finden auf der Galerie vortreffliche Gemälde von seiner Hand , auf allen erblicken Sie die Fürstin in dieser , jener Gestalt in der historischen Gruppe angebracht . Das schönste Gemälde , das die höchste Bewunderung aller Kenner erregt , hängt aber in dem Kabinett des Fürsten . Es ist das Porträt der Fürstin , die er , als sie in der höchsten Blüte der Jugend stand , ohne daß sie ihm jemals gesessen , so ähnlich malte , als habe er das Bild aus dem Spiegel gestohlen . Leonhard , so wurde der Maler mit seinem Vornamen am Hofe genannt , muß ein milder guter Mensch gewesen sein . Alle Liebe , deren meine kindische Brust fähig , ich mochte kaum drei Jahre alt sein , hätte ich ihm zugewandt , ich wollte , er sollte mich nie verlassen . Aber unermüdlich spielte er auch mit mir , malte mir kleine bunte Bilder , schnitt mir allerlei Figuren aus . Plötzlich , es mochte ein Jahr vergangen sein , blieb er aus . Die Frau , der meine erste Erziehung anvertraut , sagte mir mit Tränen in den Augen , Herr Leonhard sei gestorben . Ich war untröstlich , ich mochte nicht mehr in dem Zimmer bleiben , wo Leonhard mit mir gespielt . Sowie ich nur konnte , entschlüpfte ich meiner Erzieherin , den Kammerfrauen , lief im Schlosse umher , rief laut den Namen : Leonhard ! Denn immer glaubt ' ich , es sei nicht wahr , daß er gestorben , und er sei irgendwo im Schlosse versteckt . So begab es sich , daß ich auch an einem Abend , als die Erzieherin sich nur auf einen Augenblick entfernt , mich aus dem Zimmer schlich , um die Fürstin aufzusuchen . Die sollte mir sagen , wo Herr Leonhard sei , und mir ihn wiederschaffen . Die Türen des Korridors standen offen , und so gelangte ich wirklich zur Haupttreppe , die ich hinauf lief und oben , auf gut Glück , in das erste geöffnete Zimmer trat . Als ich mich nun umschaute , wurde die Türe , die , wie ich meinte , in die Gemächer der Fürstin führen mußte , und an die ich zu pochen im Begriff stand , heftig aufgestoßen , und hinein stürzte ein Mensch in zerrissenen Kleidern , mit verwildertem Haar . Es war Leonhard , der mich mit fürchterlich funkelnden Augen anstarrte . Totenbleich , eingefallen , kaum wiederzuerkennen war sein Antlitz . Ach , Herr Leonhard , rief ich , wie siehst du aus , warum bist du so blaß , warum hast du solche glühende Augen , warum starrst du mich so an ? - Ich fürchte mich vor dir ! - O sei doch gut wie sonst - male mir wieder hübsche bunte Bilder ! - Da sprang Leonhard mit einem wilden wiehernden Gelächter auf mich los , - eine Kette , die um den Leib befestigt schien , klirrte ihm nach - kauerte nieder auf den Boden , sprach mit heiserer Stimme : Ha ha , kleine Prinzeß - bunte Bilder ? - Ja , nun kann ich erst recht malen , malen - nun will ich dir ein Bild malen und deine schöne Mutter ! nicht wahr , du hast eine schöne Mutter ? - Aber bitte sie , daß sie mich nicht wieder verwandelt - ich will nicht der elende Mensch Leonhard Ettlinger sein - der ist längst gestorben . Ich bin der rote Geier und kann malen , wenn ich Farbenstrahlen gespeist ! - Ja , malen kann ich , wenn ich heißes Herzblut habe zum Firnis , - und dein Herzblut brauche ich , kleine Prinzeß ! - Und damit faßte er mich , riß mich an sich , entblößte mir den Hals , mir war ' s , als sähe ich ein kleines Messer in seiner Hand blinken . Auf das durchdringende Angstgeschrei , das ich ausstieß , stürzten Diener hinein und warfen sich her über den Wahnsinnigen . Der schlug sie aber mit Riesenkraft zu Boden . In demselben Augenblicke polterte und klirrte es aber die Treppe herauf , ein großer , starker Mann sprang hinein mit dem lauten Ausruf : Jesus , er ist mir entsprungen ! Jesus , das Unglück ! - Warte , warte , Höllenkerl ! - So wie der Wahnsinnige diesen Mann gewahrte , schienen ihn plötzlich alle Kräfte zu verlassen , heulend stürzte er zu Boden . Man legte ihm die Ketten an , die der Mann mitgebracht , man führte ihn fort , indem er entsetzliche Töne ausstieß wie ein gefesseltes wildes Tier . Sie mögen sich es denken , mit welcher verstörenden Gewalt dieser entsetzliche Auftritt das vierjährige Kind erfassen mußte . Man versuchte mich zu trösten , mir begreiflich zu machen , was wahnsinnig sei . Ohne dies ganz zu verstehen , ging doch ein tiefes namenloses Grausen durch mein Inneres , das noch jetzt wiederkehrt , wenn ich einen Wahnsinnigen erblicke , ja , wenn ich nur an den fürchterlichen Zustand denke , der einer fortgesetzten , ununterbrochenen Todesqual zu vergleichen . - Jenem Unglücklichen sehen Sie ähnlich , Kreisler , als wären Sie sein Bruder . - Vorzüglich erinnert mich Ihr Blick , den ich oft seltsam nennen möchte , nur zu lebhaft an Leonhard , und dies ist es , was mich , als ich Sie zum erstenmal erblickte , außer Fassung brachte , was mich noch jetzt in Ihrer Gegenwart beunruhigt - beängstigt ! « - Kreisler stand da , tief erschüttert , keines Wortes mächtig . Von jeher hatte er die fixe Idee , daß der Wahnsinn auf ihn lauere , wie ein nach Beute lechzendes Raubtier , und ihn einmal plötzlich zerfleischen werde ; er erbebte nun in demselben Grausen , das die Prinzessin bei seinem Anblick erfaßt , vor sich selbst , rang mit dem schauerlichen Gedanken , daß er es gewesen , der die Prinzessin in der Raserei ermorden wollen .