ich gewahre milde Zeiten des Familienglücks auf den Gesichtern unseres Geschlechts . Ich sehe ein häusliches Stubenleben , ein bürgerliches Zeitalter der Menschen , in dem die Frauen viel gelten ; sie stricken , nähen , schenken den Thee ein , und sprechen angenehm . Mir wird kläglich dabei zu Muthe , und ich wende den Blick auf Andere hin , und sehe bücherschreibende Weiber , mit Gelehrsamkeit und Künsten sich abgebende holde Mägdlein , wieder große Versuche , das Weib zu befreien . Aber das Familienglück , das bürgerliche Zeitalter und das Bücherschreiben machen unser Geschlecht nicht frei . Es muß noch immer des Lebens freie Bewegungen den verhaßten Männern überlassen . Nun führt mich mein Geist fern gegen den Norden hin , und ich sehe einen Mann in seiner Studirstube sitzen , der schreibt eifrig und sieht gedankenvoll aus . Ich weiß nicht , ich muß den Mann lieben , es ist mir , als schriebe er mir meine Gedanken auf , und die Gedanken unserer Frau Libussa . Er heißt Hippel , und er schreibt über die bürgerliche Verbesserung der Weiber , und über die Ehe . Er will , daß das Weib ein Vaterland haben solle , und eine Stelle im Staat , und seinen schönen Theil an aller Freiheit der öffentlichen Bewegung . Er ist der Erste unter allen Männern , in dem der große Gedanke Libussas wieder hervortaucht , denn kein Gedanke geht im Meer der Zeiten verloren . Und o , o , seht , wie mir der Geist nun hilft , die Erscheinungen zu verknüpfen . Da zieht es mich hin weit in eine andere Gegend , und ich schaue eine mächtige Stadt , die heißt Paris , und eine Straße , die wird die Straße Taitbout genannt . Dort ist ein Saal , in dem Männer mit langen Bärten versammelt sind , die eine besondere Weisheit unter sich verabredet haben , die heißt der Saint-Simonismus . Sie tragen eine weiße , hinten zugeknöpfte Weste , weiße Beinkleider , eine blaue Jacke , und Kopf und Busen sind ihnen ganz entblößt . Sie sehen närrisch aus , und sprechen über die Weiber . In ihrer Mitte sitzt Einer mit Namen Enfantin , der sich den obersten Vater der Simonisten nennt , und neben ihm steht ein leerer Stuhl , auf dem das freie Weib noch erwartet wird , damit sie , sobald sie erscheine in der Welt , sich gleich setzen könne . Alle Anstalten zu ihrem Empfange sind gemacht , und ihre Unabhängigkeit vom Manne ist ausgesprochen . Was Libussa gedacht , was Hippel geschrieben , wollen die Simonisten endlich ausführen . L ' élévation de l ' épouse au niveau de l ' époux ! so hallt es wieder aus dem Munde des obersten Vaters , der das freie Weib sucht . Es gibt eine gesellschaftliche Person , das ist nicht mehr der Mann allein , sondern Mann und Frau , und alle Geschäfte des Lebens werden daher paarweise verrichtet . Dieses Paaren ist die Ehe , und in ihr nimmt die Frau Antheil an den Geschäften des Mannes . So wirkt sie zugleich für den Staatsdienst mit , und kann , wie Libussa und Hippel ausdrücklich gewollt , Aemter bekleiden . Der kühne Vater Enfantin aber hebt die Freiheit des Weibes noch über die Ehe hinaus , und erklärt die Ehe nicht für geschlossen . Ein so freies Weib aber will sich gar nicht finden lassen , und darum sehe ich hier und dort Simonisten hinauswandern in den Orient , um das freie Weib da zu suchen . Und es entsteht eine große Verwirrung über die neue Lehre , in der doch Wahrheiten ruhen , an denen ich alle Jahrhunderte arbeiten gesehen . Schriftgelehrte erheben sich , um die Wahrheiten zu reinigen von den Schlacken , aber es scheint , als könne lange Keiner das Wort dazu finden . Aber das freie Weib - doch - ah ! - - Hier hielt die herrliche Wlasta inne , und der Geist der Weissagung schien von dem schönen Munde gewichen . Das Haupt sank ihr ermattet auf die Brust herab , und die Wange , die noch eben von dunkler prophetischer Röthe geglüht hatte , überzog sich wieder mit einer feinen Blässe . Sie lehnte sich seufzend an die Schulter ihrer Busenfreundin Stratka , und fragte leise : was habe ich euch gesagt ? Du hast uns die Zukunft unseres Geschlechts enthüllt ! riefen Alle einstimmig , und sprangen auf , und umringten sie ehrerbietig und traurig . Mir ist das Herz wehe , ich weiß nichts mehr , was ich gesagt ! stöhnte Wlasta . Ein wunderbarer Traum umhüllte mir mit tausendfarbigen Bildern die Schläfe . Jetzt möchte ich weinen , und kann nicht sagen , warum ? Das erste Mal ist es , daß ihr die wilde fröhliche Wlasta betrübt seht bis in den Tod . Ihr aber , lieben Gespielen , lasset die Gedanken an die ferne Zukunft , denn es bringt den Sterblichgeborenen nur Schaden , in den Spiegel der künftigen Gestaltungen zu lauschen . Denket an euer und unser allernächstes Unglück . An euch ist es nun , zum Heil einen Rathschluß zu fassen . Wlastislawa wird zu allem Ja sagen , was ihr beschließet , denn sie selbst ist traurig und gedankenlos , und das tapfere Herz ist ihr wie zerbrochen . Da trat die schmachtende Stratka in die Mitte der Jungfrauen , und es war wie ein linder Westhauch , wann sie sich bewegte . Sie war als die Zweite und Trefflichste nach der Wlasta geachtet , und Alle waren ihr gut , denn sie sah lieblich und bescheiden aus , und hatte Augen , wie zwei stille Vergißmeinnichts . Die sprach , indem sie ihre Hand ausstreckte gegen die noch am Boden sitzende Wlasta : O Wlastislawa , du hochherzige , tugendreiche und adlichgesittete Jungfrau , wir wissen Alle , daß Du nichts Anderes denkest noch trachtest , als unsere Freiheit und Ehre