das eine ist zu fordern , daß kein schwulstiges , unanständiges oder gar lächerliches Wesen dabei zu Tage komme . « Im übrigen scheint er sich selber nur eine Durchschnittsbegabung zugeschrieben zu haben . » Ich habe « , so schreibt er , » nicht eine große Zierlichkeit und Pracht , sondern eine fließende und bewegliche Deutlichkeit erwählet , damit mich jedermann , auch zur Noth ein Kind , verstehen möchte . Das macht zwar kein sonderliches Ansehen , ist aber desto nutzbarer . Wir sollen unserem Erlöser nicht allein die Gelehrten und Großen zuführen , sondern unter den Geringen und Einfältigen wuchert sein Evangelium am meisten . Allzu hohe Lieder nutzen Niemandem , oder doch nur wenigen . « So er selbst . Die Urteile Neuerer über den Wert seiner Dichtungen weichen erheblich voneinander ab . Koch schreibt : » Woltersdorf ist ein lebendiges Zeugnis der dichtenden Kraft des heiligen Geistes in der lutherischen Kirche « , wogegen Hagenbach nicht nur an der Weitschweifigkeit seiner Lieder , die wegen ihrer Länge nie gesungen werden können , Anstoß nimmt , sondern auch » Fluß und Guß , mit einem Wort die rechte Rundung und Vollendung in ihnen vermißt « . Selbst R. Besser , in seinem » Leben E. G. Woltersdorfs « kann nicht umhin , auf eine gewisse Unselbständigkeit Woltersdorfs hinzuweisen und sagt in seiner anschaulichen Ausdrucksweise : » er suchte wie eine Hopfenrebe stets gern einen tragenden Halt für seine Dichtungen . « Wir selbst haben die besten seiner Dichtungen mit Freudigkeit und nicht ohne Erhebung gelesen . Wie schön beispielsweise sind folgende Strophen : Wer ist der Braut des Lammes gleich ? Wer ist so arm ? und wer so reich ? Wer ist so häßlich und so schön ? Wem kanns so wohl und übel gehn ? Lamm Gottes , du und deine selge Schar Sind Mensch ' und Engeln wunderbar . Verfolgt , verlassen und verflucht , Doch von dem Herrn hervorgesucht ; Ein Narr vor aller klugen Welt Bei dem die Weisheit Lager hält ; Verdrängt , verjagt , besiegt und ausgefegt , Und doch ein Held , der Palmen trägt . Das ist der Gottheit Wunderwerk Und seines Herzens Augenmerk : Ein Meisterstück aus nichts gemacht , So weit hat ' s Christi Blut gebracht ; Hier forscht und betet an ihr Seraphim , Bewundert uns und danket ihm . Auch in diesen Strophen mag sich ein starkes Anlehnen an einzelne Vorbilder aus dem hallensisch-pietistischen Dichterkreise nachweisen lassen , aber der Laie wird dadurch wenig gestört werden . Seine Laienschaft kommt ihm und dem Dichter zustatten . Das Maß unseres Wissens bestimmt auch das unserer Ansprüche . Je lebendiger jemand die großen Originale , die Kraft- und Kernlieder deutscher Nation gegenwärtig hat , desto ablehnender wird er sich gegen Lieder verhalten , die für sein geübtes Ohr eben nur ein Widerklang sind . Wer indessen weniger bewandert darin ist , wird leichter befriedigt sein . In der weltlichen Dichtung sehen wir Ähnliches . Wer den Heine nicht kennt , erfreut sich auch an den Nachbildungen desselben , wer ihn kennt , verhält sich gegensätzlich gegen alles , was heinisiert . Gewiß – und damit schließen wir – ist Woltersdorf nicht den großen Gestalten unter unsren Kirchenlied- Dichtern zuzuzählen , dazu war er zu wenig eine Kraftnatur . Im Gegenteil , etwas Krankhaftes zieht sich durch sein Leben und spiegelt sich auch in seiner dichterischen Hyperproduktion . Aber zweierlei muß ihm verbleiben , und während er immer als ein Musterbeispiel für den wunderbaren Einfluß » des geistigen Fluidums über die träge Masse « dastehen wird , wird er andrerseits , wenigstens provinziell und lokal , eine hervorragende Bedeutung auf seinem speziellen Gebiete beanspruchen dürfen . Mark Brandenburg hat auf dem Gebiete des Kirchenliedes keinen Besseren aufzuweisen , auch wohl keinen , der sich neben ihm behaupten könnte . Schloß Friedrichsfelde steht noch , wie es 1719 und 1735 aufgeführt wurde , das alte Pfarrhaus aber , abgelöst durch einen unmittelbar neben ihm entstandenen Neubau , ist längst hinüber . Ein Garten füllt jetzt den Platz , wo das alte stand , und ein Birnbaum blüht jeden 31. Mai an derselben Stelle , wo Woltersdorf der Dichter geboren wurde . Rechts der Spree Buch Die Roebels Die Roebels Die Roebels kamen etwa gleichzeitig mit den Askaniern in die Mark und gehörten einem Geschlecht an , das sehr wahrscheinlich von der am Müritzsee gelegenen Stadt Roebel ( im Mecklenburgischen ) seinen Namen führte . Schon im Landbuche von 1375 genannt , waren sie später im Norden und Nordosten von Berlin ansehnlich begütert und besaßen allda die samt und sonders im jetzigen Nieder-Barnimschen Kreise gelegenen Ortschaften : Schönfließ und Schöneiche , Birkholz und Blankenburg , Wartenberg , Hohen-Schönhausen und Buch . In teilweisem Besitze dieses letztren finden wir sie schon vor Beginn der hohenzollerschen Zeit , aber erst um 1541 kam das ganze Dorf Buch in ihre Hände . Das war unter Hans von Roebel . Derselbe war kurbrandenburgischer Rat und gehörte mit zu den eifrigsten Anhängern und Beförderern der Reformation . Eben desselben Geistes waren seine zwei Söhne Joachim und Zacharias von Roebel , von denen der erstere , der mit einer Hedwig von Krummensee vermählte Joachim , die freundschaftlichsten Beziehungen zu Philipp Melanchthon unterhielt . Diese Beziehungen waren derart , daß der Reformator ( und zwar allem Anscheine nach wiederholentlich ) auf Besuch nach Buch kam und zwei Kinder Joachims v. R. über die Taufe hielt . Er machte bei dieser Gelegenheit der Kirche zu Buch ein aus den Werken Luthers bestehendes Geschenk , zehn Bände , in deren zehnten Band er einen Paulinischen Spruch aus dem Brief an die Colosser : » Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit , lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern , und singet dem Herrn in eurem Herzen « eigenhändig eingetragen hat . Darunter die Jahreszahl 1559 . Dieses Geschenk ist bis diesen Tag das Wertstück und