ersten Wochen . Wir alle sind überzeugt , daß , wenn etwa seine Gemahlin sterben sollte , er Bianca zur Großherzogin erheben würde . Als der vorige Mann der Bianca sich durch Übermut allen verhaßt gemacht hatte , ward er ermordet und niemand beklagte ihn . Überhaupt , so gern unser Fürst streng sein möchte , haben die Meuchelmorde in der Stadt wie in der Provinz außerordentlich zugenommen , denn es scheint den Mächtigen immer das kürzeste , den Gegner , der Verdruß und Verwicklung erregt , aus dem Wege zu räumen . « Die beiden Männer konnten sich in ihrem Fuhrwerk so frei und ungestört unterhalten , weil Giuseppe keinen Diener bei sich hatte und der Florentiner seinen Wagen von einem halbtauben Menschen lenken ließ , der nur seine Pferde beachtete . » In Eurer Erzählung gestern « , fing Don Giuseppe an , » ist mir manches unklar geblieben , und ich zweifle selbst , ob sich alles so habe zutragen können , und doch scheint Ihr sehr unterrichtet , ja Ihr waret bei jenen läppischen Spielen am Hofe wohl selber zugegen . « » Gewiß « , erwiderte jener . » Aber , mein Freund , wenn Ihr niemals an Höfen gelebt habt , so wißt Ihr auch nicht , was Übersättigung und Langeweile alles erzeugen können . Wieviel Aufwand , übertriebene Pracht , Gold in Haufen weggeworfen , übermäßige Belohnung der Künstler und Gewerbe bei Hochzeiten - und daneben unwürdige Knickerei und Geiz . Die edelsten Geister unserer Zeit so oft in Tätigkeit , das Vollendete , Große hervorzubringen , wovon unsere Nachkommen noch mit Bewunderung sprechen können ; - und unmittelbar darauf solche Spiele und Späße , welche ihr eben läppisch genannt habt . Der Großherzog sieht seine kränkelnde Gemahlin nur selten , er wünscht sich männliche Erben , damit sein Reich nicht an seine Brüder falle : der Kardinal Ferdinand ist ein vortrefflicher Mann , fein , gewandt und edel , aber der Großherzog betrachtet ihn natürlich mit Neid und Eifersucht . Der jüngste , Don Pietro , der viel in Spanien gelebt , und mit einer Spanierin aus dem Hause Toledo vermählt ist - was soll man von diesem sagen ? diesem wilden ausschweifenden Mann , den Krankheiten ausgehöhlt haben , der in seiner Wut kaum einem Menschen gleicht - er wird gefürchtet und gehaßt , und setzt ebendadurch alles in Schrecken , er herrscht dadurch , daß er es gar kein Hehl hat , wie er keine Rücksichten kenne und sich alles für erlaubt halte . « - » Da Ihr Euch so gerne mitteilt , Don Celio , so erlaubt mir noch einige Fragen , und löst mir einige Zweifel auf , die Eure Erzählung von jenem lächerlichen Gesandten aus Ferrara mir erregt hat « , sagte Don Giuseppe . » Jener Troilo von Orsini , den Ihr nanntet und als einen schönen jungen Herrn beschriebet , muß mit der Herzogin von Bracciano , jener Isabella , auf einem sehr vertrauten Fuße leben , ich möchte das Verhältnis verdächtig nennen , da er so ganz keine Rücksicht auf ihren Stand und Ruf zu nehmen scheint , daß er sie zu diesen nächtlichen Spaziergängen und Verkleidungen mißbrauchen darf . « » Mein geehrter Herr « , sagte Celio , » Ihr nehmt diese Verhältnisse zu streng und feierlich . Wie die arme Großherzogin , die doch eigentlich in keiner wahren Ehe lebt , sich oft in Langeweile , Verdruß und Eifersucht verzehrt , und sich daher gern in zuweilen schlechten Späßen ergeht und erheitert , so ist es auch auf ähnliche Weise mit Donna Isabella beschaffen . Ihr Gemahl , der Herzog von Bracciano , ist ein tapfrer Herr , ein Mann in hundert Rücksichten ausgezeichnet , aber der Liebe mag er wohl nicht fähig sein . Seine Bravour hat sich früh im Dienst der Republik Venedig erwiesen , er ist schon etlichemal leidenschaftlicher Soldat gewesen , noch vor drei oder vier Jahren hat er sich im Kampf gegen den Türken vielen Ruhm erworben , und schon vor zwölf Jahren ging er von Venedig aus zur See : aber die arme Gemahlin hat ihn nur noch wenig gesehn . « » Ihr kennt den Mann nicht persönlich ? « fragte der Fremde . » Nein « , antwortete Celio , » denn er hat sich schon seit Jahren nicht in Florenz gezeigt ; aber alle , die von ihm sprechen , achten ihn hoch , wegen seiner männlichen Tugenden ; aber sie fürchten ihn auch , denn er ist barsch und unerbittlich , wenn er erzürnt ist ; selbst der Großherzog hat eine gewisse Scheu vor ihm . Nun geht er seiner Laune nach , lebt bald hier , bald dort , und hält in Rom ein prächtiges großes Haus , wo es ihm sein großes Einkommen erlaubt , die Kardinäle und andere Fürsten zu überglänzen . Dann ist er wieder auf Reisen , unterstützt die armen Anverwandten und bändigt diejenigen , die sich zu trotzig erweisen . Aber die arme Isabella ! Er soll sie nur aus politischer Rücksicht geehlicht und niemals geliebt haben . Nun hat sich dieser leichtfertige Ton am Hofe eingeführt , der einem Fremden auffallen könnte , welcher aber nur sehr selten ärgerliche Geschichten oder Verhältnisse hervorruft . Und so steht Donna Isabella auch ganz rein und unbescholten da . Aber die Langeweile , das einsame Leben , ein unbefriedigtes Dasein führen sie dahin , vielleicht mit zu großem Ernst diese läppischen Späße zu verfolgen . « » Hat sie Kinder ? « » Nur einen Sohn und eine Tochter , den Virginio , der noch unmündig ist , und den sie wie ihre Virginia liebt . Sie hat sich sehr jung , fast noch selbst als ein Kind verheiratet . « » Wie ist es nur möglich « , begann der Fragende wieder , » da dieser Troilo doch immer ihren Verehrer und Liebhaber vorstellt , daß er den Mut hat , eine so hohe Dame