allen möglichen Nationalgerichten der classischen Küche Oesterreichs ... So war auch das Gewirr , in das Benno von Asselyn eingetreten ... So übertäubt - im Spätherbst , beim Blätterfall und häufigen , noch warmen Regenschauern schon an die bevorstehenden Freuden des Winters erinnert - irrt er durch die Straßen Wiens - verfolgt von bunten Anschlagzetteln , Aufforderungen zu Lust und Freude ... Eben sehen wir ihn in die stolze Herrengasse treten ... Fußgänger umdrängen ihn , Wagen rollen , Rosse sprengen dahin ... Nur immer Achtung ! Ausweichen ! Ausweichen ! ... Auch den von den Regenschirmen niedergießenden Fluten ... Einige Minuten verlieren wir den trotz seiner Aufregung bleichen jungen Mann mit seinem regenfeuchten , schwarzen Bärtchen , im triefenden , neuerfundenen Macintosh , vor Wirrwarr um sich her und in sich selbst - ohne Regenschirm ! - ... Aber bald tritt er aus einem hohen , mit Karyatiden geschmückten vornehmen Palast wieder hervor ... Er sinnt : Wohin ? ... Auf die Schottenbastei hinaus zur Linken ? ... Auf die Freyung zu meinem guten Chorherrn hinüber , bei dem ich wohne ? ... Zu den Zickeles , an die du empfohlen und für jeden Abend geladen bist ? ... Oder noch in irgendein Theater ? ... Das Burgtheater soll ja - in der Nähe sein ... Da ruft ihn der Portier zurück ... Verzeihen ' s ! ... Den Dreimaster lüftend , fragt er : Waren ' s Herr Baron von Asselyn ? ... Mein Name ! ... Benno von Asselyn war schon zweimal unter dem hohen Portal des gräflich Salem-Camphausen ' schen Palais gewesen , hatte , schon zweimal mit dem Hüter des Eingangs über die Nichtanwesenheit des Grafen gesprochen ... Diese Leute haben nur ein Gedächtniß für empfangene Trinkgelder ... Ein Brief für Euer Gnaden vom Herrn Grafen Erlaucht sollte eben zum Herrn Baron hinübergetragen werden ! ... Der Brief lag auf dem Sims des kleinen Guckfensterchens der Portierstube ... Benno nahm ihn an sich ... In der Auffahrt des Palais brannte hochoben eine etwas düstere Lampe ... Der Portier deutete auf sein Stübchen und ein dort befindliches Licht , das zwar auch keine Millykerze war , aber es reichte hin für die kurze Lectüre ... Eine Secunde und Benno hatte gelesen , daß ihn Graf Hugo aufs dringendste morgen zum Frühstück auf seinem Schlosse Salem erwartete ... Der Portier sah dem schlanken jungen Manne jetzt voll Spannung nach und ahnte und vermuthete etwas ... Die Bedienung eines großen Hauses hat ein scharfes Auge für die innern Angelegenheiten ihrer Herrschaft ... Hängt Der mit unser Aller Schicksal zusammen ? mochte er denken und sah lange hinter ihm her , sah , wie der junge Mann davonschoß und so in Gedanken , daß er immer noch nichts vom Regen zu merken schien ... Benno hatte sich rechts gewandt , ging , auf die morgende kleine Reise gespannt , und fühlte nun doch wol an seinem Hut und den Stiefeln , daß es Zeit war irgendwo unterzutreten ... Er stand am Burgthor ... Da las er an einer vom Thor geschützten Wand : » K.K. Hofburgtheater . « » Hamlet , Prinz von Dänemark . « Er trat in das nahe kaiserliche Theater ... Ein labyrinthisches , von kleinen Winkelgängen durchkreuztes Gebäude nahm ihn auf ... Schwer fand er sich zurecht bis zur » Kassa « ... Noch war diese offen , aber kein Billet mehr zu haben ... In Oesterreich gewöhnt man sich - mit Unrecht - nur an diejenigen Unmöglichkeiten zu glauben , die sich auch dem Klang des Silbers gegenüber nicht wegräumen lassen ... Benno ' s Zweifel fanden kein Gehör . Er verließ ohne Billet die » Kassa « und verwickelte sich in den Gängen ... Ein gefälliger Herr , der sich verspätet zu haben schien und hinter ihm herging , wies ihn zurecht ... Der Ausgänge schien es mehrere zu geben ... Der freundliche Herr ließ es sogar geschehen , daß Benno in eine Wachtstube gerieth , die ganz den bekannten Kasernenduft hatte ... Grenadiere spielten hier Karten und dennoch huschten Damen in eleganten Kleidern hindurch , ja Benno stand sogar plötzlich zweien Gestalten gegenüber , die jedenfalls zu dem Gefolge des Königs Claudius von Dänemark auf der Bühne gehörten ... Der fremde Herr sah Benno ' s Erstaunen und sagte zu ihm lächelnd : Ei , Sie sind fremd , mein Herr ? ... Schon zog er die Dose gegen den Wachtstubengeruch ... Nicht wahr , das erinnert Sie an eine Dorfkomödie ? fuhr er fort . Aber es thut mir leid , daß Sie vielleicht mit diesem Eindruck weiter reisen ! Sie haben kein Billet bekommen ... Wenn ich Ihnen einen Platz in meiner Loge - Bitte ... In allem Ernst ... Meine Loge liegt zwar nur im dritten Stock ... Despectirlich ist das aber keineswegs , lieber Herr ! ... Ohne Spaß ... ich mache mir sehr ein Vergnügen daraus ... Kommen Sie nur ! ... Das gemüthliche Air des feinen Herrn war so einnehmend , daß Benno in der That nach einigem Zögern , aber auch fernerem Zureden folgte ... Ich gehe voran ! sagte sein Führer und plauderte im Gehen : Nicht wahr , Sie denken hier an eine mögliche Feuersbrunst ? ... Er deutete auf die Enge der Logentreppen ... Man ging in die Stockwerke hinauf , wie auf einer Wendeltreppe zu einen : Thurm . Im seltsamen Contrast zu dieser Aermlichkeit standen die reichgallonirten Diener mit ihren Servirbrettern , auf denen sie » Gfrornes « trugen ... Benno entschuldigte sich unausgesetzt über seine Dreistigkeit und schüttelte seinen Hut und seinen Macintosh ... Im Gegentheil ! erwiderte sein freundlicher Protector und ordnete inzwischen gleichfalls seine Toilette und mit einen : Kämmchen sein weißes , krauses Haar ... Die Dreistigkeit ist auf meiner Seite ... Sehen Sie nur , jetzt muß ich Sie auf meine beiden Plätze sogar durchs Paradies führen ... Aber zur Linken haben wir dennoch einen kaiserlichen Hofrath und zur Rechten einen Millionär von der haute