launische Glück seine Gaben zurückzieht . In der Hütte der Armut , wo sie so viel Platz hat , da waltet sie allein und beinahe allmächtig , so daß es schwer zu beschreiben und doch jedem leicht begreiflich zu machen ist , der dabei selbst an eine liebe Mutter denkt . Als Jos damals das Durcheinander von der Kirchweih in Gedanken etwas erlesen hatte und mit sich so gut als eben möglich eins geworden war , begann ihn die Vorstellung zu quälen , daß er nie mehr der Mann zu einem gehörigen Tagwerk werde , um sich und die Mutter wenigstens vor der äußersten Not zu schützen . Jedes freundliche Wort der Guten ward ihm ein Vorwurf , jede Äußerung ihrer Teilnahme , ihres Mitleids traf den von eigenen Vorwürfen nicht Freien viel schmerzlicher als der bitterste Tadel . Aber wie so viele Liebe und Sorgfalt ihn auch beschämten , er vermochte doch nicht lange zu widerstehen . Es war , als ob er das Herbste , Drückendste allmählich wegbrächte in stillvergossenen Tränen , die er jetzt häufiger fast als in seinen Kinderjahren weinen mußte . Es tat ihm wunderbar wohl , sich mitten in seiner Armut so reich und bei seinen großen Fehlern so innig geliebt zu wissen . Er ward demütig von Herzen , und drum trug er leichter die Last , die er nun einmal zu tragen hatte . Wenn die Mutter neben ihm bei der Stickerei saß und so vertraulich mit ihm plauderte , war es ihm oft , als ob die schönste Lebenszeit , die der Knabenjahre , wieder gekommen und alles seitdem Erlebte nur ein Traum sei . Wirklich war er auch wieder weich und fromm und fügsam wie damals , wurde auch wie ein Kind behandelt , und nur der Gedanke an die Zukunft schlich wie ein düsterer Schatten durch seine schönen Träume . Es war auch die Zukunft der Mutter ! Er war zu bedauern , und die Stickerin neben ihm auch , wenn ihm solche Gedanken kamen , und sie kamen immer häufiger . Die Mutter fand kein Wort , sie zu bannen , Dorotheen aber war das schon durch ihr Erscheinen , wenn auch ohne Wissen und Willen , gelungen . Hätte er auch auf ihre Fragen nach seinem Befinden eine betrübende Antwort geben können ? Es war ihm doch recht wohl jetzt , und es gab Augenblicke , wo er sich sagte , Dorotheens Teilnahme sei schon wert , daß man sie durch ein Leiden errege . Es ging auch sonst gleich alles besser , als er im ersten Schrecken gefürchtet hatte . Seit der Doktor das Bein wieder einrichtete und verband , fühlte er oft so lange gar keinen Schmerz , bis er sich vergaß und zu unruhig wurde . Aber Dorothee redete ihm darum so eindringlich zu , daß er dann selbst im Traume noch daran denken zu können glaubte . Nur als Hans kam , hatte er unwillkürlich aufspringen wollen . Aller Groll gegen ihn war vergessen , und heiter fragte er den reichen Arbeitgeber , der den Türnagel noch immer nicht aus der Hand gelassen hatte : » Du wirst endlich sehen wollen , wie lang der Knecht braucht , bis die Kirchweih gehörig ausgeschlafen ist ? « » Ja , es ist eine schlimme Geschichte « , antwortete Hans , der in des Knechtes heiteren Ton nicht überzugehen vermochte , etwas unbeholfen . Ihm kam die freundliche Frage ganz unerwartet und beinahe auch unerwünscht . Hätte Jos den Mürrischen gemacht und ihn am Ende tüchtig ausgescholten , so würde er ihm schon auch gesagt haben , wieviel an dem Unglück auf Josens eigene Rechnung komme . So aber konnte Hans nichts tun als dastehen wie ein armer Sünder und sich schämen . Einen Augenblick bedauerte er wirklich , daß er nicht lieber beim Krämer in der Krone geblieben war . Dann aber schritt er ans Bett heran , erfaßte die Hand des Knechtes und rief : » Sind doch wir beide wieder einmal Narren gewesen ! Dorothee hat - « Hans hatte erst in diesem Augenblick die Genannte im Ofenwinkel erblickt und hielt nun verlegen inne . » Was hast du denn von der gleich erzählen wollen ? « fragte das Mädchen . » Nun « , murrte Hans , » du solltest mich gut genug kennen und mich für keinen Verleumder halten . Da hättest du gar keine Sorge haben , ja nicht einmal kommen müssen . « » Ich bin ja schon vor dir dagewesen « , trotzte das Mädchen . » Dich « , fuhr es dann halb im Scherz und halb im Ernste fort , » dich haben wir beim Krämer vermutet , und daß der keinem Menschen zu nahe tritt , ist bekannt genug . Also nichts für übel ! « Durch diese Worte ward Hans wieder an die heutige Rede des Krämers erinnert , die ihm diesen jetzt noch mehr zuwider machte . » Nein « , sagte er , » mit dem laß mich gehen , wenn du das von Dorotheen noch hören willst . « » Nun , ich bin ja still und höre . « » Dorothee hat - aber nein , das sag ' ich nicht mehr . « » Der Krämer « , ahmte das Mädchen Hansens Redeweise nach . » Nur still und laß mich : Dorothee- « Der beiden Blicke waren sich freundlich begegnet . Sie mußten laut lachen , und Jos und die Schnepfauerin lachten mit . » Dorothee « , begann Hans nun herzhaft , » hat ganz recht gehabt , als sie mir am letzten Sonntag tüchtig den Marsch machte . « » So , « spottete das Mädchen , » und dieses Bekenntnis hätte man fast mit Winde und Hebstange heraufholen müssen ? « » Nun ist ' s da , und du kannst machen damit , was du willst . « Das Mädchen war hocherfreut , nun Hansen doch wieder freundlich zu sehen . Sogar Jos