stumm ins Zimmer hinunter ... Der Herr mit der Mütze hatte einen schwarzen Ueberwurf um , ein buntes Tuch noch fast jugendlich um den Hals geschlungen - einen weißen aufrecht stehenden Halskragen - Fast hatte er etwas vom Onkel Levinus - Da schlug die Dame den Schleier zurück ... Lange silbergraue Locken quollen unter dem dunkeln Sammethute hervor ... In den Augen der stummen , jugendlich schönen Frau , in den Augen des stummen Mannes blinkte ein feuchter Glanz wie Thränen ... Armgart bebte ... ermannte sich ... glaubte ... zweifelte ... Endlich stürzte sie mit einem ausbrechenden Schrei auf beide schon die Stufen Herabkommenden und lag zunächst doch nur - in den Armen der Mutter ... Während aber auch Ulrich von Hülleshoven sein Kind an sich zog und in Armgart ' s Auge zu blicken suchte , lag Armgart ' s Hand in der linken Hand Monika ' s und Monika ' s Rechte - hielt die edle , würdige Gestalt des Gatten umschlungen ... Die Rührung dieser drei Herzen war unaussprechlich und auch Hedemann , der den Empfindungen als Dolmetscher dienen mußte , konnte nicht damit vorwärts kommen ... Jetzt riß Monika ihr Kind fast wie eifersüchtig und wie gekränkt ganz an ihr Herz ... Armgart - noch tief mistrauend , und doch wie von himmlischem Lichtglanz geblendet , wagte nicht zu ihr aufzuschauen und wandte sich mehr und mehr zum Vater , aus dessen hellen blauen Augen eine so selige Welt der höchsten Himmelsreinheit sie anschien ... Ulrich drängte sie der Mutter zu und sprach in einem vor Rührung leisen , sonst männlich festen , wohllautenden Tone : Das ist ein Sieg nach langem Kampf ! O Gott , o Gott ! Was sind deine Menschenherzen verkehrt ! ... Armgart , ihre Aeltern sprechen hörend , sank in die Kniee . Sie umschlang die Kniee des Vaters und reichte der Mutter mit krampfhaftem Zittern die Hand ... Dann blickte sie wieder zu ihnen beiden empor und sog ihre Bilder auf mit ihren braunen , schwärmerisch irrenden Augen ... Und wieder den Aeltern mußte es sein , als sähen sie hinunter in einen See , über dem Rosen und Lilien schimmerten - in die tiefsten Tiefen dessen , was auf Erden und im Himmel schön und gut ist - und wie in ihre eigene Jugend ... » Selig , selig « , sprach Hedemann und faltete über seiner - grauen Müllermütze die Hände , » bist du , die du geglaubest hast ! Denn es wird vollendet werden , was dir gesagt ist von dem Herrn ! « ... » Und Maria sprach : « fuhr Armgart fast tonlos in den Worten des englischen Grußes fort , » Meine Seele erhebet den Herrn ! « ... Noch einmal traten Pausen ein , deren die vom höchsten Glück erschütterten Herzen bedurften ... Dann folgten Verständigungen und diesen die Entschuldigungen Hedemann ' s ... Monika sah in der alten von Hedemann ihr dargereichten Bibel die Stunde der Geburt Armgart ' s verzeichnet und gab dann dem Gatten dies Blatt ... Dieser warf darauf einen mild überrascht und schmerzlich lächelnden Blick und zog voll vergebender Inbrunst Monika an sein Herz ... Der Oberst schien ein Mann , der mit dem Sturm der Jugend nicht die sanfte zärtliche Empfindung schon verloren hatte ; alles , was er sprach , war eigenthümlich gemessen und bedacht , aber jugendlich innig und wohlthuend ... Monika staunte nur und strich wie in unbewußtem Träumen ihre grauen Locken ... Wo wir uns wiedergefunden haben ? sprach der Oberst ... Bei unserm Kinde ! Bei deiner Liebe ! Deiner - nun wandte er sich doch zu seinem Weibe - deiner vergebenden Liebe , Monika ! ... Beim Geist und bei der Wahrheit ! sprach Monika mit leuchtenden Augen , zeigte auf die Bibel und stand neben der aufhorchenden , immer noch scheu vor ihr niederblickenden , immer noch zweifelnden Armgart wie eine ältere Schwester , so jung , so schön noch und keinesweges nur durch ihre leuchtende Verklärung ... Hedemann sprach vom Kampf der Gerechten und Armgart begriff noch immer nicht , was die Aeltern so plötzlich verbunden hätte ? ... Sie fragte dies auch leise ... Monika sprach : Dein Opfer hat uns verbunden , Kind ! ... Kind - meiner Schmerzen ! ... Deine Gefangenschaft ! Hier dieser Thurm ! Ist es nicht so ? Hedemann ! Wie dank ' ich Ihnen ! ... Auch Ulrich wollte Hedemann danken , umschlang aber nur die Sprecherin und umschlang sie mit jener männlichen Würde , die den Ausbruch der noch jugendlich regsamen Leidenschaft milderte ... Sie soll noch alles hören ! sprach er . Nun aber kommt ! Laßt uns im Triumph nach Westerhof fahren und zeigen , was wir mitbringen können ! Nun , nun zieh ' ich ein ! ... Anders wär ' ich dorthin nicht gegangen ... Nicht blos Armgart , sagte Hedemann ; sondern sich selbst bringen Sie beide mit ... Monika ' s Ja ! war so einfach , aber sie konnte nichts besseres sagen , als Ja ! und reichte dem Gatten die Hand ... Noch schien die Aussöhnung das Werk einer vor wenigen Minuten erst gekommenen Verständigung zu sein ... Monika schwankte noch dahin wie ein vom Wind bewegtes Rohr ... Kind und Gatten hatte sie in Einem Moment gefunden ... Wen nur nehmen wir noch mit ? rief der Oberst . Benno ist fort ; mein » Geretteter « , Thiebold de Jonge , mit ihm - Selbst die schwarze Hexe , mit der du von Westerhof entflohst , Schwarmkind , ist nicht mehr da ... Der Domherr ist im Amte ... Ja , gestern noch suchte mich ein Herr von Terschka auf , der heute wiederkommen wollte ... Er wohnt auf dem Schlosse ... Wer begleitet uns im Triumph ? Ganz Witoborn ? ... Armgart zuckte auf den Namen Terschka ' s zusammen und blickte zur Mutter hinüber , die sorglos und nur voll Wehmuth stand ... Offenbar gab