Frauenzimmern vorzog . » Du wirst krank werden , Albertine « , sagte Dorothea , indem sie die Freundin liebkoste . Die beiden Mädchen hatten sich von der Abendgesellschaft zurückgezogen und saßen , in traulicher Dämmerung plaudernd und erzählend , einsam im Zimmer der Tante . » Wie ich dich kennenlernte « , fuhr Dorothea fort , » warst du so heiter , sahst so klar aus den Augen , sprachst so richtige Vernunft , daß es eine Freude war , dich zu hören und zu sehen . Und auch noch jüngst , als wir hieher reiseten - wie heiter und selbst fröhlich warst du - und jetzt verfällt dein Gemüt von Tage zu Tage mehr . Unsere Herzen sind sich auf der Reise so schön begegnet ; so gestehe mir nun auch , was dich so traurig machen kann . « » Ich weiß es selbst nicht « , erwiderte Albertine , indem sie weinend die Freundin umarmte . » Es ist ja so schwer , das , was uns oft ängstigt , in Worte zu fassen . Du bist immer heiter und unbesorgt , dich ängstigt das Leben noch nicht , und darum hüte dich , daß du nicht auch einmal in diese Stimmung gerätst . Sieh , mein Herz , das Leben selbst ist es , was mich so wehmütig stimmt , denn ich wüßte mich für meine eigene Person über nichts zu beklagen . Wie schnell ist der Frühling vergangen , wie bald wird der Sommer vorüber sein ! Wie hinfällig ist alles , wie vorübergehend und in den Händen verwelkend , worüber wir uns freuen möchten ! Alles verschwindet , ehe wir es genossen haben , und jeder folgende Tag straft uns Lügen , daß wir uns gestern auf ihn freuen konnten . « » Das kann ich dir alles nicht glauben « , erwiderte Dorothea ; » ich habe zwar noch nicht so gar viele Erfahrung , aber ich denke denn doch , alle diese Weichmütigkeiten kommen uns erst , wenn irgend was Wirkliches , ein wahres Leid unser Herz belästigt . Dich drückt etwas , du geliebtes Wesen , und du willst es mir entweder nicht bekennen , oder weißt es noch selber nicht recht , wie denn das auch wohl zuweilen der Fall sein mag . « » Nein , Geliebte « , erwiderte das trauernde Mädchen , » mir ist wohl , mir selbst tritt nichts feindlich entgegen ; es ist eine allgemeine Trauer , die sich meiner bemeistert hat , eine Wehmut , möcht ich doch sagen , über alles Geschaffene . Du bist jetzt meine Freundin ; weiß ich , wie lange du es sein kannst und wirst ? ob du mir nicht einmal , vielleicht bald , feindlich gesinnt bist ? Wie wandelbar , wie schwach ist das menschliche Gemüt ! Ich habe ja dergleichen auch schon in meinem jungen Leben erfahren . « Jetzt wurde auch die muntere Dorothea betrübt und sagte : » Nein , so weit muß deine Schwermut nicht gehen , daß du deinen Freunden unrecht tust , du versündigst dich damit . Man muß dich schwer verletzt haben , daß es dir möglich ist , so unbillig zu sein . « » Nein ! nein ! « rief Albertine heftig , » du irrst dich , mein Herz , und so laß uns denn lieber von anderen Dingen sprechen . Wie hast du dich auf dieser Reise unterhalten ? « » Angenehm genug « , erwiderte die Kleine ; » denn erstlich haben wir einander näher kennengelernt , dann habe ich viel Neues gesehen , eine Oper , die mir fremd war , und ein neues Lustspiel , das Museum , die vielen Gemälde , die große Wachtparade , und was dann noch außerdem an der zahlreichen table d ' hôte im eleganten Gasthofe vorfiel . « » Ja , ja , viel Neues ! « sagte Albertine seufzend , » wären die Sachen nur auch löblich , wahrhaft aufregend gewesen . Diese armselige Oper und diese neue Sorte von Theaterstücken - wie kann man nur Interesse an ihnen nehmen ? « » Doch , wenn man jung ist . Sind wir denn nicht überhaupt dazu da , immerdar etwas zu lernen ? « So sprach Dorothea , und Albertine sah sie forschend an und fuhr dann fort : » Sieh , mein Kind , ich verstehe die Menschen gar nicht mehr . Nicht wahr , mein Vetter , der junge Elsheim , wird von allen Leuten für einen sehr angenehmen Menschen gehalten ? Man nennt ihn geistreich , wohlgebildet , fein , witzig , wohlwollend , selbst gelehrt , und wer weiß was nicht sonst noch alles ! Und doch sind wenige Männer , vielleicht gibt es keinen einzigen der mir in jeder Minute , ja fast in jedem Augenblick , wenn ich in seiner Gesellschaft bin , einen so lebhaften Unwillen , ja einen tief empfindlichen Schmerz erregt . Wie ist es dir denn in seiner Gegenwart ? « » Mir ? « fragte Dorothea ; » wahrlich , mir ist es noch gar nicht einmal eingefallen , mir diese Frage zu stellen . Er gefällt mir übrigens ganz wohl und kommt mir vor , wie die meisten Männer . « » O du unschuldiges Kind ! « rief Albertine aus - » du siehst also nicht , wie in diesem jungen , hübschen , hochfahrenden Mann die ganze Verkehrtheit unsers Zeitalters so recht sichtlich dargestellt ist ? Wie ist er mit sich selbst zufrieden , wie belehrt und hofmeistert er oft andere über Dinge , die diese doch viel besser wissen . Er ist freundlich gegen alle ohne Ausnahme , aber in diesem Wohlwollen ist so viel bewußte und absichtliche Herablassung , daß es den Unschuldigen , dem er sich auf diese Weise nähern will , weit mehr verletzen , als erfreuen muß . Und sein Lachen , sein höhnisches Lachen - meist über Dinge , die ihm nur deswegen