über der Gegend , weit über die Gärten und Hügel hin hörte man ringsum das Jauchzen der Winzer . Friedrich wurde bei dieser Aussicht unsäglich bange in dem einsamen Schlosse , es war ihm , als wäre alles zu einem großen Feste hinausgezogen , und er konnte kaum mehr widerstehen , selber wieder hinunterzureiten , als er auf einmal die Gräfin erblickte , die in einem langen grünen Jagdkleide in dem erquickenden Hauche des Abends auf der glänzenden Landstraße aus dem Tale heraufgeritten kam . Sie war allein , er erkannte sie sogleich an ihrer hohen , schönen Gestalt . Als sie vor dem Schlosse vom Pferde stieg , kam der schöne Knabe , der vorhin auf der Tanne gelauert hatte , schnell herbeigesprungen , fiel ihr stürmisch um den Hals und küßte sie . » Kleiner Ungestüm ! « sagte sie halb böse und wischte sich den Mund . Sie schien einen Augenblick verlegen , als sie so unvermutet Friedrich erblickte und bemerkte , daß er diesen sonderbaren Empfang gesehen hatte . Sie schüttelte aber die flüchtige Scham bald wieder von sich und bewillkommte Friedrich mit einer Heftigkeit , die ihm auffiel . » Ich bedaure nur « , sagte sie , » daß ich Sie nicht so bewirten kann , wie ich wünschte , alle meine Leute schwärmen schon den ganzen Tag bei der Weinlese , ich selbst bin seit frühem Morgen in der Gegend herumgeritten . « Sie nahm ihn bei der Hand und führte ihn in das Innere des Schlosses . Friedrich verwunderte sich , denn fast in allen Zimmern standen Türen und Fenster offen . Die hochgewölbten Zimmer selbst waren ein seltsames Gemisch von alter und neuer Zeit , einige standen leer und wüste , wie ausgeplündert , in andern sah er alte Gemälde an der Wand herumhängen , die wie aus schändlichem Mutwillen mit Säbelhieben zerhauen schienen . Sie kamen in der Gräfin Schlafgemach . Das große Himmelbett war noch unzugerichtet , wie sie es frühmorgens verlassen , Strümpfe , Halstücher und allerlei Gerät lag bunt auf allen Stühlen umher . In dem einen Winkel hing ein Portrait , und er glaubte , soviel es die Dämmerung zuließ , zu seinem Erstaunen die Züge des Erbprinzen zu erkennen , dessen Schönheit in der Residenz einen so tiefen Eindruck auf ihn gemacht hatte . Die Gräfin nahm den schönen Knaben , der ihnen immerfort gefolgt war , beiseite und trug ihm heimlich etwas auf . Der Knabe schien durchaus nicht gehorchen zu wollen , er wurde immer lauter und ungebärdiger , stampfte endlich zornig mit dem Fuße , rannte hinaus und warf die Tür hinter sich zu , daß es durch das weite Haus erschallte . » Er ist doch in einer Stunde wieder da « , sagte Romana , ihm nachsehend , nahm die Gitarre , die in einer Ecke auf der Erde lag , während sie Friedrich ein Körbchen mit Obst und Wein übergab , und führte ihn wieder weiter eine Stiege aufwärts . Wie einem Nachtwandler , der plötzlich auf ungewohntem Orte aus schweren , unglaublichen Träumen erwacht , war Friedrich zumute , als er mit ihr die letzten Stufen erreichte , und sich auf einmal unter der weiten , freien , gestirnten Wölbung des Himmels erblickte . Es war nämlich eine große Terrasse , die nach italienischer Art über das Dach des Schlosses ging . Ringsum an der Galerie standen Orangenbäume und hohe , ausländische Blumen , welche den himmlischen Platz mit Düften erfüllten . » Hier auf dem Dache « , sagte Romana , » ist mein liebster Aufenthalt . In den warmen Sommernächten schlafe ich oft hier oben . « Sie setzte sich zu ihm , reichte ihm die Früchte und trank ihm von dem mitgenommenen Weine selber zu . » Sie wohnen hier so schwindlig hoch « , sagte Friedrich , » daß Sie die ganze Welt mit Füßen treten . « - Romana , die sogleich begriff , was er meinte , antwortete stolz und keck : » Die Welt , der große Tölpel , der niemals gescheiter wird , wäre freilich der Mühe wert , daß man ihm höflich und voll Ehrfurcht das Gesicht streichelte , damit er einen wohlwollend und voll Applaus anlächle . Es ist ja doch nichts als Magen und Kopf , und noch dazu ein recht breiter , übermütiger , selbstgefälliger , eitler , unerträglicher , den es eine rechte Götterlust ist aufs Maul zu schlagen . « - Sie brach hierbei schnell ab und lenkte das Gespräch auf andere Gegenstände . Friedrich mußte dabei mehr als einmal die fast unweibliche Kühnheit ihrer Gedanken bewundern , ihr Geist schien heut von allen Banden los . Sie ergriff endlich die Gitarre und sang einige Lieder , die sie selbst gedichtet und komponiert hatte . Die Musik war durchaus wunderbar , unbegreiflich und oft beinahe wild , aber es war eine unwiderstehliche Gewalt in ihrem Zusammenklange . Der weite , stille Kreis von Strömen , Seen , Wäldern und Bergen , die in großen , halbkenntlichen Massen übereinander ruhten , rauschten dabei feenhaft zwischen die hinausschiffenden Töne hinein . Die Zauberei dieses Abends ergriff auch Friedrichs Herz , und in diesem sinnenverwirrenden Rausche fand er das schöne Weib an seiner Seite zum ersten Male verführerisch . » Wahrhaftig « , sagte sie endlich aus tiefster Seele , » wenn ich mich einmal recht verliebte , es würde mich gewiß das Leben kosten ! - Es reiste einmal « , fuhr sie fort , » ein Student hier in der Nacht beim Schlosse vorbei , als ich eben auf dem Dache eingeschlummert war , der sang : Wenn die Sonne lieblich schiene Wie in Welschland , lau und blau , Ging ' ich mit der Mandoline Durch die überglänzte Au . In der Nacht dann Liebchen lauschte An dem Fenster , süßverwacht , Wünschte mir und ihr - uns beiden Heimlich eine schöne Nacht . Wenn die Sonne lieblich schiene Wie in Welschland , lau