stieß ihn von mir , mich von ihm losreißend , und der Unglückliche taumelte so heftig gegen das Gitter des Flusses , daß er darüber hinweg und in den Fluß schlug , wo er sich am Eisenwerk eines Seineschiffes den Kopf zerschmetterte . Als man ihn an ' s Ufer trug , war er bereits todt . « » Und es war Wassili ? « » Ich wußte es nicht , bis ich verwundet hierher kam . Ich hörte am Tage darauf , daß die Polizei in dem Verunglückten einen russischen Spion entdeckt , doch nicht den Namen . Aber obgleich ich absichtslos und nur in der Abwehr den Tod des Mannes veranlaßt und mehr als einen traurigen Duellausgang verschuldet hatte , konnte ich mich hier doch nicht über den Tod des Fremden beruhigen und sein düstres Bild schwebte lange vor meiner Seele und störte meinen Schlaf . « Die Fürstin weinte leise vor sich hin . - » Armer Wassili - bis zum Tode getreu ! « » Die Ursach ' des Anfalls und seine Worte sind mir , wie gesagt , noch ein Räthsel . Ich kann sie selbst nicht einmal auf jenes Duell beuten , denn der Diener Ihres Bruders wußte doch zweifelsohne , daß es nicht stattgefunden und sein damaliger Herr unversehrt in Rußland sich befand . Ich trat , um der langwierigen Civiluntersuchung über jenen Vorfall und der unangenehmen Erinnerung zu entgehen , in die Armee , und erst die Erscheinung Annuschka ' s lehrte mich , jenem traurigen und mich immer noch bedrückenden Bilde eine bestimmte Form zu geben . « » Es war Gottes Schickung - selbst die Schwester wird Ihnen die That nicht zurechnen . « » Dennoch liegt sie mir schwer auf der Seele , und wenn Sie einem Sterbenden den bösen Augenblick erleichtern wollen , Fürstin , so helfen Sie ihm , an der Schwester zu vergüten , was er am Bruder verbrochen . Ich lebte früher in den Tag hinein und hatte mein Vermögen genossen - ich nenne es genossen , so daß mein Testament mir gerade kein großes Kopfzerbrechen gemacht haben würde . Das Schicksal aber hat mir eine Malice gespielt ; denn vor etwa sechs Wochen erhielt der verarmte Marquis , der seit dem letzten Arrangement mit seinen Gläubigern keine Aussicht mehr hatte , als sein Offizier-Patent , die amtliche Nachricht , daß er ein reicher Mann geworden . Ein entfernter Verwandter , dessen Namen ich kaum gehört , ein Plantagenbesitzer auf Martinique , dem seine ganze Familie das gelbe Fieber zum Jenseits befördert , hat die Albernheit gehabt , mich zum Erben zu machen , und der Capitain de Sazé würde in Paris fünfzehnhunderttausend Franken deponirt finden , wenn er nicht so thöricht gewesen wäre , sich vor Ssewastopol das Bein zerschmettern zu lassen . « » Gott kann noch Alles wenden ! « » Nein , Fürstin , Er hat mehr zu thun , als sich mit einem leichtfertigen Thoren zu beschäftigen . Daß Er aber ist , daß Er die zahllosen Fäden dieses wirren Durcheinander , das wir Leben nennen , dennoch in Seiner Hand leitet , « fuhr der Kranke wieder mit ernsterem , fast feierlichem Tone fort , » das zeigt mir die Fügung , welche meine letzten Stunden durch die Sorge gerade des Mädchens erleichterte , deren Bruder ich erschlug . Mein Wunsch und mein Wille ist , bis auf einige Legate , ihr das Vermögen , das mir der Zufall so rechtzeitig in den Schooß geworfen , zu hinterlassen . Dazu bitte ich Sie , mir behilflich zu sein . Das bloße Niederschreiben meiner letzten Verfügungen würde jedoch kaum dazu genügen und sie jedenfalls in eine Menge Weitläufigkeiten verwickeln . Kein französischer Gerichtshof aber wird der Marquise de Sazé das ihr bestimmte Erbe streitig machen ! « Er schwieg erschöpft ; die lange Unterredung begann ihn offenbar fieberhaft zu erregen , wie sein Auge zeigte . Dennoch hielt es die junge Fürstin für Pflicht , zu erwidern : » Annuschka ist mit ihrer Lebensstellung zufrieden . Sie wird unter keiner Bedingung dem - der ihren geliebten , zärtlich betrauerten Bruder getödtet , ihre Hand reichen wollen . « » Aber sie braucht es nicht zu wissen , warum sollte sie es je erfahren ? « sagte der Offizier dringend . » Wollen Sie einem Mann , der Vieles gut zu machen , den leichten Trost durch eine unnütze Bedenklichkeit verkümmern ? Sie wissen so gut wie ich , daß diese Ehe Schein , und ehe vielleicht der morgende Tag anbricht , sie Wittwe ist . « » Ich weiß nicht , wie ich sie zu dem eiligen Schritt bewegen soll . « » Der Tod , Fürstin , gestattet keine lange Bedenkzeit , das wird auch sie begreifen . Sagen Sie ihr , daß ich für ihre sorgsame Pflege auf diese Weise ihr danken wolle , daß es meinen Tod erleichtern werde und « - um seine blassen Lippen schwebte wieder das leichte spöttische Lächeln des Lebemannes , der so manches Frauenherz an sich gefesselt - » ich glaube , sie wird sich nicht weigern , Alfred de Sazé ' s Gattin zu werden . « Er lehnte sich zurück in die Kissen ; die Fürstin empfand , daß sie kein Recht habe , eine Sühne zurückzuweisen , die ihrer Milchschwester und treuen Gefährtin vielleicht eine glänzende Zukunft bereiten konnte . Sie erhob sich und sprach : » Ich gehe , um die Erfüllung Ihres Wunsches zu versuchen , Herr Marquis . Annuschka wird nicht erfahren , wessen Hand ihren Bruder getödtet , bis - Doch sagen Sie mir das Eine noch , wann geschah die unglückliche That ? « » Ich erinnere mich des Tages ganz genau , Fürstin ; es war am Abend des 26. März . Ihre Landsmännin , die Bagdanoff2 , hatte in der Oper getanzt und ich war zum ersten Male dort wieder mit Méricourt zusammengetroffen nach seiner Rückkehr von Algier . Ich gedenke deutlich