sich übrigens das Dorf eigentlich in diese Geschichte mischt , sehe ich gar nicht ein . Von Ihnen , Herr Pastor , und Ihrer lieben Frau rede ich natürlich nicht ; aber die andern Maulaffen sollen mir nur kommen , ich werde sie gehörig heimzuschicken wissen . In den alten Schriften und Chroniken steht freilich nichts davon , daß die Herren von Lauen jemals das Kind einer Vagabundin an ihren Tisch aufgenommen haben ; aber das kann doch den Krodebeckern unmenschlich gleichgültig sein . Jetzt bin ich da und der Herr Leutnant von Glaubigern und Fräulein Adelaide von Saint-Trouin , die eine so vornehme Dame ist , wie die Welt und der alte Blocksberg da sie noch gar nicht gesehen haben , und was ich der alten Hanne Allmann versprochen habe , das ist mir auch noch hell im Gedächtnis , und somit , Herr Pastor , wenn wir , die alte Hanne mitgerechnet , nichts gegen die Tonie Häußler einzuwenden haben , so möchte ich den sehen , der mir mit seinem Wenn und Aber das Leben noch saurer machen wollte , als es mir schon so zuweilen ist . Sie kommen doch heut abend mit den lieben Ihrigen , Herr Pastor ? Wir haben einen Puter mit Johannisbeeren und nachher eine Schüssel recht schöner Krebse ! « Selbstverständlich kam der Herr Pastor samt der Frau Gemahlin und dem trefflichen Herrn Sohn , Ihnen gegenüber zwischen dem Chevalier und dem Fräulein von Saint-Trouin saß Antonie Häußler , und so konnte denn noch späterhin an demselben Abend Frau Adelheid ihr gutes Herz gegen ihre Vertraute in der Küche ausschütten : » Jetzt läßt sich wirklich nichts mehr ändern , Mamsell Molkemeyer . Ein sonderbares Ding ist es ; aber wenn ich wirklich einen Trost gebraucht hätte , so hätte mir das Gesicht der Buschmann denselben verliehen . Ich glaube , heut nacht lach ich mich in den Schlaf ; aber wissen möcht ich wohl , was mein Seliger dazu sagen würde . Gott sei Dank , der Herr Ritter übernimmt die Verantwortung ! Sieh , bist du auch einmal wieder da , Jane Warwolf ? Du hast dich ja lange nicht sehen lassen auf dem Hofe . « » Ja , Fraue , ich bin wieder einmal da « , sagte die Greisin , von ihrem Sitz neben dem Herde sich erhebend . » Ich bin gekommen , um nach der Erbschaft der Hanne zu sehen ; da nehmt meine Hand , Fraue von Lauen ; Ihr seid ein stolz , brav Weib und sollt Euch nicht bloß in den Schlaf , sondern auch in den Tod lachen . Eure Sterbestunde soll Euch so leicht werden , als Ihr mit Eurem guten Herzen das Leben den Menschen macht . Fraue , Ihr seid eine stolze Frau , und es ist eine Ehre , Euch liebzuhaben . « - - Wie gut es ist , daß sich dann und wann durch Menschenkraft nicht ändern läßt , was man gern anders haben möchte ! Wenn Tonie Häußler wie aus dem blauen Himmel auf den Lauenhof herabgefallen war , so brachte sie auch alle Schönheit und Freundlichkeit ihrer Heimat als Gastgeschenk mit herab , und der Lauenhof hatte nicht nur großen Nutzen , sondern auch viel Vergnügen davon . Hier war nun in der Tat das richtige Bildungsobjekt für den Chevalier und das Fräulein von Saint-Trouin , und auch das Sonderbarste und Verschrobenste , welches bei allem , was die beiden Alten zu geben hatten , mit unterlief , konnte hier keinen Schaden stiften ; wovon im nächsten Kapitel weiter die Rede sein wird . Jegliches Körnlein der Weisheit und Courtoisie , welches der Ritter und das Fräulein ausstreuten , fiel auf den besten Boden und ging sehr lieblich auf . Zu der Zierlichkeit der körperlichen Erscheinung des Kindes fügte sich von Tag zu Tage wundervoller eine unbeschreibliche Zartheit des Gemütes ; und die großen dunkeln Augen , die vor kurzem noch so wild und scheu in das Erdengewirr hineinfunkelten , leuchteten jetzt in einem Lichte , welches selbst den Rohesten betroffen machen und anmuten mußte . Früher als bei andern Kindern entwickelte sich bei Antonie Häußler eine gewisse Jungfräulichkeit , welche die Herzen aller gewann und die Frau Adelheid immer mehr in ihrer Überzeugung bestärkte , daß sich nicht das geringste mehr an den neuen Zuständen des Lauenhofes ändern lasse . In dem Siechenhause von Krodebeck hatte Tonie vollkommen die Erziehung erhalten , welche die guten Feen ihren Lieblingsschützlingen in der Einsamkeit und Wildnis angedeihen lassen ; gewissermaßen wurde diese Erziehung auf dem Lauenhofe fortgesetzt , und seltsamerweise verspürte auch der Junker jetzt einen wohltätigen Einfluß davon . Was früher in anima vili nur komisch , verdrießlich oder gar beängstigend auf ihn gewirkt hatte , das kam jetzt durch ein Medium , durch das , was man in der Naturlehre einen Lichtleiter nennen würde , in gänzlich veränderter Beleuchtung und Bedeutung