fragen noch - wovon - ach , wovon ! « und sie schrie laut auf und verfiel in Zuckungen . Auguste eilte zu ihr und sagte zu den Männern : » Aus Barmherzigkeit , schonen Sie die Unglückliche - sie spricht von ihrem einzigen Kinde , das man so eben begraben hat . « Die Beiden sahen sich einander verdutzt und albern an , wie vorher . » Das ist ein sehr übler Zufall , « sagte der Lange verdrießlich . » Was wollen Sie noch - ist nicht Alles in Ordnung ? « fragte Amalie , sich wieder aufrichtend , nach einer Pause , während welcher die Beiden mit ihren Blicken ringsum das Zimmer gemustert hatten . » Wir sind nicht deshalb gekommen , « sagte der Lange . » Wir sind gekommen , einige Fragen an Sie zu richten , welche sie uns gefälligst beantworten werden . « Amalie schwieg . » Zuerst , « fuhr Jener fort : » Ihr Mann hat einen Bruder , welcher Franz heißt ? « » Ja ! « » Er ist Arbeiter in der Fabrik des Herrn Felchner bei Hohenthal ? « » Ja ! « » Er ist diesen Morgen bei Ihnen angekommen ? « » Nein ! « » Nein ? - Leugnen Sie nicht - es wird Ihnen Nichts helfen , die Polizei täuscht man nicht so leicht . « » Ich habe keinen Grund Etwas zu leugnen , das meinen Mann und seine Brüder betrifft , « sagte Amalie beleidigt . » Er hat zwei Brüder , sein jüngster Bruder Bernhard ist gestern Abend mit dem Militär hier angekommen , bei dem er steht , und vorhin bei mir gewesen - - jetzt hilft er mein Kind begraben - - « und bei den letzten Worten ward ihre Stimme wieder undeutlich und sie versank wieder in ihren Schmerz . Die Beiden machten wieder ihre betroffenen und verdutzten Gesichter . Auguste zeigte als nächsten Beweis auf Bernhards Soldatenmantel , welchen derselbe zurückgelassen hatte . » Sie kennen aber Ihren Schwager , den Fabrikarbeiter Franz Thalheim ? « » Er ist nur ein Mal vor drei Jahren ein paar Tage hier gewesen . « » Das ist wunderlich . « » Gar nicht - denn die armen Fabrikarbeiter haben kein Geld , das sie verreisen könnten , um ihre Angehörigen zu besuchen . - « Der Lange flüsterte dem Polizeidiener zu : » Das ist eine bedenkliche Aeußerung , sie ist also auch schon angesteckt , wir müssen vorsichtig sein - wer weiß , gelangen wir hier nicht zu überraschenden Resultaten - - « dann fuhr er laut fort , gegen Amalien gewendet : » Sie stehen im Briefwechsel mit diesem Schwager ? « » Nein . « » Aber die Brüder pflegten einander zu schreiben ? « » Das ist natürlich . « » Ihr Mann schreibt Ihnen oft ? « » Das ist ebenfalls natürlich - aber mein Herr , ich sehe nicht ein , warum sie mich hier wie eine Delinquentin verhören , und zwar über Familienangelegenheiten , über welche man durchaus Niemand Rechenschaft schuldig ist - « sagte Amalie schnell und ziemlich heftig . » Wer mir das Recht giebt ? - « sagte der Lange . » Die Polizei - « und er wies auf den Polizeidiener . » Frau Doctorin , « sagte dieser , » Sie werden sich in die Fragen und Anordnungen des Herrn Polizeicommissairs fügen . « Dieser trat jetzt zu dem Pulte , an welchem der Schlüssel steckte und öffnete es . - » Mein Herr ! Was fällt Ihnen ein ? « rief Amalie außer sich und sprang auf . » Keine Widersetzlichkeit ! « mahnte der Polizeidiener und hielt sie am Arme . » Fremde Männer kommen in mein Haus und forschen nach meinen Familienangelegenheiten - bei einer armen hilflosen Frau , deren Mann abwesend ist und sie beschützen könnte - deren einziges Kind man begrub , « jammerte sie . Auguste weinte und sagte beruhigend : » Sie haben ja kein Unrecht zu verbergen , lassen Sie ihnen immer ihren Willen - Ihr Widerstand wäre doch fruchtlos . « Der Polizeicommissair hatte jetzt ein Fach mit Briefen herausgezogen und sah sie flüchtig durch , die meisten schob er unbefriedigt auf die Seite . » Es ist Keiner von Franz Thalheim darunter - « sagte er heimlich zu dem Polizeidiener . » Das ist nur ein verdächtiger Umstand mehr , der Doctor wird diese Briefe als zu gefährlich verbrannt oder mitgenommen haben . - « Jetzt zog er ein kleineres Fach mit Briefen heraus , es enthielt nur diejeninigen , welche Thalheim an seine Gattin geschrieben hatte , seitdem er von ihr getrennt war . Amalie trat wieder hinzu und sagte : » Mein Herr , was zwischen Gatten verhandelt wird , gehört doch mindestens nicht vor die Augen der Polizei - « » Fürchten Sie Nichts ! « sagte der Commissair mit widerlichem Lächeln . » Die Augen der Polizei vergessen sogleich wieder , wenn sie auch Etwas erfahren sollten , das nicht vor ihr Forum gehört - nur was vor diesem Forum bedenklich und gefährlich erscheint , bewahrt ihr Gedächtniß treu - und darin läßt sie sich nicht täuschen und irren . « Während er dies mit Nachdruck sagte , hatte er wieder einen Brief entfaltet und indem er ihn überflog , nahmen seine Augen einen ganz eigenen Ausdruck an , halb wie vor Schreck , halb wie vor Freude . Es war der erste Brief , welchen Thalheim an seine Gattin geschrieben , er datirte von dem Gute des Rittmeisters Waldow und die Stelle , welche solch ' eigenthümliches Leben in das Gesicht des Polizeicommissairs brachte , lautete : » Ich bin bei Franz gewesen - ich habe die Noth und das Elend gesehen , welches dort unter den Fabrikarbeitern herrscht - ach , Amalie , dieser Armuth gegenüber haben wir in beneidenswerthem Reichthum geschwelgt ! - Ich habe Franz das Versprechen gegeben ,