doch zu Nichts führe , da die Nürnberger ja keinen hängen , den sie nicht hätten ; zu den Verwundeten aber solle er den besten Bader schicken und ihnen auf seine Kosten die beste Pflege angedeihen lassen , oder wenn sie stürben - sie schauderte bei dem Gedanken - das beste Begräbniß . Für sich allein sann sie weiter nach , welch ' ein Netz von Verrätherei sie umspinne . Dies Ereigniß hatte etwa vier Wochen später stattgefunden als ihr Besuch bei dem Goldschmied Dürer . Drei Wochen nach diesem war der Meister bestürzt zu ihr gekommen und hatte ihr erzählt , wie Tags vorher nicht jene alte Frau , sondern ein Knappe mit geschlossenem Visir zu ihm gekommen und die Nadel verlangt habe . Er sei wohl vorbereitet gewesen eine alte Frau festzunehmen , aber nicht einen geharnischten Mann . Dennoch habe er ihm kurz und rund erklärt , daß er die Nadel niemals machen werde , da man ihn belogen und die Besitzerin sie nie verloren habe . Da der Knappe sein Schwert gezogen , habe er nach Hülfe geschrieen , aber ehe sie gekommen , sei Jener fort gewesen , nachdem er Vieles in seiner Werkstatt zertrümmert . Meister Dürer kannte den Knappen so wenig wie jene Frau ; mit der Beschreibung derselben stellte aber Elisabeth jetzt Vergleichungen an , und der Gedanke gewann Wahrscheinlichkeit , daß jene alte Frau in der Goldschmiedswerkstatt und in der Hütte dieselbe gewesen . Dennoch suchte sie vergebens in diesen Ränken , welche offenbar nur gegen sie geschmiedet waren , einen Zusammenhang zu erblicken . Kaum grübelte sie auch mehr darüber , als sie sich mit den Gedanken quälte , daß ihretwegen Blut geflossen , daß man sich um ihretwillen geschlagen , wohl gar gemordet ! Bald erfuhr sie , daß der Knappe wirklich todt sei . Das ertrug sie noch am leichtesten , denn er war einmal in die Hand der Nürnberger gefallen , und als ein Angreifer und Friedensbrecher wäre er entschieden gehangen worden , ja man würde ihm schon aus Rache , um dem verhaßten Raubadel wenigstens in seinen Dienern und Helfershelfern ein drohendes Beispiel zu geben , den höchsten Platz am Galgen angewiesen haben . Und wenn er nicht gleich gestanden , wer sein Herr gewesen und Alles was er wußte , so würde man ihn in den Marterkammern unterm Rathhaus » in der Güte befragt haben « , wie die Redensart hieß , hinter der sich die Anwendung der gräulichsten Marterwerkzeuge von den Händen der Folterknechte versteckte . So war es ein Glück für den Knappen , daß er nur todt in die Hände der Sieger gefallen war . Aber die Baubrüder , die nur die Beschützer einer wehrlosen Frau gewesen ? Für sie sandte Elisabeth heiße Gebete zum Himmel empor , da sie hörte , daß sie noch lebten , aber schwer an ihren Wunden darniederlagen . War es doch derselbe Steinmetzgeselle , der sie schon einmal vertheidigt - derselbe , der schon einmal ihre Aufmerksamkeit erregte und doch ihre Rose verschmähte . Zum zweiten Male war er ihr Retter geworden , hatte sie zum zweiten Male mit Gefahr seines Lebens beschützt . Wie eine Beschämung lastete das auf ihr , doppelt , da er das erste Mal vielleicht den Ritter gekannt , und sie überhaupt es seiner Verschwiegenheit dankte , daß von diesem Vorfall Nichts in der Stadt herum gekommen . Sie ahnte nicht , wie viel sie ihm zu danken hatte - aber schon das , was sie erkannte , drückte sie wie eine Last ! - Zwölftes Capitel Eine Jüdin Es war ein wüstes Durcheinander in dem Gemach , in dem Rachel , das Judenmädchen , einige Ordnung herzustellen suchte . Große Kisten und Laden waren übereinander gehäuft , einige von ihnen geöffnet und halb ausgepackt ; kostbare Stoffe und Pelze quollen daraus hervor . Rachel stäubte sie aus , um sie vor Insekten zu sichern oder auch davon zu befreien , je nachdem es sich nöthig zeigte . Zuweilen hielt sie bei dem Geschäft inne und lauschte durch die angelehnte Thür in ein zweites , ziemlich leeres und armselig eingerichtetes Gemach , das mit den hier aufgehäuften Schätzen auffallend contrastirte . Aus diesem führte eine zweite , jetzt verschlossene Thür hinaus auf die Treppe , und Rachel wollte nur nicht verhören , wenn Jemand komme und klopfe . Jetzt hörte sie draußen schlärfende Schritte die Stiege heran - es waren die ihres Vaters ; da brauchte sie nicht zu öffnen , denn er wußte draußen den verborgenen Winkel , wo die abgeschraubte Klinke zu dem Thürschloß lag , das ohne dieselbe nur von innen geöffnet werden konnte . Sie hörte ihn danach suchen , dabei gewohnte Flüche murmelnd , endlich öffnete sich die Thür . Der Jude Ezechiel war ein Mann von mittlerer Größe , dabei hager und von geschmeidigem Wesen . Der Typus seiner Gesichtszüge war entschieden orientalisch , eine große hervorragende Nase über einem vorstehenden Mund , den ein grauschwarzer Bart umwallte . Dürftiger war das Haupthaar , aber die Augenbrauen buschig , ein listig lauerndes Augenpaar beschattend . Er trug einen schwarzbraunen , bis auf die Füße reichenden Talar , eine buntstreifige Schärpe um den Leib und an dem linken Aermel die von dem Nürnberger Rath für Männer wie Frauen israelitischer Abkunft gleicherweise vorgeschriebenen drei gelben Streifen . Die Furchen seiner Stirn erschienen heute noch einmal so tief als gewöhnlich und prophezeiten nichts Gutes . Da er eintrat , herrschte er Rachel zu : » Geh ' hinein und bleib drinnen bei Deiner Arbeit , aber mache dabei kein Geräusch , damit nicht merkt die alte Jacobea , daß Jemand drinnen . Sie kann Dich einmal nicht leiden . Geh ' hinein , denn sie folgt mir auf dem Fuße und wird gleich da sein . « » Nun , « sagte Rachel , » ich kann sie auch nicht leiden , und es hat uns auch noch kein Glück gebracht , daß Ihr Euch mit ihr eingelassen