war ihr nicht vom Papa , sondern von der Mama der Name Serena in der Taufe beigelegt worden ; aber zu ihrer Charakterbildung hatten Vater und Mutter ein gleiches Teil beigetragen , und darin lagen die Keime ihres Sieges verborgen . Es kam der Tag , an welchem sie die Zügel , nach welchen so viele andere Damen gestrebt hatten , endlich mit ihren eigenen kleinen Händen ergriff , und das war alles in allem genommen ein sehr segensreicher Tag für den Professor Reihenschlager . Nun kehrte die Ordnung schnell wieder ein in Haus und Hof , in Küche und Keller . Das Haus war nicht länger eine Herberge der Ungerechtigkeit und jeglicher Wüstenei , der Garten war nicht mehr eine unromantische Wildnis von Brombeeren , Brennesseln , Schierling und ausgewuchertem Spargel : der Professor selber erschien nicht länger als ein Greuel in den Augen der Menschheit . Die koptische Weisheit quoll nicht länger aus dem Loch im Ärmel , und niemand , der hinter dem Professor herging , konnte nunmehr den Kragen seines Rockes als Spiegel benützen . Die Bibliothek vergrößerte sich nur im richtigen Verhältnis zu den Zahlenreihen des Haushaltungsbuches . Da stand sie - Fräulein Serena Reihenschlager - , neunzehnjährig , aber mit der festen Gewißheit im Busen , im nächsten Monat zwanzig Jahre alt zu werden . Da stand sie hinter dem Busch , diese Tochter einer grade nicht sehr glücklichen Ehe , dieses Kind des Geschreies und der Unordnung , reinlich und rundlich , treuherzig und bieder , ein gutes Mädchen , auf welches man sich überall und unter allen Umständen verlassen konnte ! Da stand sie , nicht zu groß und nicht zu klein , mit Augen , die etwas von einem Hausmärchen am Winterabend und von einem Lied beim Heumachen im sonnigen Monat Juni an sich hatten ; da stand sie hinterlistig hinter dem Busch und spitzte die Ohren wie jede andere Tochter Evas , welche nicht aus der Art schlug . Ehe wir jedoch die ihr so ungemein interessante Unterhaltung der beiden Herren unsern Freunden vor den Blättern dieses Buches mitteilen , haben wir noch einige Zeilen dem Papa Reihenschlager zu widmen . Er sah nicht aus wie ein Mann , der gewohnt ist , stets seinen Willen durchzusetzen . Er trug die Schultern hoch und den Kopf zwischen die Schultern gezogen . Die Hände hatte er sehr tief in die Taschen seines schwarzen Rockes gesenkt , und er konnte es , denn seine Arme waren lang genug . Sein Haar war weiß und hing weit über den Kragen des Rockes hinunter ; eigentlich merkwürdig an ihm war nur die breite , klare , reine Stirn ; aber sie machte ihn auch zu einem der beneidenswertesten Bürger dieser Welt und entschädigte ihn reichlich für alles , was er im Leben erdulden mußte , und die Summe desselben konnte nicht gering sein , wie wir wissen . Innere und auswärtige Kriege , alle täglichen und nächtlichen Widerwärtigkeiten des Ehestandes , Regentage , Frostbeulen , Scheuerlappen , Haar- und Reisbesen mochten über den Mann hereingebrochen sein und ihr Ärgstes an ihm versucht haben : diese glorreiche , weiße Stirn hatte zuletzt doch den Sieg behalten . Seinen echten , wahren Willen hatte der Professor Reihenschlager immer durchgesetzt ! Serena Reihenschlager besaß ein sanftes Herz ; allein in diesem Augenblick stampfte sie jedesmal ärgerlich mit dem Füßchen auf , wenn das Gespräch der beiden Herren wieder in das Koptische zurückfiel oder ein Rauschen in den letzten Blättern des Jahres einen Teil der Unterhaltung ihrem Verständnis entzog . Wir halten es für ein großes Glück , daß uns von dieser Unterhaltung nichts verlorenging . Die Sache hatte ungemein gelehrt angefangen ! » Was ist der Ursprung der Sprache ? Ein ungeschlachter Naturlaut aus vollem Halse ! « sagte der Professor beim Eintritt in den Garten . » Der Urmensch verwundert sich ungeheuer , und alle Verwunderung ist O A ! Bekommt der Urmensch einen Tritt , wirft man ihm ein Loch in den Kopf , stößt er mit der Kniescheibe gegen einen scharfen Stein , so ist der verdumpfte Vokal , das U , ganz an seiner Stelle . Der Urmensch , aber auch der moderne Mensch schließt seinen Mund und schnaubt Unwillen ; der Nasenlaut verabscheut oder verneint überall , wo zwei im Namen des Geselligkeitstriebes zusammenkommen , um die Prinzipien der Geselligkeit über den Haufen zu werfen - « » Der Mensch , und nicht allein der Urmensch , verengt seinen Mund und zieht die Spitzen desselben lächelnd zurück in E I bei jedem lieben , lieblichen , vergnüglichen Anblick , und das soll für heute den Übergang aus der Wissenschaft der Sprache zu einer andern gleich hohen Wissenschaft bilden « , sagte Hagebucher . » Herr Professor , was ist Ihre Ansicht von dem Weibe im allgemeinen und von dem europäischen Weibe im besondern ? « Der Professor zuckte zusammen gleich einem Schuldner , welchem ganz unvermutet an einer Straßenecke die Faust des Gläubigers in die Weste greift : » Wa-a-as ? ! Was wollen Sie von mir wissen ? Diese Frage - « » Erscheint Ihnen etwas wunderlich und jedenfalls sehr ex abrupto gestellt . In der Tat , ich habe sie auch noch ein wenig näher zu begründen ; hören Sie mich ! In der Ästhetik , der Weltgeschichte und dem sozialen Rechte habe ich mich , Wasser und Blut schwitzend , von neuem orientiert : das Individuum ist mir mehr als je ein Rätsel . Ich weiß , wie sich die Massen bewegen , wie sie sich heben und senken ; dem einzelnen gegenüber bin ich heute noch gradso verloren wie an jenem Tage , an welchem der Lloyddampfer mich am Triestiner Molo absetzte , und habe ich jetzt eigentlich nichts weiter erlangt als die Überzeugung , daß jeder , der den Menschen kennen will - « » Sich der vergleichenden Sprachforschung zu widmen hat ! « suppeditierte der Professor . » Mit dem Weibe beginnen muß ! « schloß