Ihrem Hause ! Dem Oheim und der Nichte verdanke ich diese Zugabe meines Hauskreuzes . Tadeln Sie indeß Niemand . Beide handelten nach bester Ueberzeugung . Ihnen fiel es nicht ein , meiner Ueberzeugung zu nahe treten zu wollen . Emma schrieb mir zugleich das hübscheste Briefchen von der Welt über die Schritte , welche in der Sache geschehen waren . Ich lege es Ihnen hier bei , hinzusetzend , daß es mir übrigens so spät überkam , daß für mich nichts mehr zu thun blieb . Sehen Sie ! so sündigt Emma gegen mich , ohne eine Ahndung davon zu haben . Wie Vieles wäre noch darüber , wie Vieles über das Nichtverstehen der Menschen zu sagen . Allein , ich muß Ihnen ja dies schon schreiben . Sie sind nicht zu erreichen , seit Sie den Weltmann in der Stadt und den vornehmen Schloßherrn auf der Burg spielen . Wie Ihnen das schlecht steht , und wie fremd Sie mir erscheinen ! Könnten Sie einen Augenblick finden , der Sie , in Ihren grauen Mantel gehüllt , unscheinbar und bescheiden zu meiner Thüre brächte , ich würde glauben , Sie seien wieder Sie selbst , um mit Ihnen reden , denken , überlegen und ruhig sein zu können , wie sonst . Gute Nacht ! Ich bin müde , ich habe geweint , und doch weiß ich , ich werde nicht schlafen . Mir liegt Vieles im Sinn . Emma an Elise ( Im vorigen Briefe eingeschlossen . ) Ich ward verhindert , diesen Morgen zu Ihnen zu kommen und Ihnen mitzutheilen , was Sie vor allem Andern wissen sollen . Liebe Elise , es war gestern in den Zimmern des Comthur die Rede von Eduard ' s Wunsche , einen Erzieher für ihren lieben Knaben zu finden . Er hatte dem Baron Wildenau den Auftrag gegeben , ihm einen solchen suchen zu helfen . Die Wahl dünkte diesem schwer . Der Oheim wandte sich an mich , und rief mir einen Mann ins Gedächtniß , der mir von dem Lehrer und Freunde meiner Jugend empfohlen worden . Einen bessern Fürsprecher konnte sich so leicht Niemand rühmen . Ich erwog einen Augenblick , in wie fern ihre Anforderungen mit den Leistungen jenes jungen Geistlichen zusammen treffen möchten ? fand gleichwohl , daß eine edle Geburt , feine Erziehung , frühere günstige Stellung zur Welt , Bekanntschaft mit dieser , wie mit den Wissenschaften , der junge Mann zu Georgs Begleiter sich eigene , und schwerlich ein passenderer in diesem Augenblicke zu finden sei . Deshalb nur , und weil der Baron selbst der Ueberbringer meines Schreibens sein wollte , entschloß ich mich , ohne erst Ihre Einwilligung abzuwarten , der des Präsidenten war ich gewiß , den Schüler meines alten Lehrers hierher zu bescheiden , und es dann Ihrer Bestimmung zu überlassen , auf welche Weise er bei Ihnen eingeführt werden soll ? Bin ich voreilig gewesen , so verzeihen Sie es dem Eifer , Ihnen und dem lieben Georg , von den wenigen wahrhaften Diensten , die in der Gewalt wohlmeinender Freunde stehen , den Wesentlichsten leisten zu wollen . N. S. Eduard war bei mir . Er wußte schon Alles durch Leontin , und übernimmt es , Ihnen dies Briefchen zuzustellen . Hugo an Elise Sie schelten mich . Sie sind unzufrieden mit mir . Hier lobt man mich . Emma ' s Auge strahlt vor Freude , sie sieht mit einer Art Triumph von mir zu ihrer Mutter hin . Wer von Beiden kennt mich nun am besten ? O lassen Sie diese Frage unbeantwortet ! Es hängen an der einen , unzählige andere , die , einmal ausgesprochen , Herz und Seele mit herausreißen , dem Leben ein Ende machen , oder es anders gestalten müßten ! Ich komme nicht zu Ihnen , Elise . Auch nicht auf Ihr dringendes Gebot . Urtheilen Sie darnach , wie unmöglich es mir sein muß . Unmöglich ! ja ja ! Belachen Sie den Ausdruck nicht . Ich spreche nicht in Räthseln . Noch ein einziger , kurzer Schritt , und die Fluth treibt mich , wohin ich nicht will , wohin kein Auge reicht , was kein Maaß , keine Gränze kennt . Elise , hörten Sie nie - Gott nein ! - Der bodenlose Abgrund verworrener Begriffe liegt tief , tief unter der Region , in der Sie athmen . Genug , ich komme nicht . Ich schreibe Ihnen . Endlich ist Ruhe um mich . Sie schlafen , die mich müde hetzten , und mir nicht einmal den Schlaf lassen können . Sie haben ihn mir schon lange , lange geraubt ! Es ist tiefe Nacht . Sind wir endlich allein , Ganz allein , Elise ? dunkle Schatten liegen , wie Wächter , um die Freistatt der Gedanken . Sind wir auch hier der Welt und ihren Gesetzen verfallen ? Giebt es keine Ewigkeit in der Zeit , und kann die Sehnsucht niemals , niemals den Kerker sprengen , der Geister von Geistern trennt ? Wie ertragen wir denn den Tod unserer Lieben ? was schleichen wir zu ihren Gräbern und rufen Bilder der Vergangenheit in die Gegenwart zurück ? Ist das stille Hinübergleiten von einer Welt in die andere nichts , als ein suptileres Phantom der Einbildungskraft ? Stoßen wir überall , auch in uns nur auf Täuschungen , die den Drang des Innern mit Phantasmen hinhalten , wie Kinder in einer gespielten , die erwartete Welt vorausleben ? Sei es , ich träume denn also , und sehe Sie , und rede mit Ihnen im Traum . Was aber darf ich Ihnen sagen ? Die Nacht verwirrt mich . Ich will den Morgen abwarten , der Brief soll unvollendet bleiben . Er wird kein Ende finden ! Wo soll ich aufhören ? Vielleicht hätte ich besser gethan , niemals anzufangen . Jetzt ! - Ja so , Sie wollten wissen , was ich von dem Caplan halte ? Mein Gott !