zu ihrem Verderben zu drängen . Sie tut mir furchtbar leid . – Ich seh ' es jetzt deutlich , sie liebt den König trotz all ihres Leugnens ; sie kann nicht mehr von ihm lassen und ist , was auch geschehen mag , nicht mehr von ihm loszureißen . Es grämt mich schrecklich . – Heute kam er en surprise zum Essen . Er verfolgt seinen Zweck ohne Rast und Ruh . – Ich fürchte den Einfluß dieser ewigen Gespräche des Königs mit ihr , er will und will sie bestricken und immer setzt er sich an ihren Tisch . Das mißfällt mir ganz unbeschreiblich von ihm . – Meine arme Nichte hat mir ihr Herz ausgeschüttet ; ach , ich fürchte , es ist eine unaufhaltsame Sache . – Der König geht heute nach Potsdam . Er kam vorher zu uns und war unruhig , weil er Julie nicht zu sehen bekam . Er liebt sie toller und leidenschaftlicher als je . Dezember 86. Nach Tisch sprach der König lange mit meiner Nichte ; ach , ich fürchte , es nimmt ein trauriges Ende für sie und für die Ehre der Familie . – Ich hab ' es immer und immer gesagt : man hätte sie nicht bei Hofe lassen sollen . – Der König kompromittiert sich aufs höchste . Um seiner selbst willen möcht ' ich , er könnt ' ein Mann sein und sich besinnen . – Wie immer setzt der König sich beim Tee neben Julie ; könnte dies ewige Beisammensein doch abgewendet werden . – Mit dem König in der Kirche . Die Predigt von Spalding war so schön , so ganz wie für meine Nichte gemacht . Aber es scheint , sie will nichts mehr hören , was sie zur Pflicht zurückruft . Ich habe keinen Einfluß mehr auf sie . Die Kannenberg 20 läßt sie gewähren , die ihr am nächsten steht , und ich habe leider nicht das Recht und die Macht einzugreifen . – Julie scheint sehr traurig ; ihr Bruder ist angekommen und hat wohl noch einen letzten Versuch gemacht , ihr ins Gewissen zu reden . – Der König scheint nur glücklich zu sein , wenn er sie sieht . Wo sie ist , sieht er niemand als sie , spricht nur mit ihr und hat nichts anderes mehr im Kopf als seine Leidenschaft . Ich sehe die Sache dem schlimmsten Ende mit Gewalt zugehen , muß dabei stehen und kann sie nicht aufhalten . – Auch die Prinzessin Friederike scheint jetzt das nahende Unglück zu ahnen und ist sehr traurig . Sie ist jetzt zwanzig Jahr alt und steht dem Vater am nächsten . Sie fühlt ganz wie seine und unsre Ehre bedroht ist . – Der König klagte mir , meine Nichte behandle ihn schlecht ; er sei fast mit ihr brouilliert ; aber dennoch spricht er leider immerfort mit ihr . – Er saß allein mit ihr im Kabinett der alten Königin ; sie scheint in Wahrheit nicht mehr sehr grausam zu sein ; das empört mich und Gott allein weiß , wie unglücklich und trostlos ich über diese Sache bin . – Sack predigte heute schön , aber schwermütig . Die Sache mit Julie , und die Wendung , die sie nimmt , zehrt an ihm . – Heut war Hofkonzert . Der König verließ das Konzert , um zur kranken Prinzessin zu gehen , weil meine Nichte dort war . Die Leidenschaft läßt ihn alles andere vergessen und jede Rücksicht verlieren . – Das Benehmen des Königs ist unverzeihlich . Immer verfolgt er sie mit den Augen und spricht nur mit ihr . Es wäre besser , sie verließe auch jetzt noch den Hof . – Gott weiß , bis zu welchem Grade es mich bekümmert und grämt , den König auf dem direkten Wege zu einem so großen Unrecht zu sehn , zu einem Unrecht , das unsere Familie überdem so entehrt . – Heute kam nun endlich , was ich lange gefürchtet hatte : meine Nichte warf sich in meine Arme , um mir zu sagen , daß ihr Schicksal entschieden sei ; sie wolle dem König angehören , aus Pflicht für ihn und aus Liebe zu ihm . Ich gesteh ' , ich finde sie so furchtbar zu beklagen , daß ich kein Wort mehr habe , sie zu verdammen ; sie wird bald genug namenlos unglücklich sein , denn ihr Gewissen wird sie nie mehr Ruh und Frieden finden lassen . « So zogen sich die Dinge noch eine Weile hin . In den Tagebuchblättern immer dieselben Klagen . Eine Zeitlang spielte der König den Gleichgültigen , oder war es wirklich , und ein Eifersuchtsgefühl , das dadurch in des Fräuleins Seele geweckt wurde , beschleunigte den Liebesroman . Sie zeigte sich von dieser Zeit an weniger ablehnend und drang nur noch auf Erfüllung einzelner Bedingungen . Diese Bedingungen waren : die regierende Königin gibt ihre schriftliche Einwilligung zu der Verbindung ; zweitens Antrauung zur linken Hand , und drittens die Rietz samt ihren Kindern verläßt Berlin für immer . In die beiden ersten Punkte willigte der König sofort , aber den dritten Punkt wollt ' er nicht zugestehn . Die Rietz blieb . Am 25. oder 26. Mai 1787 erfolgte die Trauung zur linken Hand und wurde wahrscheinlich durch Johann Friedrich Zöllner , damals Diakonus an St. Marien , in der Charlottenburger Schloßkapelle vollzogen . 21 1787 Juni 87. Meine Nichte sagte mir heute unter Tränen , seit acht Tagen sei sie mit dem Könige heimlich getraut , bat mich aber , es zu verschweigen . Es betrübt mich tief und ich kann mich mit dem besten Willen eines Gefühls von Abscheu und Widerwillen gegen eine Sache nicht erwehren , die so unerlaubt ist , man mag an Scheingründen dafür angeben , was man will . Ihr Gewissen wird es ihr schon genugsam sagen und wird nicht wieder ruhig werden . – Sie hat lange widerstanden , aber