des Abends und selbst unsers Gesprächs - es handelte sogar von Ihnen und Ihrem Bruder und er erzählte mir zuerst von dem seltsamen Spiel der Natur , die einem armen Marketenderburschen eine wirklich seltsame Aehnlichkeit mit Ihrem Bruder gegeben . « Die Fürstin war stehen geblieben und hatte sich lebhaft zu ihm gewandt ; fliegende Röthe übergoß ihr Gesicht . - » Meinem Bruder Iwan gleich ? ich bitte Sie , wer ? wo ? « » Ein armer Verrückter oder Schwachsinniger . Der Vicomte traf ihn zuerst bei dem Einschiffen der Truppen in Marseille . Ich selbst sah ihn in Varna und muß gestehen , daß diese enorme Aehnlichkeit mich wirklich anfangs erschreckte . « Die Fürstin preßte die Hand auf die heftig wogende Brust , auf ihrem Antlitz wechselte mehrfach die Farbe , während ihr Mund fast keuchend stammelte : » Und lebt - der Mann noch ? Wo ist er ? Haben Sie Näheres über ihn erfahren ? Erzählen Sie mir Alles , es - es wird Iwan so sehr interessiren , von seinem Ebenbilb zu hören ! « » Er gehört zur Cantine der Marketenderin Nini Bourdon vom dritten Zuaven-Regiment , bei dem Méricourt steht . Die niedliche Kleine sorgt wie eine Mutter oder eine Geliebte für den verrückten Burschen , den sie für ihren Verwandten ausgiebt . Ich versuchte selbst mehrmals , ihn auszuholen , indeß er ist toll wie ein Märzhase , wenn auch ganz unschädlich , und folgsam wie ein Kind , und die stehende Antwort , die man höchstens von ihm erlangt , ist die confuse Rede : Eilf Uhr ! der Zug geht ab ! « Iwanowna Oczakoff hatte sich von dem Erzähler abgewandt , ihr Gesicht ihm verbergend . Mehrere Minuten stand sie so da , ihr ganzes Wesen schien dadurch heftig erschüttert , so daß es selbst dem Kranken auffiel und er danach fragte . Erst dann schien sie ihre Fassung zurückzuerhalten und mit tiefbewegter Stimme sprach sie . » Ich glaube , Sie hatten Recht vorhin , Herr Marquis , als Sie sagten , die Hand des allmächtigen Gottes habe Sie auf dies Schmerzenslager und gerade in dies Haus geführt . Ich erkenne seinen Willen und gehe , mit Annuschka zu sprechen . Jussuf wird einen würdigen Geistlichen , den ich kenne , hierher führen , seine Schwester aber unterdeß bei Ihnen bleiben . « Sie ging und hieß den Mohren , ihr folgen , währen Nursädih , die junge schwarze Mutter , auf die Bitte des Kranken ein Schreibpult vor ihn legte und ihm behilflich war . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Eine Stunde darauf hatte sich die Scene in dem Zimmer , das bald der Schauplatz jenes geheimnißvollen Scheidens von Seele und Körper sein sollte , ein Wenig geändert . Neben dem Bett des französischen Offiziers saß in einfachem schwarzem Kleide , den kleinen Myrthenzweig im Haar , der unter dem Donner der Schlachten fortgegrünt auf dem heimathlichen Boden , und von dem weißen Schleier halb verdeckt das bleiche Mädchen , das bald zur jungfräulichen Frau werden sollte , die Hand des Kranken mit halb scheuem , halb zärtlichem Blick in der ihren ; denn das scharfe Auge des Franzosen hatte sich nicht getäuscht und es weniger Ueberredung der Fürstin bedurft , als diese gefürchtet . Die Herrin selbst ging unruhig im Zimmer auf und ab , während schweigend und achtungsvoll ein französischer Corporal , gleichfalls Gefangener , den in der Heilung begriffenen linken Arm in der Binde , in der Nähe Nursädih ' s an der Thür saß . Diese öffnete sich jetzt und Jussuf führte einen ehrwürdig aussehenden Mann in der Kleidung der russischen Geistlichkeit herein . Seine Rechte hielt in einem Körbchen die heiligen Gefäße , während er auf dem andern Arm ein kleines Kind von etwa anderthalb Jahren trug . Die Fürstin eilte ihm entgegen . - - » Nehmen Sie unsern Dank , ehrwürdiger Vater Vasili Polatnikow , daß Sie unserer Bitte gefolgt sind , und geben Sie uns Ihren Segen . « Der Pope , die heiligen Gefäße niederstellend , machte das Zeichen des Kreuzes über ihre Stirn . - » Der Segen des Herrn ist bei Dir und den Deinen , o , meine Tochter , denn Dein Herz gehört ihm , und wer thut wie Du , ist der Fürsprache der Heiligen sicher . « - Er sah umher , wohin er das Kind auf seinem Arm , einen muntern Knaben , setzen könne , als Annuschka zu ihm trat und ihn bat , es ihr zu geben . - » Es ist eine Waise , « erzählte der Priester auf einen fragenden Blick der Fürstin , » auf dem Meere geboren , inmitten von Kampf und Tod . Die griechische Mutter zahlte sein Leben mit dem ihren und übergab den Knaben sterbend meiner Sorge . Er hat keinen Verwandten mehr , da auch sein Oheim , einer der Capitani ' s des Fürsten Morosini , beim großen Ausfall des Generals Chruleff gefallen ist . « » Aber warum lassen Sie das Kind nicht bei Ihrer Familie , hochwürdiger Vater ? « Der ehemalige Kaplan des » Wladimir « beugte in schmerzlicher Ergebung das Haupt . - » Der Herr , « sprach er traurig , » hat auch mich schwer heimgesucht , wie ganz Rußland - mein Weib und meine beiden Töchter sind die Opfer der Seuche innerhalb dreier Tage geworden und mein Haus ist öd ' und verlassen . Dieses Kind hat Niemand als mich , der für sein zartes Alter Sorge trägt . « » O , so lassen Sie es mir , « sagte die junge Braut rasch und erröthend , » lassen Sie mich dafür sorgen und so die Mutterpflichten erfüllen . Wir wollen es pflegen und warten in diesen Schreckenstagen , bis Gott über uns anders bestimmt . «