daß ich mehre Jahre lang in meinem Incognito verharrte und die glücklichsten Eroberungen machte . Mein Spiel am grünen Tisch war ehrlich , Alles , Alles an mir war damals ehrlich , kühn , unternehmend , nur mein Name war eine Lüge . In derselben Residenz , wo wir uns kennen lernten , junger Freund , setzt ' ich das Glück fort , das ich in den Bädern bei den Frauen gemacht hatte . Ich war kein gewöhnlicher Stutzer . Gerade weil ich mir mein Leben selbst bestimmte , wandte ich allen Fleiß auf die Möglichkeit , es auch geistig behaupten zu können . Ich las sogar , nahm Unterricht in allen Wissensfächern und bildete mich mit Leidenschaft für Jemand aus , der ich nicht war . Bildung zu erwerben , mein lieber Freund , soll eine Religion , ein Cultus sein . Ich trieb diesen Cultus . Kann es aber etwas Blasphemischeres geben als die Entweihung , die ich mit den Wissenschaften trieb ? Ich lernte , ja lief in öffentliche Vorlesungen , ich brachte die Nächte mit Lectüre zu . Aber nicht etwa um der Bildung selbst willen , sondern um eine Lüge möglich zu machen , eine Verstellung durchzuführen , den falschen Namen , die erlogene Existenz eines Barons Grimm . Ich las , nicht um zu wissen , was ein Autor wollte , sondern um sagen zu können , daß ich Das kannte , was Andre der Sache selbst wegen lasen . Aus Ehrgeiz füllte ich mich mit Thatsachen , die ich nicht um ihrer selbst willen liebte . Dies ist jene Bildung , mein Freund , die uns niemals Segen bringt . Ein einziges Buch , tief aufgenommen , dem Verfasser nachgefühlt und nachgelebt , stiftet in unsrer Brust größre Umwälzungen als ganze Bibliotheken , die man nur aus Eitelkeit und ohne sittlichen Halt durchliest . Mein Glück bei den Frauen war nicht gering . Besonders gelang es mir , das Interesse einer Dame zu gewinnen , die ... Hören Sie nicht Geräusch ? unterbrach sich Murray . Die Thür ging draußen ... Man horchte . Es war die alte Brigitte , die sich meldete , ob sie das Theegeschirr wegnehmen dürfe . Laßt Das nur , Mütterchen ! sagte Louis . Wann geht Ihr zu Bett ? Gewiß fallen Euch schon die Augen zu . Sorgt Euch nicht um diese Gegenstände ! Das Feuer brennt . Holz ist da . Habt gute Nacht und wünscht nur , daß wir morgen besseres Wetter haben . Die Alte schlief schon halb zu all ' diesen Ermunterungen , antwortete nichts und ging staunend über Gäste , die sich selbst bedienten . Louis rief ihr noch nach , daß man , wenn es so fortführe zu regnen und zu stürmen , morgen für ein Wägelchen sorgen möchte . Er würde Vormittags in den Ullagrund fahren , zum Herrn Ackermann . Die Alte rieb sich die Augen , raffte sich auf und wandte sich mit den Worten : Daß ich ' s fast vergessen habe ! Herr Oleander fährt nach dem Ullagrund . Jeden Morgen um elf Uhr . Wollen Sie nicht mit ihm ? Wer ist Herr Oleander ? fragte Louis doppelt interessirt . Der Name Oleander fiel ihm auf , wie kürzlich der der Jagellona . Der Herr Pfarrverweser , der unten bei der Frau Pfarrerin wohnt , erklärte Brigitte ... Nun wohl , sagte Louis träumerisch , so bittet Herrn Oleander in meinem Namen , das er mich mit sich nimmt , wenn er in den Ullagrund fährt . Oleander ! setzte er dann wieder leise hinzu ... Herr Oleander gibt dem Fräulein im Ullagrunde Lektionen ! sagte die Alte . Schön ! Und damit waren die beiden schnell sich vertrauenden Freunde wieder allein . Sie werden Ackermann morgen sehen ... sagte Murray . Begleiten Sie mich ! Unmöglich ! Wie bin ich eingeengt ! seufzte Murray . Wie sehr bedarf ich eines Freundes , der meine letzten Pflichten mir erleichtert und mich dann allein zu Grabe geleitet , sowie ich jenes Mädchen ! Nicht so , Papa ! sagte Louis . Keine Trauer ! Die Erzählung erleichtert Ihren Kummer ! Fahren Sie fort , wenn ich Ihres Vertrauens würdig bin ! Die vornehme Dame also ... Murray drückte Louis die Hand und fuhr fort : Ich lebte in der großen Welt und verstand mich trefflich auf ihren Ton . Ehrgeiz und Liebe sind die beiden Haupthebel aller Rührigkeit in dieser Sphäre . Ich lernte Verhältnisse von unglaublicher Zerrüttung kennen und verstand mich vortrefflich auf die Philosophie , mit der Untreue und Leichtsinn sich hier zu entschuldigen wissen . Eine Dame , die ich nie nennen werde , lernt ' ich kennen . Sie fand an meiner Persönlichkeit Gefallen . Sie war nicht mehr jung , niemals schön . Sie hatte ein Verhältniß mit einem Rechtsgelehrten , einer , wie ich für bestimmt weiß , sehr energischen Persönlichkeit gehabt . Dieser war ihr untreu geworden aus Gründen , die ich wohl begreifen kann . Sie gehörte zu den Frauen , die früh alle Bande der gewohnten Ordnung abgeworfen und sich ihr Leben selbst zu bestimmen gesucht hatten . Sie reiste als junge Witwe für sich , sie nahm das Leben umsomehr nach ihrer bequemsten Art , als sich eine zerfallene Stimmung ihrer bemächtigt hatte über ein Körperleiden , das mehr auf Einbildung , als in der Wirklichkeit beruhte . Jener Freund hatte lange in ihrer Nähe geduldet und jenes elende Joch der Abhängigkeit von einem Wesen , dem die ächte Weiblichkeit fehlte , mit sich hingeschleppt . Da lernte er in einem Badeorte eine sehr unglückliche Frau kennen , die Freundin seiner Geliebten . Sie war jünger , lieblicher , reizender , duldender , weiblicher . Was man von ihr weiß , was sie selbst an Spuren ihres Daseins hinterlassen hat ... Murray blickte sich um und schüttelte den Kopf , wie über etwas Wunderbares , das ihn freilich diese Erinnerung an Amanda bedünken mußte ,