der Erste hielt das Seil des Segels , das sich noch immer lustig im beginnenden Morgenwinde blähte . Es mochte jetzt zwei Uhr nach Mitternacht , oder die vierzehnte Stunde des Tages , wie man auch hier nach italienischer Sitte rechnet , sein , und über die Bergspitzen begann der erste Schein der Dämmerung zu brechen , während noch die tiefen Schatten der Nacht über dem See lagen . Der Einäugige summte leise in jener unangenehmen monotonen Sangesweise der griechischen und orientalischen Stämme die Piesme vor sich hin , welche den Zug des Czernojewitsch Iwo zum Dogen des großen Venedigs und die Hochzeit des falschen Stanischa , des schönen Wojwoden von Dulcigno , Obrenowo Djuro , mit der Tochter der Inselstadt meldet , wie die Rache des echten Bräutigams und seine Flucht nach Schabljack . Grivas dagegen träumte von der schrecklichen Scene , der er entronnen . Vor seinen geschlossenen Augen stand mit dem flammenden , verächtlichen , rachesprühenden Blick die Wölfin von Skadar . Dazwischen kehrte in seine Erinnerung das schwelgende Bild ihres Reizes zurück , und er beugte , im Innern vernichtet und von widerstreitenden Gefühlen zerrissen , das Haupt . Die zweistündige Wache mochte zu Ende sein , - die Sonne war bereits aufgegangen und ihre Strahlen brachen durch die Schluchten der im Osten sich emporstreckenden Bergkämme , als Hassan den Hellenen aus seinem Hinbrüten weckte und ihm einen Wink gab , sich umzuschauen . » Blicke mein griechischer Bruder nach der Seite , wo die Sonne sich in ' s Meer senkt , und sage mir , was er über den leichten Nebeln sieht , die dort noch das Ufer verhüllen . Der junge Falke der Maina hat scharfe Augen ! « Grivas schaute angestrengt nach der angedeuteten Stelle . » Das ist sicherlich ein dunkler Rauch , welcher sich über die Nebel bewegt . Sollten wir so nah ' einer der Inseln sein und dort Beistand finden ? « » Mein Bruder täuscht sich . Siehst Du nicht , daß der Rauch sich bewegt ? « » Was habt Ihr ? Nach was späht Ihr aus ? « unterbrach sie der Beg . » Birschik jok3 ! wir werden nur verfolgt , « entgegnete gleichmüthig der Arnaut . » Der Bey hat jenes höllische Schiff uns nachgesandt , das der Scheitan erfunden und das allein läuft , ohne Segel und Ruder . « » Du meinst ein Dampfschiff ? « » Ne apalum , was kann ich thun ? Der Bey hat von den Franken seit dem Kriege das Schiff machen lassen , und er hat Leute , die es führen . « In der That war in dem letzten Kriege die Nothwendigkeit rascher Verkehrsemittel immer dringender an den Tag getreten , und die türkische Regierung hatte auf die Vorstellungen Omer Pascha ' s eines der kleinen eisernen Lustdampfboote , welche zwischen dem Bosporus und Constantinopel fahren , nach Dulcigno gesandt , wo es von französischen Maschinisten auseinander genommen und die Bojana aufwärts bis Scutari transportirt , dort aber wieder zusammengesetzt worden war . Den Czernagorzen war zwar die Beschaffenheit und Schnelle der Dampfschiffe nicht mehr unbekannt , da sie von der Höhe ihrer Berge fast täglich dieselben die schöne Adria durchziehen sehen können , doch war eben der türkische Dampfer auf dem nördlichen Theil des Sees noch zu wenig benutzt worden , um ihnen weitere Besorgniß einzuflößen , und der Grieche hatte bei der aufgeregten Stimmung seines Gemüths wenig oder gar nicht auf die Anwesenheit des Schiffes zwischen den Festungswerken von Scutari geachtet . Jetzt wurde ihm jedoch die Gefahr , die sie bedrohte , im Augenblick klar und er setzte sie dem alten Krieger deutlich und rasch auseinander . Während Gabriel und Stephana , die Arm in Arm im Vordertheil des Bootes schliefen , und der junge Martinowitsch geweckt wurden , verzogen sich die letzten Nebel und man erblickte deutlich den Dampfer in Entfernung von kaum noch einer Meile in südwestlicher Richtung hinter den Flüchtenden , doch offenbar seinen Cours am westlichen Ufer entlang haltend . Grivas und Gabriel begriffen sehr wohl , daß man bei der Entdeckung der Vorbereitungen zu ihrer Flucht auch überzeugt gewesen sein würde , selbst wenn man dasselbe später nicht bemerkt haben sollte , daß ein Fahrzeug der Flüchtigen in der Nähe harre , und daß ihre Flucht demnach zu Wasser fortgesetzt werde . Wäre es den Beiden gelungen , in der beabsichtigten Weise um Mitternacht zu entkommen , so konnte die Flucht nicht vor dem nächsten Morgen bemerkt werden , und dann waren sie außer dem Bereich jeder Verfolgung . Jetzt war es freilich anders . Die Richtung des Dampfers , der offenbar mit voller Kraft fuhr , zeigte die Absicht , die Flüchtigen , wenn sie sich nach der Czernitza Nahia gewandt haben sollten , vorher zu erreichen , oder im entgegengesetzten Fall sie von diesem näher belegenen Ufer Montenegros abzuschneiden und nach der andern Seite , dem türkischen Gebiet , zu drängen . Offenbar konnte man in dieser Entfernung noch nicht das kleine Boot bemerkt haben und es galt , dies wo möglich zu verhindern . Eine kurze Berathung folgte , ob man das leicht verrathende Segel einziehen und sich nur auf die Kraft der Ruder verlassen , oder den noch immer günstigen Morgenwind benutzen sollte . Beides war gefährlich , denn kaum die Hälfte des Weges war zurückgelegt . Der Beg entschied sich für die weitere Benutzung des Segels , da ohnehin die erste der zu Montenegro gehörenden Inseln , Stavena , bereits vor ihnen lag und man hoffen durfte , an ihrer Wetterseite der Beobachtung des Feindes zu entgehen . Alle halfen an den Rudern und bald schoß das Boot unter den Felsenufern der Insel dahin . Der Beg wandte das Steuer noch mehr nach Osten und so gelang es ihnen , anscheinend unbemerkt nach weitern zwei Stunden des Ruderns , während dessen der Morgenwind erstorben war und man das Segel eingezogen hatte , die zweite der Inseln , Sanct Nicolaus , anscheinend