« Bei diesen Worten reichte er mir die Hand und drückte sie . Ich reichte meine Hand , da er sie losgelassen hatte , auch an den Knaben Gustav , welcher sie annahm , aber nicht sprach , sondern mich bloß mit seinen Augen freundlich ansah . Hierauf schieden wir , indem sie durch das Gitter zurückgingen , ich aber den Hut auf dem Haupte den Weg hinabwandelte , den ich vor zwei Tagen heraufgegangen war . Ich fragte mich nun , bei wem ich denn diesen Tag und die zwei Nächte zugebracht habe . Er hat um meinen Namen nicht gefragt , und hat mir den seinigen nicht genannt . Ich konnte mir auf meine Frage keine Antwort geben . Und so ging ich denn nun weiter . Die grünen Ähren gaben jetzt in der Morgensonne feurige Strahlen , während sie bei meinem Heraufgehen im Schatten des herandrohenden Gewitters gestanden waren . Ich sah mich noch einmal um , da ich zwischen den Feldern hinabging , und sah das weiße Haus im Sonnenscheine stehen , wie ich es schon öfter hatte stehen gesehen , ich konnte noch den Rosenschimmer unterscheiden , und glaubte , noch das Singen der zahlreichen Vögel im Garten vernehmen zu können . Hierauf wendete ich mich wieder um und ging abwärts , bis ich zu der Hecke und der Einfriedigung der Felder kam , bei der ich vorgestern von der Straße abgebogen hatte . Ich konnte mich nicht enthalten , noch einmal umzusehen . Das Haus stand jetzt nur mehr weiß da , wie ich es öfter bei meinen Wanderungen gesehen hatte . Ich ging nun auf der Landstraße in meiner Richtung vorwärts . Den ersten Mann , welcher mir begegnete , fragte ich , wem das weiße Haus auf dem Hügel gehöre , und wie es hieße . » Es ist der Aspermeier , dem es gehört , « antwortete der Mann , » Ihr seid ja gestern selber in dem Asperhofe gewesen und seid mit dem Aspermeier herumgegangen . « » Aber der Besitzer jenes Hauses ist doch unmöglich ein Meier ? « fragte ich ; denn mir war wohlbekannt , daß man in der Gegend jeden größeren Bauern einen Meier nannte . » Er ist anfangs nicht der Aspermeier gewesen , « antwortete der Mann , » aber er hat von dem alten Aspermeier den Asperhof gekauft , und das Haus hat er gebaut , welches in dem Garten steht und zu dem Asperhof gehört , und jetzt ist er der Aspermeier ; denn der alte ist längst gestorben . « » Hat er denn nicht auch einen andern Namen ? « fragte ich . » Nein , wir heißen ihn den Aspermeier « , antwortete er . Ich sah , daß der Mann nichts weiteres von meinem Gastfreunde wisse und sich nicht um denselben gekümmert habe , ich gab daher bei ihm jedes weitere Forschen auf . Es begegneten mir noch mehrere Menschen , von denen ich dieselbe Antwort erhielt . Alle kehrten das Verhältnis um und sagten , das Haus im Garten gehöre zu dem Asperhofe . Ich beschloß daher , vorläufig jedes Forschen zu unterlassen , bis ich zu einem Menschen gekommen sein würde , von dem ich berechtigt war , eine bessere Auskunft zu erwarten . Da mir aber der Name Aspermeier und Asperhof nicht gefiel , nannte ich das Haus , in welchem ein solcher Rosendienst getrieben wurde , in meinem Haupte vorläufig das Rosenhaus . Es begegnete mir aber niemand , den ich noch einmal hätte fragen können . Ich ließ , da ich so meines Weges weiter wandelte , die Dinge des letzten Tages in mir vorübergehen . Mich freute es , daß ich in dem Hause eine so große Reinlichkeit und Ordnung getroffen hatte , wie ich sie bisher nur in dem Hause meiner Eltern gesehen hatte . Ich wiederholte , was der alte Mann mir gezeigt und gesagt hatte , und es fiel mir ein , wie ich mich viel besser hätte benehmen können , wie ich auf manche Reden bessere Antworten geben und überhaupt viel bessere Dinge hätte sagen können . In diesen Betrachtungen wurde ich unterbrochen . Als ich ungefähr eine Stunde auf dem Wege gewandert war , kam ich an die Ecke des Buchenwaldes , von dem wir vorgestern abends gesprochen hatten , der zu den Besitzungen meines Gastfreundes gehört , und in welchem ich einmal eine Gabelbuche gezeichnet hatte . Der Weg geht an dem Walde etwas steiler hinan und biegt um die Ecke desselben herum . Da ich bis zu der Biegung gelangt war , kam mir ein Wagen entgegen , welcher mit eingelegtem Radschuhe langsam die Straße herabfuhr . Er mochte darum langsamer als gewöhnlich fahren , weil sich diejenigen , welche in ihm saßen , Vorsicht zum Gesetze gemacht haben konnten . Es saßen nämlich in dem offenen und des schönen Wetters willen ganz zurückgelegten Wagen zwei Frauengestalten , eine ältere und eine jüngere . Beide hatten Schleier , welche von den Hüten über die Schultern niedergingen . Die ältere hatte den Schleier über das Angesicht gezogen , welches aber doch , da der Schleier weiß war , ein wenig gesehen werden konnte . Die jüngere hatte den Schleier zu beiden Seiten des Angesichts zurückgetan , und zeigte dieses Angesicht der Luft . Ich sah sie beide an , und zog endlich zu einer höflichen Begrüßung meinen Hut . Sie dankten freundlich , und der Wagen fuhr vorüber . Ich dachte mir , da der Wagen immer tiefer über den Berg hinabging , ob denn nicht eigentlich das menschliche Angesicht der schönste Gegenstand zum Zeichnen wäre . Ich sah dem Wagen noch nach , bis er durch die Biegung des Weges unsichtbar geworden war . Dann ging ich an dem Waldrande vorwärts und aufwärts . Nach drei Stunden kam ich auf einen Hügel , von welchem ich in die Gegend zurücksehen konnte , aus der ich gekommen war . Ich sah mit meinem Fernrohre , das