der katholischen Kirche anzugreifen ... Paula bildete auch jetzt noch , wie immer , unter den Anwesenden den Mittelpunkt , so wenig sie diese Ehre suchte ... Monika fragte forschend ihre Schwester : Warum ist sie - nur so unruhig ? ... Monika hätte eine Offenbarung ihres geheimnißvollen Traumlebens wünschen mögen ... Benigna misverstand die Frage . Sie glaubte , Monika meinte Armgart ... Diese stand am Fenster und wartete auf Terschka und wie auf ihr Todesurtheil ... Sie wollte ihn so empfangen , daß alle sagen mußten : Das ist ein Paar ... Benigna aber hatte , um schon wieder zanken zu können , mit dem Essen zu thun , zu dem schon gerufen wurde ... Man ging zu Tische ... Schon saßen alle , da rollte ein Wagen vor ... Wol Terschka ? rief der das Hundertste ins Tausendste redende und nun auch schon Papier machende Onkel ... Armgart griff an ihr Herz ... Ihr Vater beobachtete sie ... Auch die Mutter ... Ein Diener wollte eben sagen : Herr von Terschka hat hinterlassen - da meldete man den Domherrn ... Paula erglühte ... Und Monika bekam Ahnungen von Bonaventura als dem » Bruder Gottfried « der neuen Hildegard ... Paula ' s Sehergabe hatte in diesen drei Tagen , wo der Domherr wenig auf dem Schlosse war , geschwiegen ... Endlich erschien Bonaventura ... Ernst und milde , wie immer ... Er grüßte die Neuverbundenen . Er wußte schon alles von Hedemann ... Von Witoborn kam er , wo er Armgart hatte suchen helfen und den Obersten begrüßen wollen ... Er beglückwünschte , mehr mit dem Auge , als mit den Lippen , forschte den Obersten nach dem Dechanten aus , verrieth der Frau in Silberlocken nichts , daß er all ihr Herzensleben aus dem Beichtstuhl kannte ... Mit Armgart sprach er sogar scherzhaft und drohend ... Aber bei alledem blickte er voll Trauer ... Reisen Sie wirklich schon morgen ? fragte der Oberst bedauernd ... Bonaventura bestätigte seine Abreise , sprach von einem Auftrag nach Wien - von einer Erhebung sogar zum Domkapitular ... Man beglückwünschte voll Ueberraschung ... Paula senkte die Augen ... Monika ' s Art war kein kleinliches Forschen ; doch bemerkte sie die Gleichzeitigkeit des trauernden Ja und jener gesenkten Augen ... Wie viel Gründe hatte nicht Bonaventura für seine Trauer ... Wie liebevoll und beziehungsreich sprach er von Benno und vom Dechanten ... Als man wiederholt nach Terschka spähte , überraschte er alle mit dem Plötzlichen Worte : Terschka ? ... Sie wissen - also - noch nicht ? ... Die fragenden Blicke aller richteten sich zugleich auf ihn zum Zeichen , daß man ohne jede Ahnung war ... Armgart hielt krampfhaft die Hand der Mutter und die des Vaters ... Sie saß zwischen beiden ... Beide verstanden allmählich ihre Aufregung und sahen die » Liebe « des jugendlichen Herzens ... Monika mit Schrecken ... Herr von Terschka ist abgereist ! fuhr Bonaventura fort ... Wußten Sie das nicht ? ... Abgereist ? So plötzlich ? fragten der Onkel und die Tante und sahen sich nach den Dienern um , die davon wissen mußten ... Armgart beobachtete jeden Zug im Antlitz der Mutter und diese wieder in ihrem und beide saßen zum Tod erstarrt ... Ich wiederhole Ihnen nur , was ich soeben in Witoborn aus Jedermanns Munde hörte ... Herr von Terschka war gestern Abend beim Bischof , heute in aller Frühe schon im Kloster Himmelpfort ; dann will man ihn noch im Düsternbrook bei den beiden Eremiten gesehen haben ... Ein Pferd soll er in Witoborn in den Stall bei » Tangermanns « gestellt haben , das über und über mit Schweiß bedeckt war ... Dann nahm er Extrapost und ist abgereist ... Die Tante klingelte den Dienern , die auch eben kamen und die Speisen hereintrugen ... Monika blickte nieder - für sich fühlte sie wie erlöst . Terschka hatte sie auf dem Schloß gestern und vorgestern mit unbesonnener Vertraulichkeit verfolgt , ja in Erwartung , sie hätte seinen Brief erhalten , sogar gewagt , Abends an ihre Thür zu pochen , wo sie sich nur durch die Glocke helfen konnte ... Seitdem hatte sie ihm nicht mehr Rede gestanden und wies einen zweiten Brief zurück ... Aber - Armgart ... ? Von den Dienern erfuhr man , daß Terschka in aller Frühe mit einem großen Koffer nach Witoborn gefahren war ; der Wagen war eben jetzt allein zurückgekehrt ... Der Onkel , hocherstaunt , fragte : Aber die Schlüssel seiner Zimmer ? ... Man übergab die Schlüssel ... Daß nach dem Fund der Urkunde Terschka nicht lange hier verweilen würde , hatte man vorausgesehen . Dennoch war diese jähe , abschiedslose Entfernung aus seiner ihm , man sah es gestern und vorgestern , unbehaglich gewordenen Lage zu auffallend ... Inzwischen blickten Alle auf Armgart ... Sie verschlang die Worte aus Bonaventuras Munde ... Die Diener waren wieder abwesend ... Ohne zu grelle Hervorhebung ließ Bonaventura , wenn auch mit Beben , die Worte fallen : Sie werden bald vernehmen ... was ich in Witoborn schon aus Jedermanns Munde erfuhr ... Terschka ist ja seltsamerweise ... nicht in der Lage , jemals - zurückkehren zu können ... Alle horchten auf ... Terschka - war das nicht , was er uns allen erschien ... Armgart hatte sich erhoben ... Jeder erwartete , sie würde ausrufen : Er ist vermählt ! ... Bonaventura sprach leise : Terschka ist - ein Priester ... Das Wort des Erstaunens erstarb auf aller Lippen ... Noch mehr , fuhr Bonaventura fort und dämpfte die Stimme - man sagt es in der Stadt allgemein , er gehört dem Orden - der Gesellschaft Jesu an und hat in Rom das vierte Gelübde abgelegt ... Mein Stiefvater - scheint - die Gesetze gegen ihn geltend gemacht zu haben , die keinen Jesuiten im Lande dulden ... Oder - - man vermuthet , daß seine Mission zu Ende ist und man ihn schleunigst nach Rom zurückberief ... Nur