schwarze Marann ' Wasser geholt hatte und mit dem vollen Kübel auf dem Kopf nach dem Elternhause ging , begegnete ihr eben Johannes , der sich nach dem Wirthshause begab . Mit gepreßter Stimme sagte sie : » Guten Abend ! « » Ei , du bist ' s ? « sagte Johannes , » wohin denn noch mit dem Wasser ? « » Zu der schwarzen Marann ' . « » Wer ist denn das ? « » Eine arme bettlägerige Frau . « » Die Rosel hat mir ja gesagt , es gebe hier keine Armen ? « » O , lieber Gott , mehr als genug ; aber die Rosel hat ' s gewiß nur gesagt , weil sie meint , es wäre eine Schande für das Dorf . Gutmüthig ist sie , das könnt Ihr mir glauben , sie schenkt gern weg . « » Du bist eine gute Vertheidigung , aber bleib ' nicht stehen mit dem schweren Kübel . Darf ich mit dir gehen ? « » Warum nicht ? « » Du hast Recht , du gehst einen guten Weg und da bist du behütet , und vor mir brauchst du dich gar nicht zu fürchten . « » Ich fürchte mich vor Niemand und am wenigsten vor Euch . Ich hab ' s Euch heute angesehen , daß Ihr gut seid . « » Wo denn ? « » Weil Ihr mir gerathen habt , wie ich das geschwollene Gesicht wegbringe ; es hat mir schon geholfen , ich hab ' jetzt Schuhe an . « » Das ist brav von dir , daß du folgst , « sagte Johannes mit Wohlgefallen und der Hund schien das Wohlgefallen an Barfüßele zu bemerken , denn er sprang an ihr hinauf und leckte ihre freie Hand . » Kommm her , Lux , « befahl Johannes . » Nein , lasset ihn nur , « entgegnete Barfüßele , » wir sind schon gute Freunde , er ist heute bei mir in der Küche gewesen ; mich und meinen Bruder haben die Hunde alle gern . « » So ? du hast auch noch einen Bruder ? « » Ja , und da hab ' ich Euch bitten wollen , Ihr thätet Euch einen Gotteslohn erwerben , wenn Ihr ihn als Knecht zu Euch nehmen könntet ; er wird Euch gewiß sein Lebenlang treu dienen . « » Wo ist denn dein Bruder ? « » Da drunten im Wald , er ist vor der Hand Kohlenbrenner . « » Ja , wir haben wenig Wald und gar keine Köhlerei , einen Senn ' könnt ' ich eher brauchen . « » Ja , dazu wird er sich auch anschicken . Jetzt , da ist das Haus . « » Ich warte , bis du wieder kommst , « sagte Johannes und Barfüßele ging hinein , das Wasser abzustellen , das Feuer herzurichten , und der Marann ' frisch zu betten . Als sie heraus kam , war Johannes noch da , der Hund sprang ihr entgegen , und lange stand sie hier noch bei Johannes an dem Vogelbeerbaum ; der flüsterte so still und wiegte seine Zweige , und sie sprachen über allerlei , und Johannes lobte ihre Klugheit und ihren regen Sinn , und sagte zuletzt : » Wenn du einmal deinen Platz ändern willst , du wärst die rechte Person für meine Mutter . « » Das ist das größte Lob , was mir ein Mensch auf der Welt hätte sagen könen , « betheuerte Barfüßele , » und ich habe noch ein Andenken von ihr . « Sie erzählte nun die Begebenheit aus der Kinderzeit , und Beide lachten , als Barfüßele bemerkte , wie der Dami es nicht vergessen wolle , daß die Landfriedbäuerin ihm noch ein Paar lederne Hosen schuldig sei . » Er soll sie haben , « betheuerte Johannes . Sie gingen noch mit einander das Dorf hinein , und Johannes gab ihr eine Hand zur » Guten Nacht . « Barfüßele wollte ihm sagen , daß er ihr schon einmal eine Hand gegeben , aber wie von dem Gedanken erschreckt , flog sie davon und hinein in ' s Haus . Sie gab ihm keine Antwort auf seine Gute Nacht ! Johannes ging sinnend und innerlich verwirrt in seine Herberge im Auerhahn . Barfüßele aber fand am andern Morgen den dicken Backen wie weggeblasen , und lustiger trällerte es noch nie durch Haus , Hof und Stall und Scheuer , als am heutigen Tage , und heute auch sollte sich ' s entscheiden , heute mußte sich Johannes erklären . Der Nodelbauer wollte seine Schwester nicht länger in ' s Geschrei bringen , wenn ' s vielleicht doch nichts wäre . Fast den ganzen Tag saß Johannes drin in der Stube bei der Rosel ; sie nähte an einem Mannshemde , und gegen Abend kamen die Schwiegereltern des Rodelbauern und andere Gefreundete . Es muß sich entscheiden . In der Küche prozelte der Braten , und das Fichtenholz knackte , und die Wangen Barfüßeles brannten von dem Feuer auf dem Herde und von innerem Feuer angefacht . Der Krappenzacher ging ab und zu , herauf und herunter in großer Geschäftigkeit , er that im ganzen Hause wie daheim , und rauchte aus der Pfeife des Rodelbauern . » Also ist ' s doch entschieden ! « klagte Barfüßele in sich hinein . Es war Nacht geworden und viele Lichter brannten im Hause , Rosel ging hoch aufgeputzt zwischen Stube und Küche hin und her und wußte doch nichts anzurühren . Eine alte Frau , die ehemals als Köchin in der Stadt gedient hatte , war mit zum Kochen angenommen worden . Es war Alles bereit . Jetzt sagte die junge Bäuerin zu Barfüßele : » Geh nauf und mach ' dich g ' sunntigt « ( sonntäglich angekleidet ) . » Warum ? « » Du mußt heute aufwarten , du kriegst dann auch ein besser