derlei werth wäre ! Ich weiß , ich muß sterben , und werde kaum noch vierundzwanzig Stunden Ihrer Güte zur Last fallen ; das ist wenigstens eine Beruhigung auf den Weg . « » Freveln Sie nicht , Herr von Sazé . Es sollte mich tief schmerzen , wenn irgend Etwas Ihnen gezeigt hätte , daß Sie , wenn auch unser Feind , uns zur Last gewesen sind . O ! warum haben Sie nicht unseren Bitten und dem Rath der Aerzte nachgegeben und sich einer Operation unterworfen , die sicher Ihr Leben gerettet hätte ! « » Nein , Fürstin , das können Sie mir nicht im Ernst zum Vorwurf machen ! Ja , wenn es noch ein Arm gewesen wäre , - ein leerer Aermel an der Brust ziert besser wie zwei Ordenskreuze und hindert nicht ! - Aber denken Sie sich selbst , Alfred de Sazé an einem Krückenstock , auf einem Korkbein - Valga me Dios ! ich möchte lachen , wenn ich mir die komische Figur in den Salons des Faubourg St. Germain oder auch nur bei Herrn Miré oder in den Tuilerieen denke . Es wäre ein allzu theurer Handel , ein Bein von gutem Blut für einen Napoleon ! « » Sie sollten ernstere Gedanken suchen und an Gottes Gnade denken , Herr . Ich bedaure , daß wir keinen Priester Ihrer Confession in Ssewastopol haben , aber auch einer der unsern könnte Ihnen ein nützlicher Freund sein . « » O , meine Durchlaucht , ich bitte Sie - nicht so strenge . Ich beschäftige mich wahrhaftig schon seit heute Morgen mit sehr ernsten Dingen , bei denen ich ohnehin die Hilfe Ihres Popen in Anspruch nehmen muß . Wissen Sie , Fürstin , ich habe so ziemlich Alles erfahren auf der Welt , bis auf Eines : wie einem Ehemann zu Muthe ist . Und dies Vergnügen will ich mir noch vor meinen Ende bereiten , - ich will heirathen ! « Die Fürstin wandte sich unwillig von dem Spötter ab und wollte sich erheben . Seine Hand legte sich leise auf ihren Arm , und als sie auf ihn schaute , sah sie einen schmerzlich ernsten Ausdruck in seinen Augen mit dem frivolen Lächeln seines Mundes kämpfen . » Bleiben Sie , Fürstin , « bat der Kranke ; » was ich Ihnen gesagt , klingt nur wie übermüthiger Frevel . O , fürchten Sie nicht , daß ein halbtodter Roué , wie ich , seine Blicke zu der Rose der Krimm erheben will - ich ehre die Rechte meines Freundes Méricourt , der für den Verlust eines Beines vielleicht gern an diesem Platz läge . Meine Absichten sind bescheidener und richten sich auf Mademoiselle Annuschka , Ihre Dienerin ! « » Sie reden irre , Herr von Sazé ! Annuschka ist meine Freundin , meine Schwester , aber - « » Hören Sie mich aus , Durchlaucht , « sagte der Kranke und seine Stimme klang jetzt ernst und sanft , ein gewisser feierlicher Ausdruck hatte sich über sein Gesicht verbreitet . » Bei meiner Ehre , ich rede die Wahrheit ! In Ihre Brust lege ich ein Geheimniß nieder , was die meine erleichtern möge in jener Stunde , vor der wir Alle zagen , wie stark wir auch die Furcht uns wegzuspotten bemühen . Erinnern Sie sich wohl des besondern Eindrucks , welchen Annuschka ' s erster Anblick auf mich machte , als ich in Ihr Haus gebracht worden ? « » Genau , Herr Marquis ! « » Von dem Fürsten erfuhr ich auf hingeworfene Fragen , daß Annuschka einen Bruder hat , dem sie gleichfalls sehr ähnlich ist . Er war der Diener des Ihren , und ich erinnere mich jetzt , in Paris in Ihrem Hotel ihn gesehen zu haben . « » Er verließ uns nie . « » Und dennoch ist , wie der Fürst mir , ohne näher darauf einzugehen , mittheilte , dieser Mann , der nach Ihrer raschen Abreise in Paris zurückblieb , dort spurlos verschwunden ? « » So ist es ! « » Ich beabsichtigte , dem Fürsten , Ihrem Bruder , mein Geheimniß mitzutheilen , « fuhr der Kranke fort , » aber sein Dienst hat ihn , wie Sie mir sagten , nach der andern Seite der Stadt geführt und hält ihn dort fest . Es bleibt mir keine Zeit , seine Rückkehr zu erwarten , und ich mußte mich an Sie wenden . Sie halten jenen Mann - Annuschka ' s Bruder - für todt ? « » Wir sind überzeugt davon - seine Treue ist zuverlässig und wir hätten sicher von ihm gehört . « » Er ist es ! « » Wie , Herr von Sazé , Sie kennen das Schicksal Wassili ' s ? Sie wissen von ihm ? « » Ich bin leider überzeugt - diese Hand brachte ihm den Tod , wenn auch unabsichtlich . « Die Dame schauderte zurück . Schrecken , Angst und Aufregung spiegelten sich auf ihrem schönen Gesicht . Der Kranke sah , wie sie mit Gewalt nach Fassung rang , bis sie endlich die Worte hervorstieß : » Um Gotteswillen , Herr , ich beschwöre Sie , reden Sie - erzählen Sie mir Alles ! « » Das ist meine Absicht , Fürstin , und mag zugleich meine Rechtfertigung sein - wenn die That sich entschuldigen läßt ! « Die Fürstin winkte ihm , fortzufahren . » An einem Abend des März im vorigen Frühjahr verfolgte mich am Quai des Cours la Reine ein ziemlich derangirt aussehender Unbekannter und fiel mich plötzlich wie ein wüthendes Thier an unter Ausrufungen und Beschuldigungen , die mir gänzlich unverständlich waren und zum Theil noch Räthsel sind . Ich sollte ihm Rechenschaft geben über seinen Gebieter , ich sei sein Mörder und dergleichen mehr . Das Gesicht war mir nicht ganz unbekannt , doch so verwildert , daß ich mich auch später nicht darauf erinnern konnte . Ich