, daß ich Athen noch mehr als einmal wohlgemuth verlassen werde ; aber dafür bin ich auch gewiß , ich werde eben so oft wieder zurückkommen ; und ich müßte mich sehr irren , oder dieses wechselnde Kommen und Gehen ist das wahre Mittel , wie man der Vortheile und Annehmlichkeiten des Aufenthalts in dieser Hauptstadt der gesitteten Welt genießen kann ohne ihrer überdrüssig zu werden , oder sie von den übermüthigen , naseweisen und wetterlaunischen Einwohnern gar zu theuer zu erkaufen . Nimm es nicht übel , Laiska , daß ich von den edeln Theseiden , deinen erklärten Liebhabern , mit so wenig Ehrerbietung rede . Ich läugne es nicht , ein Fremder , der sich eine Zeit lang unter ihnen aufhält , und , es sey nun durch persönliche Eigenschaften oder durch Geburt , Stand und glänzenden Aufzug , ihre Aufmerksamkeit erregt , muß von ihrer Liebenswürdigkeit bezaubert werden ; aber lass ' ihn nur so lange bleiben , bis sie es nicht mehr der Mühe werth halten Umstände mit ihm zu machen : ich wette , er wird den Unterschied zwischen dem Athener im Feierkleide und dem Athener im Caputrocke sehr auffallend finden . Das ist allenthalben so , wirst du sagen . Ich gesteh ' es ; aber doch zweifle ich sehr , ob irgend ein anderes Volk dich die zuvorkommende Artigkeit und Gefälligkeit , womit es dich Anfangs überhäuft , so theuer bezahlen läßt , als der Athener , von dessen Charakter einer der wesentlichsten Züge ist , daß er Andere gerade so viel unter ihrem wahren Werth schätzt , als er sich selbst über den seinigen würdigt . Ich weiß nicht , ob du von einem Gemälde des berühmten Parrhasius gehört hast , worin er den schon vom Aristophanes so treffend personificirten Athenischen Demos108 in einer Art von allegorisch historischer Composition zu schildern unternahm . Seine Absicht , sagt man , war , die Athener von der schönen und häßlichen Seite , mit allen ihren Tugenden und Lastern , Ungleichheiten , Launen und Widersprüchen mit sich selbst , zugleich und auf einen Blick darzustellen . Es war keine leichte Aufgabe , eben dasselbe Volk rasch , jähzornig , unbeständig , ungerecht , leichtsinnig , hartnäckig , geitzig , verschwenderisch , stolz , grausam und unbändig auf der einen Seite , und mild , lenksam , gutherzig , mitleidig , gerecht , edel und großmüthig auf der andern , zu zeigen ; oder vielmehr , er unternahm etwas , das seiner Kunst unmöglich zu seyn scheint . Du bist vielleicht neugierig zu wissen , wie er es anfing ? Das Gemälde stellt eine Athenische Volksversammlung vor , welche , nachdem sie in möglichster Eile irgend eine Ruhm und Gewinn versprechende Unternehmung beschlossen , eine summarische Rechnung über Einkünfte und Ausgaben des Staats abgehört , und einen General etwas tumultuarisch zum Tode verurtheilt hat , eben im Begriff ist auseinander zu gehen . Man zählt mehr als hundert halbe und ganze Figuren , von welchen die bedeutendsten in drei große Hauptgruppen vertheilt sind . In der ersten ist der Demagog , der so eben irgend ein ausschweifendes Project ( etwa die Eroberung von Sicilien oder Aegypten ) durch seine rhetorische Taschenspielerkunst durchgesetzt hat , die Hauptfigur . Das hoffärtigste Selbstgefühl und der Vorgenuß des Triumphs über den glücklichen Erfolg seiner Vorschläge , den er als etwas Unfehlbares voraussetzt , ist in der ganzen Person , im Tragen des Kopfs , im Ausdruck des Gesichts , und in der ganzen Haltung und Gebärdung des stolz einherschreitenden Projectmachers auf die sprechendste Weise bezeichnet . In den Gesichtern und Stellungen seiner ihn umgebenden Anhänger zeigt sich , in verschiedenen Schattirungen , Leichtsinn , Selbstgefälligkeit , Kühnheit und herausfordernder Trotz . Es ist als ob sie sagen wollten : » Das kann nicht fehlen ! Arme Schelme ! wir wollen bald mit euch fertig seyn ! Wer kann den Athenern widerstehen ? Was wäre Männern wie wir unmöglich ? « Gleichwohl bemerkt man hinter jenen ein Paar Achselzucker , die dem Unternehmen einen unglücklichen Ausgang zu weissagen scheinen ; ein dritter hängt den Kopf so melancholisch als ob schon alles verloren sey ; ein vierter scheint mit einem schwärmerischen Beförderer des Projects in einem lebhaften Wortwechsel begriffen zu seyn . Die zweite Gruppe drängt sich um den Schatzmeister der Republik , der seine Freude über die Gefälligkeit , womit ihm das Volk seine Rechnungen passiren ließ , unter einer sorgenvollen Finanzministermiene zu verbergen sucht . Ein Schwarm lockerer Brüder , im vollständigen Costume ausgemachter Kinäden und Parasiten , schlendern neben und hinter ihm her , und scheinen , in fröhlichem Gefühl , daß es weder ihnen selbst noch der Republik jemals fehlen könne , einen großen Schmaus auf den Abend zu verabreden . Ein anderer , der sich durch die schlaueste Schelmenphysiognomie auszeichnet , und etliche hungrige zu allem bereitwillige Gesellen hinter sich her schleichen hat , nähert sich dem Ohr des Ministers , und scheint ihn durch Darbietung der halb offnen Hand der versprochnen Erkenntlichkeit für den geleisteten Dienst erinnern zu wollen . Aber auf der Seite sieht man ein paar ältliche heliastische Figuren , mit bedenklichen Gesichtern , deren einer dem andern die Fehler in der abgelegten Rechnung vorzuzählen scheint , während ein dritter allein stehender , den sein schäbiger Kittel und ein Gesicht , das einer mit Zahlen beschriebenen Rechentafel gleicht , für das was er ist ankündigt , auf einem Stückchen Schiefer nachrechnet , und durch die Miene , womit er seitwärts nach dem Schatzmeister schielt , den nahen Staatsbankrott weissagt . Die dritte Gruppe begleitet den verurtheilten Feldherrn nach dem Gefängniß . Einige , die ihn zunächst umgeben , drücken in verschiedenen Graden Theilnehmung , Schmerz und Mitleiden aus ; während er selbst seinem Schicksal mit großherziger Entschlossenheit entgegen geht . In einiger Entfernung sieht man einen Haufen Sykophanten und falsche Zeugen hinter etlichen Männern von Bedeutung , die sich durch ihre boshafte Freude über den gelungenen Streich als die Feinde des verurtheilten Feldherrn ankündigen