Ihr nunmehro nicht zugestehen , daß Ihr mir Unrecht getan und meine Ehre ohne Grund gekränket habt ? « worauf Truchseß erwiderte : » Ich hab Euch Unrecht getan und bitte , daß Ihr mir vergeben wollt . « Man nahm den Truchseß aus dem Sattel und legte ihn auf den Rasen . Der Oberstallmeister kniete an seiner Seite nieder und sprach dem Sterbenden aus Gottes Wort christlichen Trost zu , bis er verschied . Wir verlassen nun die Gruft und treten in die Kirche . Sie zeigt sich geräumig , lichtvoll und von einer Einfachheit , die nach der Überladenheit der Fassaden angenehm überrascht . Es fehlt aller vergoldete Zierat , aber das Eichenschnitzwerk an Kanzel und Altar ersetzt ihn mehr als genügend . In der Mitte wölbt sich die Kuppel und nur der Bilderschmuck , den man an dieser Stelle wenigstens versucht hat , hebt die gute Totalwirkung der inneren Kirche zum Teil wieder auf . Ein Moses mit den zwei Sinaitafeln auf seinen Knien und eine büßende Magdalena , die den Fuß auf Drachen und Totenkopf setzt , sind Leistungen , die auf eine wenig ruhmreiche Stufe vaterländischer Kunst zurückweisen . Der Ostflügel bildet einen » hohen Chor « . Altar und Kanzel trennen ihn von dem Hauptteile der Kirche völlig ab und nur zwei Treppen zur Rechten und Linken unterhalten die nötige Verbindung . Es scheint , daß es Absicht des Baumeisters war , hier Raum für ein Campo Santo , für eine marmorne Gedächtnishalle zu schaffen , eine Vermutung , die dadurch bestätigt wird , daß sich die bereits beschriebene Gruft gerad ' unter diesem Teile der Kirche befindet . Den Intentionen des Baumeisters ist aber nur einmal entsprochen worden . Ein einziges , allerdings sehr reiches und prächtiges Grabmonument erhebt sich an dieser Stelle : das von Glume herrührende Marmordenkmal des Ministers von Viereck . Zieht man den Geschmack jener Zeit in Erwägung , der in dem Hange nach geistreicher Symbolik vielleicht etwas zu weit ging , so muß man zugestehen , daß es eine ganz vortreffliche Arbeit ist . Die Gestalten , aus denen sich das Ganze zusammensetzt , sind folgende : der Tod mit der Sichel und ein Engel mit dem Palmzweig , wozu sich dann , von der andern Seite her , eine weibliche Figur mit einer weit geöffneten Leuchte gesellt , unzweifelhaft um das » Licht der Aufklärung « anzudeuten , das wenigstens zu der Zeit , als das Denkmal angefertigt ward – etwa ein Jahrzehnt nach dem Tode von Vierecks – als unerläßliches Requisit eines preußischen Kultusministers angesehen wurde . Die Büste des Ministers krönt das Ganze ; darunter sein und seiner beiden Frauen Wappen , und unter diesen wiederum eine lateinische Inschrift in Goldbuchstaben , die , wie sich denken läßt , nur bei den Verdiensten des illustren Mannes verweilt und keinen Nachklang enthält von jener Reprimande König Friedrich Wilhelms I. , die da lautete : » Geheimer Rath von Viereck soll sich meritiret machen , nicht zu viel à l ' Hombre spielen , diligent und prompt in seiner Arbeit sein , nicht so langsam und faul , wie er bisher gewesen . « Der Unterschied zwischen preußischen Kabinettsorders und Grabschriften war immer groß . * Noch eine Stelle bleibt , an die wir heran zu treten haben . Unter der Kuppel , inmitten der Kirche , bemerken wir eine Vertiefung , als seien hier die Ziegel , womit der Fußboden gepflastert ist , zu einem bestimmten Zweck herausgenommen und später wieder eingemauert worden . Es wirkt , als habe die Absicht bestanden , einen Grabstein in diese Vertiefung einzulegen . Und in der Tat wir stehen hier an einer Gruft . An eben dieser Stelle wurde die schöne Julie von Voß , bekannt unter dem Namen der Gräfin Ingenheim , beigesetzt . Eine Darstellung ihres Lebens oder doch wenigstens ihrer Beziehungen zu König Friedrich Wilhelm II. ermöglicht sich seit 1876 , seit welchem Jahre die Tagebuchblätter vorliegen , die durch die Gräfin von Voß , Oberhofmeisterin am preußischen Hof und Tante Juliens , während eines Zeitraums von beinah siebzig Jahren , von 1745 bis 1814 niedergeschrieben wurden . Julie von Voß Julie von Voß Julie von Voß , Tochter des Geheimen Justizrats und ehemaligen Gesandten am K. dänischen Hofe , Friedrich Christoph Hieronymus von Voß , Herrn auf Buch , Carow usw. , wurde den 24. Juli 1766 zu Buch geboren . 18 Über ihre Jugend und Erziehung verlautet nichts und wir hören erst von ihr , als sie 1783 auf den Wunsch der alten Königin Elisabeth Christine , Gemahlin Friedrichs des Großen , an den Schönhauser Hof eben dieser alten Königin kam . Julie v. Voß war eine Schönheit im Genre Tizians , schlank und voll zugleich , von schönen Formen und feinen Zügen , blendend , aber von einer marmorähnlichen Blässe , die noch durch ein überaus reiches rötlich blondes Haar gehoben wurde . Bei Hofe hatte sie den Beinamen Ceres , sehr wahrscheinlich um dieses üppigen goldenen Haares willen , in dessen Schmuck auch die Bilder 19 sie darstellen , die noch von ihr erhalten sind . Es paßte zu dieser ihrer Erscheinung , daß sie eine Vorliebe für alles Englische und eine Abneigung gegen alles Französische hatte , was ihr denn auch seitens der französischen Memoirenschriftsteller jener Epoche , Mirabeau an der Spitze , nachgetragen wurde . Der ihr oft gemachte Vorwurf der » Anglomanie « traf sie jedoch durchaus nicht ; sie vermied es nur nach Möglichkeit , sich der damals allgemein üblichen französischen Sprache zu bedienen . Der Prinz von Preußen , später König Friedrich Wilhelm II. , zeigte sich allem Anscheine nach gleich vom ersten Augenblick an enchantiert , denn schon wenige Monate nach dem Erscheinen Juliens am Hofe begegnen wir im Tagebuch ihrer Tante den folgenden Aufzeichnungen . 1784 und 1785 » Julie gefällt dem Prinzen mehr als mir lieb ist . Er spricht viel von ihr . Ich fürchte , sie ist nicht unempfindlich für seine Bewunderung