, und äußerte zugleich die Besorgniß , daß seine Begleiterin in ihren seidnen Schuhen wohl schwerlich würde den Weg zu Fuß machen können . » Ah Cospetto di bacco ! « rief der Fremde , » warum habe ich nicht ein einzigs Paar der Pattens der Dutchess of Devonshire bei mir ! Auf diesen zierlichen Kothurnen könnte das Fräulein gerade durch einen Bach gehen , ohne naß zu werden ; sie sind die allervortrefflichste Erfindung « - » Ich erkenne höchst dankbar Ihre Güte , mit der Sie wünschen mir helfen zu können , « unterbrach ihn Gabriele . » Da es indessen auf diese Weise nicht möglich ist , so wage ich es , Sie zu bitten , die Meinigen bald möglichst zu beruhigen , die gewiß um mich in der größten Besorgniß sind . Haben Sie die Gefälligkeit , Frau von Willnangen im steinernen Hause auf der Wiese aufzusuchen , und ihr zu sagen , daß Gabriele von Aarheim « - » Aarheim ? Sie sind ein Fräulein von Aarheim ? Aarheim ? von Schloß Aarheim ? « rief im größten Entzücken der Fremde , » mais permettez que je vous embrasse , mon aimable petite Cousine , ich bin Ihr Vetter , Ihr nächster Verwandter , Moritz von Aarheim , Ihr Vater und ich sind Cousins à la mode de Bretagne . Ihr Aelter-Vater war der Bruder meines Großvaters . Haben Sie denn nie von mir sprechen gehört ? « » Mein Vater lebt so fern von der Welt , « stotterte Gabriele etwas erschrocken . » Es ist wahr , das thut er , « erwiederte Moritz von Aarheim , » ich habe ihm einmal vor vielen langen Jahren geschrieben , er hat mich aber keiner Antwort gewürdigt . Mais je ne lui porte pas rancune , seine Tochter ist die Krone unsers alten Geschlechts , and I forgive him . Ich will ihn besuchen , den alten Herrn , ich habe mich schon nach ihm erkundigt , ich höre , er beschäftigt sich mit alchymistischen Untersuchungen der Färbestoffe . Ich habe die göttlichsten Vorschriften zum Färben aus England mitgebracht , auch aus der Türkei habe ich deren mir zu verschaffen gewußt , er soll sie alle haben , er hat zwar auf meinen Brief nicht geantwortet , but I do not care for it , er soll sie doch haben . « So schwatzte Moritz von Aarheim noch lange fort , und legte dabei seine Freude über Gabrielen in fast allen lebendigen Sprachen an den Tag , bis ihm plötzlich der Nachtheil einfiel , der aus diesem langen Verweilen in der feuchten Luft für Gabrielens Gesundheit entstehen konnte . So schnell als möglich eilte er nun fort , auch währte es nicht lange , bis der General Lichtenfels und Ernesto mit einer Sänfte für Gabrielen im Tempel anlangten , um das dorthin vom Sturm verschlagne Paar heim zu geleiten . Gabriele fand bei ihrer Nachhausekunft den neuen Vetter so eingewohnt , als wäre er Zeit seines Lebens der vertrauteste Freund der Frau von Willnangen gewesen . Alle Tische und Stühle in ihrem Zimmer waren mit kleinen Modellen und Zeichnungen von neuen Erfindungen belastet , deren Erklärung und Nutzen er dem ältern Herrn von Wallburg auf das eifrigste zu demonstriren suchte . Die Damen und Leo hielten sich dabei in einiger Entfernung , um nicht an dem Streite Theil zu nehmen , der sich zwischen jenen beiden schon entsponnen hatte , denn Herr von Wallburg war der abgesagteste Feind aller Neuerungen . Gabrielens Erscheinung machte indessen dem Zwist ein Ende . Moritz von Aarheim ließ alles im Stich , um seiner neugefundenen Kusine unter einem halben Dutzend Fläschchen mit Präservativen gegen Erkältung die Auswahl anzubieten , und suchte auf alle Weise sie zu bewegen , wenigstens aus einem derselben ein paar Tropfen zu nehmen . Sein zudringliches Bitten hatte zwar etwas ungemein Lästiges , so wie im Grunde auch sein ganzes übriges Betragen , aber es lag auch wieder etwas so ausgezeichnet Gutmüthiges selbst in dieser Zudringlichkeit , daß es Gabrielen wirklich schwer ward , ihm seinen Wunsch nicht zu gewähren . Mehr aber als alles übrige war ihr der vertrauliche Ton unangenehm , zu welchem er als ein naher Verwandter gegen sie berechtigt zu seyn glaubte , und es ward ihr beinah unmöglich , sich daran zu gewöhnen , noch unmöglicher , ihn zu erwiedern . Nie zuvor war es ihr eingefallen , daß sie , außer der Gräfin Rosenberg und Aurelien , noch Blutsverwandte in der Welt haben könne , nie hatte sie solche nennen hören , und nun kam gerade eine der lächerlichsten Erscheinungen und wollte Familienverbindungen geltend machen , welche sie kaum im Stande war zu begreifen . Den durchnäßten Schweizeranzug hatte Herr von Aarheim zwar abgelegt , und alles , was er jetzt trug , war wirklich so neu und elegant als möglich , aber er sah deshalb nicht minder abenteuerlich aus . Seine Kleidung war wie seine Sprache , allen Nationen abgeborgt ; kein Stück seines Anzugs paßte zu den übrigen , alle aber verdankten der aller neuesten und dabei barocksten Erfindung ihren Ursprung . Auch seine Bewegungen hatten etwas unstätes , das mit seinen grauen Haaren und seiner ganzen Gestalt auf eine widerliche Weise kontrastirte . Uebrigens waren die Züge seines Gesichts nicht unangenehm und wurden zuweilen durch einen gewissen Ausdruck von treuherzigem Wohlwollen sogar recht leidlich . Da er im Gespräch immer von einem Gegenstand zu dem andern überging , ohne sich und andern zum gehörigen Auffassen eines einzigen Zeit zu lassen , so war sein Umgang höchst ermüdend , und der ganze Kreis wäre seiner gewiß sehr überdrüssig geworden , wenn er längere Zeit in Karlsbad verweilt hätte . Aber er eilte schon am dritten Tage zum kunstliebenden Scharfrichter nach Eger , den er durchaus sprechen zu müssen behauptete , obgleich er sich augenscheinlich höchst ungern so schnell von Gabrielen trennen mochte . Er verließ sie mit der Erklärung , daß er sie auf Schloß Aarheim wieder