Der Doktor hatte diesen Ausbruch von Lustigkeit mit Gelassenheit abgewartet , eh ' er weitersprach . - » Sie werden « , fuhr er dann gegen Florentin fort , » ein stark besetztes Chor von meistens vortrefflichen Stimmen hören . Es ist eine der liebsten Beschäftigungen der Gräfin , sich dieses Chor auszubilden , von dem sie sich nicht allein ihre eignen Kompositionen vortragen läßt , sondern auch die herrlichsten alten Sachen , die man sonst nirgends mehr hört als bei ihr . « - » Für die alte Dame « , fing der Rittmeister an , » ist diese melancholische Musik erstaunlich passend , sonst aber hat sich noch jeder honette Mensch dabei ennuyiert . « - Hier mischten sich noch andere ins Gespräch , teils für , teils gegen diese Behauptung , der Streit ward allgemein , währenddem fragte Florentin zum Doktor : » Wenn Sie eben jetzt nichts Besseres zu tun haben , so würde ich Sie bitten , einen Spaziergang mit mir zu machen . « - » Ich war im Begriff dieselbe Bitte an Sie zu tun « , erwiderte jener . - Es entstand eine kleine Stille , als man die beiden aufstehen sah . Im Hinausgehen hörte Florentin ganz deutlich , daß Walter » Glücksritter « sagte . » Ich hatte unrecht « , sagte der Doktor , als sie draußen waren , » in Gegenwart dieser unmusikalischen Seelen von einer zu sprechen , die ganz Musik ist . « - Sie gingen in einen der nah gelegenen öffentlichen Gärten außerhalb der Stadt , wo sie sich Erfrischungen geben ließen . Florentin konnte sich nicht enthalten , einiges über die schlechte Tischgesellschaft zu äußern . Er fragte seinen Begleiter , ob er diesen Walter genauer kenne ? - » Ich kenne ihn « , sagte dieser . » Ich habe das Glück , zu den Freunden der Gräfin Clementina zu gehören , und fast immer in ihrem Hause zu sein , dort sehe ich ihn nur zu oft ! Gewöhnlich speise ich nicht an der öffentlichen Wirtstafel ; darf ich sagen , daß ich mich heute dort einfand , bloß um Ihre persönliche Bekanntschaft etwas früher zu machen ? Ich bin durch Fräulein Bettys Erzählung zu begierig geworden . « - » Ich freue mich Ihrer Bekanntschaft « , versetzte Florentin . - Nach einigen Fragen und Erläuterungen , ihr beiderseitiges Verhältnis mit der gräflichen Familie betreffend , rückte Florentin endlich mit der Frage heraus : wie es komme , daß Clementina , die ihm als der Schutzgeist der Angehörigen sei bekannt gemacht worden , daß diese die Verbindung zwischen Walter und Betty wünschen , ja nur zugeben könne ? » Wie ! Leuchtet es ihr nicht in die Augen « , sagte er , » daß Betty mit diesem Menschen höchst unglücklich werden , oder ganz zugrunde gehen muß ? Wie ist es so schade um diese liebenswürdige Natur ! « - » Ja wohl schade ! « rief der andere , mit einem halb unterdrückten Seufzer . » Ich kenne Betty seit ihrem zwölften Jahre , ich liebe sie , seit ich sie kenne . « Das sanft ernsthafte Gesicht des Mannes errötete etwas bei diesen Worten . - » Betty hat einen würdigen Freund , wie ich sehe « , sagte Florentin nach einem kleinen Schweigen ; » wie kann es zugehen , daß sie einem schrecklichen Schicksal sichtbar entgegengehen darf ? « - » Bettys unglückliche Neigung . « - » Wär ' es möglich ? Was kann dieses liebenswürdige Kind , im Schoß der Liebe mit aller Sorgfalt ausgebildet , was kann sie bewegen , sich diesen rohen Gefährten zu wählen ? Gehört sie etwa auch zu jenen Zarten , die sich bloß an die äußere Erscheinung der Energie halten ? « - » Nicht ganz so hart ! « fiel ihm jener ein ; » es ist ihm gelungen sie zu fesseln , oder vielmehr sie in einem Moment der Hingebung sich eigen zu machen . Es ist nicht gewiß , ob sie ihn noch liebt , ja ob sie ihn jemals liebte . Ist es die schöne wachsende Treue eines unverdorbenen weiblichen Herzens ? Ist es Reue , oder Stolz ? Genug sie hält sich für unauflöslich gebunden , obgleich die Gräfin , der sie sich ohne Rückhalt anvertraute , ihre Vermählung immer weiter hinauszuschieben sucht . Walter weiß sehr wohl , wie übel er bei der Gräfin angesehen ist , daher sein Haß gegen diese unvergleichliche Frau . Es ist sehr wahrscheinlich , daß alles von ihm aus Liebe zu ihrem ansehnlichen Vermögen angelegt ward ; und nur zu wohl ist ihm sein Plan gelungen ! « - » So muß denn die Arme aus Schwachheit um Schwachheit ewig verloren sein ? und die Freunde könnten sie retten und sehen müßig zu , wie sie untergeht ! « - » Woher wissen Sie das ? « - » Warum wendet Clementina nicht hier ihre ganze Autorität an ? Hier ist es an der Zeit , sich dem Vorurteile mit Macht entgegenzusetzen ! « - » Sie müßten die Vortreffliche freilich kennenlernen , um sie zu verstehen . Clementina gehört zu den seltnen Seelen , die wahre Ehrfurcht , die zarteste Scheu für die Sinnesfreiheit andrer Personen hegen . Diese , in sich und in den sie Umgebenden , nie zu verletzen und auf das höchste auszubilden , ist ihr größtes Bestreben . Nie hat sie aber jemand durch Autorität zum Bessern zu zwingen versucht . Sie hat nicht versäumt , Betty das Elend vorzustellen , dem sie entgegengeht ; da diese aber fest ist in ihrem Glauben : Walter liebe sie , die Liebe würde ihn ausbilden , und einer liebenden geliebten Frau sei alles möglich ; so erlaubt sie sich weiter keinen Schritt dagegen zu tun , weder offen noch heimlich ; außer daß sie die Vermählung noch lange aufgeschoben hat , damit Betty Zeit habe , ihren Irrtum gewahr zu werden . Auch