der Restauration , wo eine ältere Marketenderin , deren sich mehrere des Regiments dem jungen Mädchen willig angeschlossen und untergeordnet hatten , die Aufsicht führte . Zwei Zuaven verwertheten hier die Früchte ihrer culinarischen Jugenderziehung , der sie entlaufen , zum Besten des Allgemeinen , indem sie von den Erträgen des merkwürdigen , freilich äußerst nahe an Spitzbüberei gränzenden Fouragirtalents und den eigenen Vorräthen der Cantine eine Speisekarte à la Véfour zurichteten . Die kokette Marketendertracht in den Farben des Regiments , blau , roth und grün , stand dem Mädchen allerliebst , wie sie so zierlich zwischen den Tischen umher eilte und dabei doch Zeit behielt , ihre liebevolle Aufmerksamkeit zwei Personen besonders zu widmen , zwischen denen sich ihr Herz zu theilen schien . Die Eine war ein kräftiger , kühn ausschauender Corporal von etwa fünfundzwanzig Jahren , das männlich freie und hübsche Gesicht von langem , dunklem Bart umschattet , auf der Brust die Medaille , der mit mehreren Kameraden an einem Tisch außerhalb der Cantine saß und häufig , wenn er sich unbemerkt glaubte , einen finstern , halb spöttischen Blick nach dem improvisirten Comptoir und seiner schönen Inhaberin warf , die von einem Schwarm jüngerer und älterer Offiziere umgeben war , mit denen sie sich nachlässig unterhielt . Es war François Bourdon , der Bruder der kleinen Marketenderin . Die zweite Person , welche die besondere Fürsorge Nini ' s genoß , war der bleiche , geistesschwache Bursche , dessen merkwürdige Aehnlichkeit mit dem jungen russischen Fürsten schon so vielen Personen aufgefallen war . Still und theilnahmlos schlich er zwischen den Gästen umher , von denen die meisten mit ihm bekannt schienen , und verrichtete eben so Alles , was ihm geheißen ward . Sein leerer Blick belebte sich nicht einmal , wenn Nini ihm einige freundliche Worte sagte , oder ihm aufmunternd die hohle Wange klopfte , eine Liebkosung , die mehr als Einer mit neidischem Auge sah und für die mancher Tapfere willig zum Sturm auf eine russische Redoute marschirt wäre . Nur ein Mal , als Nini am Comptoir Celesten ' s stehen blieb , mit dieser einige Worte wechselte und der todte Blick des Burschen von François auf die Gruppe der beiden Frauen schweifte , überzog ein flüchtiger Blitz von Gedanken das hagere junge Gesicht ; er rieb die Stirn mit der Hand und starrte wie emsig eine Erinnerung suchend in ' s Leere . Wenige Augenblicke darauf schien jedoch die erregte Gedankenfolge wieder unterbrochen und er verrichtete theilnahmlos nach wie vor die Geschäfte der Bedienung , wobei er manchmal auf einige Zeit in einen der hintern Räume der Cantine verschwand . Die Gruppe an dem Tisch , an dem François saß , bestand aus dem Sergeant-Major , der mit dem jungen Kameraden an der Alma und bei Inkerman die Wagnisse ausgeführt , den Aermel seiner Jacke mit Galons bedeckt und Mamsell Minette , die erste Kletterin des Bataillons , neben sich , - aus einigen andern Soldaten der Compagnie , zwei Voltigeurs vom 20. Regiment und einem algierischen Scharfschützen . Die Unterhaltung war äußerst lebhaft und drehte sich theils um die Tagesereignisse des Feldes , theils um die innern Angelegenheiten von Küche und Theater . » Paßt auf , Kinder , « sagte der Sergeant-Major , » es giebt morgen einen Tanz , wenn auch die Generäle noch geheim thun und die Köpfe zusammenstecken . Man hat nicht umsonst seit drei Tagen Kugeln gefahren und die armen Kerle , die Türken , wie Maulthiere in den Magazinen arbeiten lassen . Da , Bursche , « fuhr er fort , indem er einem langsam vorüberschreitenden Araber das Glas hinreichte , » trink ' einmal , es ist ächter Wermuth , von Deinen eigenen Bergen gepflückt , die doch Nichts weiter hervorbringen , als das bittere Kraut und das Gewürm , die Kabylen . « Der Angeredete war ein junger , schöner Araber , offenbar einer der Führer , und wer ihm näher in ' s stolze , finstre Auge geschaut , hätte in ihm unmöglich Abdallah ben Zarugah , den Emir der tapfern Reiter der Hedja ' s , verkannt . Er hüllte sich , mit verächtlicher Geberde den Trank zurückweisend , in seine weiten , weißen Gewänder und schritt weiter , dem Eingang der Cantine zu . » Peste ! Verschmäht der Schuft von einem Koranfresser , mit einem Feldwebel der dritten Zuaven zu trinken ? Ich will ihn - « er griff nach seiner Katze , um das Thierchen verächtlich auf den Mahomedauer zu schleudern , doch François hielt ihm den Arm fest . » Ruhe , Papa Fabrice ! es ist der Aga , der den Griechen-Offizier im vorigen Monat verwundet und gefangen , und der alle Tage kommt , um nach ihm zu schauen . Laß ihn gehen - Du weißt , daß der Kommandant jede Beleidigung ahnden würde . « » Maudit soit le butoir ! ich will wegen eines Spitzbuben von Beduinen nicht im Loch stecken , wenn vielleicht ein Gefecht vor der Thür steht . Komm ' her , Minette , sei ruhig , mein Thierchen , und beiße Dich nicht mit dem gelben Burschen da , die Messieurs Beafsteaks werden Dir Revange geben und heute seine Kameraden hetzen . « Minette , die Katze , war nämlich mit dem berühmten Hund des 20. Linien-Regiments , der stets vor der Tête hermarschirte und den die Voltigeurs auf das Apportiren der Kugeln , ja selbst von Bombenzündern abgerichtet hatten , in argen Streit gerathen , und rasch , mit der leichtsinnigen Theilnahme des französischen Charakters für alle Intermezzo ' s , bildete sich ein Kreis um die beiden Gegner . Ein Fußtritt des Voltigeurs jedoch , welcher den Hund mitgebracht , stellte den Frieden wieder her . - » Sandioux2 ! « wetterte der Gascogner , » will sich das Vieh mit einander zanken , während die Russen dazu vom lieben Herrgott ganz expreß erschaffen sind ! - Nichts da - hierher , Groscanon -