der Reise noch in meiner Heimat etwas Uebles geschehen , Gino ! « erwiderte ich gerührt durch seine Theilnahme . » Weder auf der Reise noch in der Heimat - das weiß ich , « entgegnete er mit einem seltsamen bedeutungsvollen Ton , der mir unwillkürlich den fast angstvollen Ausruf entlockte : » Aber hier ? « Obwol ich allein mit ihm in der Gondel war machte er eine schweigengebietende Pantomime , und nickte dann bejahend aber fast unmerklich nur mit den Augenwimpern . » Was kann mir hier widerfahren ? sprich Gino ! sagte ich ernst ; - halbe Warnung ist Verrath nach zwei Seiten hin ! Ich habe Dir verziehen daß Du Dich vom Grafen zu der Nino-Maskerade erkaufen ließest .... weil es eben der Graf war , aber ich habe Dir seitdem nicht mehr getraut . Also sei ehrlich : was führst Du im Sinn ? wer hat Dich erkauft ? sprich ! « » Ich kann sagen und schwören , ' Lustrissima : so wahr ich der Fürbitte meines Schutzpatrons zur Erlösung aus dem Purgatorium vertraue - so wahr bin ich von Niemand erkauft ! allein sprechen , ' Lustrissima .... sprechen kann ich nicht . « » Kannst Du denn schreiben , Gino ? « fragte ich wieder ganz unwillkürlich , denn mir war als legte er mir durch seine sonderbare Betonung gewisse Worte auf die Lippen . » Die gelehrte Wissenschaft hab ' ich nie gelernt . « » Was kannst Du denn , Gino ? « fragte ich seltsam gespannt . Er schwieg , sah mich an wie um meine Aufmerksamkeit zu fesseln , und that dann einige Ruderschläge mit der theatralischen Bewegung eines Menschen , der sich sehen lassen mögte mit seiner Geschicklichkeit . » Du kannst rudern , Gino ? « fragte ich immer gespannter . Er nickte mit freudiger Hast . » Nun ja ! das weiß ich längst ! rief ich erwartungsvoll . Aber was weiter ? « Er zuckte stumm die Achseln . Auch ich schwieg und verfiel in Nachdenken . Verstand ich ihn richtig , so konnte er mir seine Ergebenheit nur dadurch beweisen , daß er mich nach einem Ort hinbrachte wo ich die Erklärung seiner Warnung finden würde . Ich verfiel den Wellen des Zweifels ; aber .... wie ich denn bin ! hat er mich einmal gepackt , so fürchte ich nicht bis zu dessen allerletzten Consequenzen zu gehen um zu entdecken welche Art von Gewißheit hinter ihm liegt . - - Ich hatte jezt einige Besuche zu machen . Auf der Heimfahrt sagt ' ich : » Gino , da Du so gut rudern kannst , so wär ' es mir lieb wenn Du mir noch heute Deine Geschicklichkeit zeigtest . « » ' Lustrissima befehlen um zwei Uhr Nachts und mit mir allein ? « » Um zwei Uhr Nachts und mit Dir allein . « Den späten Abend verbrachten wir wie gewöhnlich mit einigen Bekannten . In der Regel versammelten sie sich bei mir ; wir musicirten , wir plauderten ; zuweilen gingen wir auf den Markusplatz , oder machten eine Gondelfahrt , oder betrachteten im Mondschein irgend eines der herrlichen Gebäude von Venedig . Am heutigen Abend verscheuchte uns ein heftiges Gewitter gegen Mitternacht vom Markusplatz und Jeder kehrte nach seiner Wohnung zurück . Ich war gespannt ob meine nächtliche Fahrt stattfinden würde . Das Gewitter löste sich in einen sanften Frühlingsregen auf , und bis ein Uhr saß Otbert mit mir auf dem Balkon um die frische Luft zu genießen ; dann ging er in sein Zimmer , welches über dem meinen lag und wo es bald ganz stille wurde . Mit Herzklopfen wartete ich auf Gino . Zuweilen wünschte ich er möge lieber nicht kommen . Aber er kam um zwei Uhr und fragte ob es mir gefällig sei , und ich folgte ihm entschlossen . Irgend eine vorherrschende Ahnung hatte ich gar nicht . Zuweilen dachte ich an Sedlaczech im Elend , krank , sterbend - zuweilen an Astrau am Spieltisch , bei einem verliebten Abenteuer , bei irgend einer peinlichen Begegnung ; allein das rollte Alles wirr wie im Kaleidoscop durch einander . Wir fuhren nach Torcello ; aus langer Gewohnheit erkannte ich die Richtung trotz der Dunkelheit . Nun wirbelte sich auch noch Benvenutas Bild in meine Phantasmagorien hinein . Wir stiegen nicht beim gewöhnlichen Landungsplatz aus , sondern an einer Stelle welche gar nicht dazu bestimmt war , denn Gino trug mich aus der Gondel ungefähr zwanzig Schritt durch Morast bis er auf trocknen Boden und wie es schien in einen kleinen Gemüsegarten kam . Da setzte er mich nieder , flüsterte : » ' Lustrissima ! .... jenes erleuchtete Fenster dort .... ich harre bei der Gondel ! « und schlich leise zurück . Ich leise vorwärts , bis ich vor jenem Fenster stand und mit einem Blick das liebliche Bild übersah welches sich mir darbot . Dies Fenster war das letzte in einem unscheinbaren Häuschen , und das einzige des Zimmers das vor mir lag ; Gitterstäbe sicherten es nach außen , und eine Fülle von lila- und rosenfarbenem Convolvulus umrankte dieselben . Die Fensterflügel waren geöfnet und die Vorhänge weit zurückgeschoben um die Luft einströmen zu lassen . Das Zimmer war weder groß noch hoch , wie sich das in einem solchen Hause nicht anders erwarten ließ - aber wie geschmückt ! Rosenfarbener Seidenstoff mit weißem Musselin überzogen bekleidete die Wände und Decke , umgab als Vorhang das Bett , den Toilettentisch , das Fenster , und die Thür welche zu meiner Rechten in ein Nebenzimmer führte . Ein andrer Seidenstoff , weiß mit Rosengewinden , bedeckte Sopha und Stühle . Der Fußteppich war ebenfalls weiß und mit Rosen bestreut . Zu beiden Seiten des Fensters auf Marmor-Consolen brannten Lampen , und an der Hinterwand des Zimmers , dem Fenster grade gegenüber stand das Bett . In dem Bett lag eine Frau in sitzender Stellung , durch Kissen unterstützt . Sie