nun war ' s verdeckt . Aus dem Todtenhause trugen sie den Sarg . Ich folgte allein und betete ein Vaterunser . Dann drei Handvoll Erde , die Spaten thaten das Übrige . Adieu ! Murray blickte nieder . Der Lebenslauf von Tausenden ! sagte Louis bewegt und sein Nachtmahl eine Weile leise zurückschiebend . Ein schönes Mädchen , arm , ohne Freunde , verführt , wahnsinnig ... wer sieht auf all ' die Opfer , die auf unsrem Lebenswege liegen ! Das Alles geht so still vor sich hinter Mauern und verschlossenen Thüren . Wer sucht das eigentliche Mysterium des Lebens auf den Kirchhöfen ! Sich aufraffend fuhr aber Murray fort : War es nicht gut , daß ich trauerte ? Franziska hätte sich sonst vor einem Manne entsetzt , der vor ihren Augen in ' s Gefängniß geführt wurde . Eine Thräne wirkt soviel ? Nein ! Nein ! sagte Louis . Ich hatte sie vorbereitet auf einen jener Philosophen , die die Weihe des Geistes nicht durch die Wissenschaft und ihr Studium , sondern durch das Leben empfangen haben ! Ich hatte ihr gesagt , daß Sie Gründe hätten , diese Umgebung des Schlosses Hohenberg zu besuchen und ein Geheimniß sogar an sie und ihren Namen Sie kette ... Ein Geheimniß , das ich ihr leider nicht auf unsrer Reise erzählen konnte , sagte Murray , aber Geheimnisse , die man nicht nennt , knüpfen gerade nicht aneinander . Ich sah es ihr an , daß sie frohlockte , hier endlich Sie wiederzusehen . Sie waren schneller gereist , als wir . Wie findet sie sich denn nun in dem Walde zurecht ? Louis erzählte . Der Förster , sagte er , rührte mich gestern , wie liebevoll er sie empfing . Er fuhr sie selbst in seine Wohnung , die nicht zu weit von uns entfernt ist . Dort angekommen , zeigt ' er ihr das Stübchen , das er ihr eingerichtet . Es ist so still und traurig hinauszusehen in den entlaubten Forst , aber so lebendig im Zimmer , als wär ' der Wald hier so lange einquartiert bis zum Frühjahr . Da singen Vögel in Käfigen , da stehen große Blumen in Töpfen , da hängen Hirschgeweihe an den Wänden und wenn es recht still ist und der Sturm einmal nachläßt , hört man die Thurmuhr von Plessen nach dem Jägerhause deutlich hinüberschlagen und das ist ja gerade , als sprächen wir miteinander so weit zusammen . Und Ursula Marzahn ? fragte Murray mit forschendem Blick . Liegt krank im Bett . Bedenklich ? Der Onkel gibt sie auf . Ich hörte sie ächzen in einer obern Kammer über Fränzchen . Ich wollte auf einen Arzt dringen . Da hilft nichts , sagte Heunisch . Sie hat ihre Kräuter , ihren Thee , den sie sich selbst bereitet . Sie studirte bei Doctor Lehmann , sagte er . Sie nimmt nichts und will nur Ruhe haben . Murray stand auf . Die Nachricht schien ihn zu ängstigen ... Was haben Sie ? Sie sind bewegt ? fragte Louis . Und wie ! Und wie ! rief Murray . Hängt doch diese Frau mit meinem Geheimniß zusammen , ohne daß ich mich ihr entdecken möchte ... Wenn sie aber stürbe ... Sie ist die Schwester des blinden Schmieds ... Ich weiß es , die Tante des Tauben ! Erwähnen Sie diese Menschen nicht wieder ! Die Zeit ist noch nicht günstig , um mich in das Andenken dieser beiden Geschwister zurückzurufen . Ich verhehle Ihnen nicht , sagte Louis , daß der Ruf dieser Geschwister kein guter ist . Franziska hat mir anvertraut , daß sie vor Ursula Marzahn Grauen empfände und dem blinden Schmied weicht Jeder aus ... Murray schwieg nachdenklich . Neuerdings haben sie , fuhr Louis fort , aus Amerika eine Erbschaft empfangen von einem dort verstorbenen Bruder ... Haben sie ? sagte Murray lebhaft ... Und sonderbar , der diese Erbschaft überbrachte , erzählte mir der Förster , ist jener Ackermann , der nun diese Besitzungen Egon ' s in Pacht genommen und über dessen Anstalten ich die Urtheile einziehen soll ... Wer ? sagte Murray und blieb erstarrt stehen . Wer brachte das Geld ? fragte er dringender . Der jetzige Generalpächter drüben ... Ackermann ! Ich selbst überbrachte ihm Egon ' s Genehmigung zu seinem Anerbieten , kurz ehe des Fürsten Krankheit in ein gefährliches Stadium überschlug ... Ackermann ! Ackermann ! wiederholte Murray . Befremdet Sie dieser Name ? fragte Louis . Ich kenne ihn nicht , sagte Murray , und dennoch erfahre ich nun von Ihnen Dinge , die mich bestimmen , hier wie ein Einsiedler zu leben . Ich komme auf Das , mein Freund , was ich Ihnen vor acht Tagen sagte , zurück . Ich nannte mich damals einen Schatten , der über die Erde , in der er einst als Mensch lebte , fehlte und büßte , noch einmal hinstreift und keine Ansprüche mehr auf eigenes Glück , ja nicht einmal mehr auf das Glück der richtigen Beurtheilung macht . Ich gestand Ihnen , daß ich einst der sittlichen Welt entrückt war , durch den Drang des Ehrgeizes entrückt , von Liebe geblendet . Das Verbrechen , das ich beging , soll ich es Ihnen nennen ? Nein , nein , sagte Louis . Schließen Sie in Ihr Herz ein , was Sie gebüßt haben ! Sie sind ein Weiser , den ich hoch verehre . Ich will nicht wissen , wie Sie es geworden sind . Wissen Sie wol , sagte Murray , daß das Bedürfniß der Beichte ein tiefes Mysterium ist ? Ich bin Katholik ! antwortete Louis . Das sagt Alles ! Es ist eine der festesten Stützen des alten römischen Glaubens . Es ist eine Stütze , die sich auf die menschliche Natur gründet . Das Geheimniß der Beichte ist die Zauberformel , die den Laien an den Priester bindet , die Bürgschaft einer über alle menschlichen Umgangsformen