ich mich nach Moritzens Tode entschlossen haben , in irgend ein Kloster zu gehen ; schwerlich aber wäre dann aus mir geworden , was ich jetzt bin , und in sofern ich einen Werth auf mich setze , freue ich mich auch , eine Protestantin zu seyn . Ich fürchte weder den Verfall , noch den Tod . Den ersteren betrachte ich als eine Folge des mangelnden Reizes , und so lange mir noch mein Bewußtseyn bleibt , werd ' ich dafür sorgen , daß dieser Mangel mich nicht treffe . In dem letzteren seh ' ich nur den Stillstand einer Maschine , die nicht für die Ewigkeit geschaffen wurde . So lange ich lebe , werd ' ich mich auch wohlbefinden . Mein Arkanum in dieser Hinsicht ist sehr einfach . Es heißt : Fliehe den Umgang mit alten und langweiligen Personen . Nichts verbittert das Leben so bestimmt und tödtet so sicher , als das überhandnehmende Gefühl der Langenweile . Gewissen Anzeigen nach , werd ' ich aber ein hohes Alter erreichen , ohne daß ich dies gerade wünsche . Denn blick ' ich auf die Vergangenheit zurück , so dehnt sie sich unermeßlich vor mir aus , welches durchaus nicht der Fall seyn könnte , wenn der langweiligen Tage , Wochen , Monate in ihr sehr viele gewesen wären . Ich glaube nämlich die Bemerkung gemacht zu haben , daß es in jedem Menschen ein von allen künstlichen Zeitmaaßen ganz unabhängiges giebt , nach welchem das Fortschreiten der Zeit durch Gefühle und Ideen bezeichnet wird . Vermöge dieses natürlichen Zeitmaaßes muß eben die Zeit , welche im Durchleben sehr rasch vorüber zu fliegen scheint , in der Zurückerinnerung eine große Ausdehnung gewinnen , und umgekehrt die träg vorüber schleichende Zeit in der Erinnerung zusammen schrumpfen . Da ich aber die letzte Erfahrung durchaus noch nicht an mir selbst gemacht habe , so muß ich daraus schließen , daß noch ein hohes Maaß von Lebenskraft in mir ist , und ich für eine ungewöhnlich lange Dauer bestimmt bin . Doch dies komme , wie es wolle , ich werde mit meinem Geschick künftig eben so zufrieden seyn , als ich es gegenwärtig bin . Das Einzige , warum ich den Himmel bitten möchte , ist die Erhaltung der letzten Freunde , die er mir zuführte . Bessere werd ' ich niemals wiederfinden , und ein freundloses Leben hat so viel Abscheuliches für mich , daß ich lieber gar nicht mehr existiren will , wenn die nackte Existenz durch sich selbst bedingt ist . Und nun , mein theurer Cäsar , hab ' ich Ihnen alles mitgetheilt , was Sie wissen mußten , um mich nach meinem ganzen Wesen zu begreifen . Von größerer Ausführlichkeit haben mich zwei Rücksichten abgehalten . Einmal wollte ich Ihnen so wenig Langeweile machen , als mir immer möglich wäre , und Ihnen schlechterdings nichts von dem wiederholen , was sonst wohl zwischen uns beiden zur Sprache gekommen ist . Zweitens - ich weiß , Sie verzeihen , daß ich bei einem so unangenehmen Geschäfte , als das Schreiben nun einmal ist , auch an mich gedacht habe - wollte ich mir durch alle diese Bekenntnisse nur die Abwesenheit meiner Freundin erträglicher machen , und folglich nur bis zu ihrer Zurückkunft an meinem Pulte kleben . Ich habe das Vergnügen , Ihnen zu melden , daß Eugenia übermorgen ganz unfehlbar wieder eintreffen wird . Unstreitig werden Sie bald zu uns kommen , und dann Ihre Mirabella mit ganz anderen Augen betrachten , als es bisher der Fall war . Nun , es wird sich zeigen , ob ich durch meine Aufrichtigkeit bei Ihnen gewonnen oder verloren habe . Immer war es meine Sache , für nichts mehr und nichts weniger gelten zu wollen , als was ich wirklich bin . Adieu .