war . Seine Augen blitzten , sein Schritt war elastisch wie eines Siegers Schritt , und seine sonst etwas scharfe Stimme klang weicher und voller , als er jetzt , die Geliebte fast stürmisch in seine Arme schließend , sagte : Freue Dich , Mädchen , es geht Alles gut , vortrefflich . Ich habe dem Papa seine Einwilligung abgeschmeichelt und abgetrotzt . Sagte ich Dir nicht , in vier Wochen sind wir Mann und Frau ? sagte ich Dir nicht : in unserer Brust sind unsers Schicksals Sterne ? O , ich fühle einen ganzen Himmel in meiner Brust ! liebe , liebe Sophie ! Lieber , lieber Franz . Und die Liebenden hielten sich lange innig umschlungen . Dann , als die Fluth herrlichster Gefühle sich zu ruhigeren Wogen sänftigte , wanderten sie Arm in Arm in dem Gemache auf und ab , und ihre Stimmen waren leise , wie ihre Schritte auf dem Teppich , und was sie flüsterten war süß und traulich , wie das von einem rothen Schleier gedämpfte Licht der Lampe , die auf dem Tische vor dem Sopha brannte . Sie waren so in ihr bald ernstes , bald heiteres , und von einem gelegentlichen halb unterdrückten Lachen oder verstohlenen Kuß unterbrochenes Gespräch vertieft , daß Jemand , der um diese Stunde fast täglich in das Haus des Geheimraths kam , erst dreimal an die Thür pochen mußte , ehe sie Beide zu gleicher Zeit mit Herein antworteten . Fünfzehntes Capitel Guten Abend , hochverehrliches christliches Brautpaar , sagte der darauf in ' s Zimmer Tretende ; störe ich Sie vielleicht in Ihrer Andacht ? Guten Abend , Bemperchen ; erwiderte Sophie , sich aus Franz ' Arm losmachend und dem kleinen Mann , der zierlichen Schritts auf sie zukam , herzlich die dargebotene Hand drückend ; Sie kommen gerade zur rechten Zeit , mich gegen diesen Erzspötter in Schutz zu nehmen . Guten Abend , Bemperlein , sagte Franz ; Sie kommen gerade zur rechten Zeit , mir diese halsstarrige Sünderin überzeugen zu helfen . Ehe ich das Eine thun und das Andere lassen kann , erwiderte Herr Bemperlein , seine Handschuhe ausziehend und sie sorgfältig zusammenlegend , erlaube ich mir , mich nach dem Befinden des Herrn Geheimraths pflichtschuldigst zu erkundigen . Es geht viel besser , erwiderte Franz . Ich schloß das aus Ihrer heitern Stimmung , sagte Bemperlein . Nun , das freut mich sehr . So können wir doch heute Abend endlich einmal zu Abend essen , ohne daß uns , wie in den letzten vierzehn Tagen , jeder Bissen vor Wehmuth und Trauer im Munde stecken bleibt . Ad vocem Abendessen : wie steht es damit , Fräulein Sophie ? ich , der ich nicht , wie Sie , das Glück habe , mit dem Nektar der Liebe meinen Durst und mit der Ambrosia traulichen Geschwätzes meinen Hunger stillen zu können , empfinde eine nicht mißzudeutende Regung nach irdischer Speise und Trank . Ich glaube , das Abendessen steht schon seit einer halben Stunde auf dem Tisch , sagt Sophie ; ich hatte es wahrhaftig ganz vergessen . So lassen Sie uns keine Minute länger zögern ; sagte Bemperlein , Sophie den Arm bietend und sie den wohlbekannten Weg in das anstoßende Gemach führend , in welchem stets gespeist wurde . Ich fürchte , die Kartoffeln sind eiskalt , sagte Sophie , den Deckel von einer Schale abhebend . So haben Sie genau die Temperatur dieses Fisches , sagte Franz , ihr die Schüssel präsentirend . Oder dieser Sauce , sagte Bemperlein , ihr die Sauciere von der andern Seite darreichend . Sophie zuckte die Achseln : Nichts wird so warm gegessen , wie es gekocht ist , meine Herren . Das muß ich als zukünftige Hausfrau wissen . Wir heirathen nämlich heut über vier Wochen , Bemperlein , sagte Franz . Das heißt , wenn Ihr Frack , den Sie schon , seitdem Sie in Grünwald sind , machen lassen wollen , bis dahin fertig wird , Bemperchen ; sonst unter keiner Bedingung , sagte Sophie . Der Frack wird fertig ! der Frack wird fertig ! rief Herr Bemperlein , und sollte ich ihn selber zurechtschneiden , nähen und bügeln . Das würde ein schönes Kleidungsstück werden , Bemperchen . Vielleicht nicht so schlecht , wie Sie glauben . Es wäre wenigstens nicht der erste Frack , den ich mir höchst eigenhändig fertigte . Unmöglich , Bemperlein ! rief Franz voll Erstaunen . Was ich Ihnen sage . Es ist nun freilich schon ein wenig lange her - fünfzehn Jahre etwa - und ich war dazumal , in meiner Robinson-Crusoe-Periode , erfinderischer und fleißiger als jetzt ; aber für unmöglich halte ich die Sache auch noch heute nicht . Aber was zwang Sie denn , so wunderliche Experimente anzustellen ? Die Erfinderin aller Künste , die Noth . Sie wissen , Fräulein Sophie , daß ich zu denjenigen Kindern Gottes gehöre , - oder vielmehr gehörte , denn jetzt bin ich in eine andere Rangclasse versetzt - welches das Himmelreich versprochen ist , weil sie auf Erden nichts ihr eigen nennen . In Folge dessen war ich , als ich damals aus den elysäischen Gefilden meines Heimathsdorfes hierher kam , gezwungen , eine Art von Cicadendasein zu führen und alle unnöthigen Depensen zu vermeiden . So verfiel ich denn unter anderm auf den sehr naheliegenden Gedanken , ob es nicht möglich sein sollte , sich auch in unserem tinteklecksenden Säculum die nöthigen Kleidungsstücke selbst zu fertigen , wie weiland Eumäus , der göttliche Sauhirt . Gedacht , gethan . Ich hatte eine vertraute Freundschaft mit einem Knaben geschlossen - er hieß Christian Süßmilch , der Sohn von dem alten Schneidermeister Süßmilch in der Langenstraße , - der durchaus Schneider werden sollte und durchaus ein Gelehrter werden wollte . Wir machten einen Covenant , daß ich , wenn Papa Süßmilchs Stentorstimme Feierabend verkündet hatte , den Zumpt und den Rost mit ihm tractirte , wogegen er