zurückhaltend spricht man von diesem seltsamen Vorfall ; doch scheint die Nachricht - unwiderleglich zu sein ... Es gibt eine magische Lichtwirkung , die plötzlich die blühendsten , lebensfrischesten Physiognomieen in Larven verwandelt ... So die Wirkung dieser Mittheilung ... Was mußte man von Terschka ' s Metamorphose , was von seiner Verbindung mit den Camphausens in Wien , was von seinem Leben hier auf dem Schlosse denken ? ... Monika , die den Beziehungen Terschka ' s zur Familie des Grafen Hugo so nahe stand , konnte sich kaum im Sitzen erhalten ... Ihre Lippen bebten ; ihr Auge rollte ; ihre Brust hob sich ; sie hatte einen - Fluch auf der Zunge ... Das sahen alle ... Ihr Gatte betrachtete sie mit gleicher Empfindung und maß den Antheil , den er aus ihren Beziehungen zur Mutter des Grafen Hugo vollkommen zu würdigen wußte ... Er verstand die Entrüstung aus gleicher Gesinnung ... Dennoch stammelte Monika : Fast glaub ' ich , man muß dem Manne nicht zu sehr zürnen ! ... Er war vielleicht mehr ein Opfer , als ein Werkzeug ! ... Mehr konnte sie nicht sagen ... Denn alles war erschreckt durch Armgart ... Diese stand wie wenn sie eine Geisterwelt um sich sähe ... Nicht daß sich ihr sofort das Räthsel des Briefs enthüllte , nicht daß sie sofort verstand , wie Terschka nur gerade diese Last der Seele hatte abschütteln , deshalb convertiren wollen ... sie sah nichts , als daß Terschka für die Mutter aufhörte ein Mann zu sein , aufhörte , verwirrend und bestrickend in Frauenseelen einzugreifen ... Ein Priester ! ... Erlöst von einer Last , die von ihrem Herzen fiel , stieß sie einen lauten Ton der Freude aus . Sie stürzte auf die Mutter zu ... Jetzt erst , jetzt sie wiedergewinnend , jetzt ganz an sie glaubend , nachholend , was sie an ihr versäumt hatte , lichtumflossen nach so langer dunkler Irrung , umarmte sie die Befremdete stürmisch , küßte ihre Stirn , ihre Lippen , ihre Hände , umfaßte ihren Leib und entfloh aus dem Zimmer ... Was ist dem Mädchen ? riefen alle - außer Bonaventura und Paula ... Monika verstand allmählich auch das beharrliche und auffallende Schweigen beider und sagte , sich in ihren Vorstellungen Licht suchend : Welch ein Wahn ? ... Sie sah purpurroth vor Bonaventura nieder und gedachte nun beschämt ihrer Beichte ... Die Tante kannte Terschka ' s Neigung für ihre Schwester . Aber ihrer Verlegenheit half die Nachwirkung des Schreckens über Terschka . Von allem Unangenehmen gleich zur Abwehr gestimmt , hatte sie das Bedürfniß des Polterns ... Sie ist eine Närrin ! ... rief sie Armgart nach ... Bald aber stockte auch ihre Rede - voll Grauen über die Verstellungskunst , deren Zeuge sie hier einen Winter über gewesen waren ... Der Onkel gab sich offener . Er verweilte mit unausgesetztem Erstaunen bei der Mittheilung des Domherrn und fand sie für die Enthüllung römischer Zustände außerordentlich ... Armgart ' s Platz blieb leer ... Man aß und suchte in zerstreuendem Gespräch Fassung zu gewinnen ... Was stören und die eben gewonnene Einheit trüben konnte , wurde vermieden ... Levinus rügte nichts am Bruder , die Tante nichts an ihrer Schwester ... Dafür behielten Ulrich und Monika für sich , was beide tiefschmerzlich von Rom , seinem Bau , seinem Bann über die Welt empfanden ... Bonaventura und Paula empfanden alles das nicht minder ... Dennoch erhielt Onkel Levinus scheinbar Recht , als er das Glas erhob und sprach : Der Mensch ist so glücklich , wenn er die erste Summe seiner Ersparnisse zurücklegen und sagen kann : Das haben wir denn nun - und das Uebrige findet sich ! ... Halten wir uns an das Glück , das wir sehen und - mit Händen schütteln ! ... Hoffen wir , daß im Schoos der Zukunft mehr , mehr , viel mehr zu unserer Freude verborgen liegen wird , als wir ahnen ! ... Darauf klangen auch alle an ... Die Tante lachte über das Levinus ' sche Bild von » zurückgelegten Ersparnissen « ... Plötzlich aber fiel allen Paula ' s Blick auf ... Paula hatte von den Speisen wenig nehmen mögen ... Ihre Erregung mehrte sich durch die Erwartung der Wiederkehr Armgart ' s ... Sie fragte nach ihr ... Schon seltsam leise erklang ihre Stimme ... Die Tante kannte diesen Ton und erhob sich ... Paula blickte starr auf die großen silbernen Gefäße , die beim Mahle benutzt wurden ... Die Tante rückte eine glänzende Vase zurück , in der sich Paula schon wie unbewußt spiegelte ... Das glänzende Metall übte seine Wirkung ... Paula begann mit Armgart zu sprechen , ohne daß diese im Zimmer war . Ende des fünften Buchs . Siebenter Band Sechstes Buch 1. Oesterreich und Wien ! ... Wer konnte sonst beide Namen neunen hören und vernahm nicht sofort Musik ! ... Und wenn dich auch jetzt noch mit Windesflügeln das Dampfroß in einem einzigen Tag von der Elbe an die Donau entführt , so grüßen den haltenden Zug mitten auf der Heide , mitten in der Nacht , zwei Stationen vor Ankunft in Wien , Clarinette und Geige ... Der Sturmwind fegt den Novemberregen an die Fenster ... Hinaus blickst du durch die beschlagenen Scheiben ... Nichts , als öde gespenstische Nacht vor deinem Auge - und doch empfängt dich Jubel und Lust ... Seltsames Bild ... Auf einen Stab gestützt , am Rand des Erdwalls , starrt ein Schäfer im zottigen Lammfell auf den haltenden Zug ... Ein Wanderhirt , der aus Ungarn kommt und weiter zieht mit seiner nächtlich rastenden Heerde ... Die österreichische Geschichte ... Einsame Nachtträume der Völker , still am Weg sich sehnend nach Erfüllung ... Unter lachender Lust und Freude ... Am Donaustrand - auch da wispert es ebenso - leise und leise - um die alten Ritterburgen ... Klagelaute um versunkene Banner und Kronen ... Was liegt nicht begraben im feuchten Schoose