natürlich sich so an mich gebunden fühlen mußte ; und diese frühe Neigung , glücklich geleitet , vermag über sein ganzes Leben den schönsten zauberischen Duft zu hauchen , der alle Blüthen desselben mit höhern Reizen beleben , und vieles Schädliche von ihm entfernt halten wird . Und zuletzt - wird irgend ein äußrer oder innrer Umstand diese Ewigkeit zertrümmern , wohl ihm , wenn ihm dann die Innigkeit der Empfindung bleibt , ob gleich er mit dem Gegenstand wechselt ! Ich scheide mit heiterm Herzen von Dir ! - alle unangenehmen Eindrücke sind weit von mir entrückt , die Natur umfaßt mich , enthüllt , und verhüllt die Welt vor meinem Blick ! Ich fühle es innig , das ist die süße , reine Gegenwart , das wahre Leben , das nichts will , und alles in sich faßt , und das ich nicht beschreiben mag , denn wer es je besaß , der kennt es , und würde es vielleicht nicht wieder erkennen , wenn er es beschrieben fände . Neunzehnter Brief Amanda an Julien Ich bin , seit ich Dir nicht geschrieben habe , sehr ernstlich krank gewesen , und der Arzt hat mir als Mittel zur Wiederherstellung meiner Gesundheit , eine Reise verordnet , die ich in wenig Tagen , anzutreten gedenke . Es war wohl kein Wunder , daß die Erschütterungen meines Gemüths , auch auf den Körper Einfluß hatten , aber was man mir auch von dem Bedenklichen meines Zustandes sagen mag , so fühle ich doch meinen Geist unbeschreiblich heiter und frei , und meine ganze Stimmung ungewöhnlich erhöht und freudig . - Ich werde nach Lausanne reisen , weil ich mir von den Reizen des dortigen Klimas und der Gegend den angenehmsten Genuß versprechen darf , und eine geheime Sehnsucht mich wieder nach diesem Ort , den ich schon kenne , hinzieht . Ich endige diesen angefangenen Brief an Dich , erst auf der Reise . Ich bin in * * * und habe heute gewiß einen der merkwürdigsten Tage meines Lebens verlebt . Meine Reise bis hieher war glücklich , zwar hatte die Trennung von jener Gegend und meinen Freunden mich tief gerührt ; auch die andern überließen sich der heftigsten Trauer , und Nanette war in einer Bewegung , wie ich sie nie gesehen habe . Doch hat mir der wohlthätige Einfluß der Reise , meine vorige Heiterkeit zurückgegeben , und ich hoffe , daß auch meine Freunde nun wieder freudig an mich denken werden . Doch nun zur Schilderung des heutigen Tages , dessen Eindrücke noch meine ganze Seele beschäftigen . Ich wollte diesen Ort nicht verlassen , ohne die Einsiedelei besucht zu haben , die vor mehr als hundert Jahren von einem Eremiten in einer kleinen Entfernung von der Stadt angelegt worden ist , und noch jetzt von einem Kapuciner bewohnt und unterhalten wird . Romantischer als die Gegend , worin diese Einsiedelei liegt , vermag die fruchtbarste Einbildungskraft sich nichts zu denken . Hohe , steile Felsenwände , die von der Allmacht eines Gottes aus einander zerrissen zu sein scheinen , umschließen ein enges , tiefes Thal , das aber nichts Furchtbares , nichts Beängstigendes hat , weil es , nach beiden Seiten hin , freundlich geöffnet , sich in einem fernen , lachenden Grund zu endigen scheint . Ueber das tiefe Bett eines reissenden Bachs , führte von einem Felsen zum andern , eine Brücke zu der Wohnung des frommen Einsiedlers . In der kleinen niedlichen Hütte athmete alles Ruhe , Andacht und Genügsamkeit ; nutzbare Pflanzen und Kräuter blühten in dem Gärtchen vor der Wohnung , und einige sorgfältig gepflanzte Blumen , besonders Rosen , gaben dieser Wildniß einen unbeschreiblich rührenden Reiz . Ich fühlte meine Seele von dem heiligen Einfluß dieser Stelle durchdrungen , der noch mächtiger wurde , als ich die ehrwürdige Gestalt des Einsiedlers erblickte , der mich mit stiller Freundlichkeit begrüßte . Die Ruhe in seinen Zügen , die hohe Freudigkeit in seinem reinen , himmelblauen Auge , war nicht Stumpfheit oder Zerstöhrung aller menschlichen Gefühle und Wünsche , nicht wesenlose , kranke Schwärmerei - nein ! es war die glückliche Auflösung aller Zweifel des Lebens , die Sicherheit vor jedem innern Kampf , die freudige Entscheidung der den Menschen wichtigsten Fragen , die Ahndung einer schönen Zukunft . - Meine Begleiter waren am Fuß des Felsens zurückgeblieben , und ich setzte mich mit dem Einsiedler auf die Rasenbank vor der kleinen Hütte , wo unschuldige Blumen uns umrankten , und die heiterste Bergluft uns umsäuselte . - Hier fanden wir uns bald in Gesprächen vertieft , wie sie nur von Menschen geführt werden können , deren Inneres ohne Falsch ist , und die sich durchaus in keinen Verhältnissen des Lebens berühren , als in solchen , welche den Menschen allgemein und heilig sind . - Ich konnte ihm alle meine Ideen , meine Zweifel und Hoffnungen über Leben und Tod , alle meine Wünsche und Neigungen frei entdecken , und fand in seinen einfachen Gegenreden , Beruhigung , Sicherheit und Freude . Dir alle unsre Gespräche , der Folge nach , mitzutheilen , ist mir unmöglich , obgleich meine ganze Seele , noch mit ihnen erfüllt ist , aber ich will hier einige Fragmente seiner Gespräche hinschreiben , in welchen Du seinen Sinn aufs getreueste übergetragen findest , wenn es auch seine Worte nicht immer sein sollten . Es giebt Eine Religion , sagte der fromme Einsiedler , welche allen andern Religionen vorhergieng und zum Grunde liegt , und wer sie erkennt , dem geht eine Klarheit auf , in welcher er den Zusammenhang Aller einsieht , und welche Licht über alle Verhältnisse sterblicher Wesen verbreitet . - Die Gottheit hat ihren Dienst selbst geoffenbaret ; es war eine Zeit , wo Götter mit den Menschen umgiengen , wo wirkliche Göttergestalten lebten . Daher die Heiligkeit des fernen Alterthums ; je höher hinauf , je mehr Größe , Einfachheit , Göttlichkeit ; alles deutet darauf hin . Das , was