An seiner Seite saß die Fürstin selbst , - während an der andern Wand zwei dunkle Gestalten sich beschäftigten , Jussuf , der Mohr , und Nursädih seine Schwester . Der ehemalige Courier des Sultans und spätere Baschi-Bozuk war hager und abgefallen ; die Folgen der schweren Wunden , die er an der Felsenbrückc von Schloß Aju erhalten , zeigten sich noch in seinem ganzen Aeußern , obschon sechs Monate seitdem verflossen . Nur sein gelbglänzendes Auge hatte den alten feurigen Blick bewahrt , der jetzt oft mit dem Gefühl der Dankbarkeit die schöne Gestalt der Fürstin suchte , deren Befehl und Güte ihn damals gerettet . Dann wieder kehrte das Auge mit Zärtlichkeit zu seiner Schwester zurück , seine aufgeworfenen Lippen öffneten sich zu einigen freundlichen Worten und er versuchte mit dem etwa drei Monat alten Kinde zu spielen , das diese auf ihrem Schooß hielt . - Die ganze Liebe einer jungen Mutter lag in den Augen , mit denen Nursädih das kleine Mädchen betrachtete , das seiner Farbe nach zum Mulattengeschlecht gehörte , bei der edlern Gesichtsbildung der Mutter aber schon jetzt nur wenig die Merkmale der schwarzen Race zeigte . » Klein Piccaninni sein artig Kind heute , « sagte der Schwarze , » wecken Signor Offizier nicht auf , spielen hübsch mit schwarzen Onkel . « » O Jussuf , « flüsterte das Mädchen , » die Kleine ist so lieb und gut , als verstände sie schon Alles , was ich ihr sage . Aber sieh ' , der französische Aga erwacht und die Fürstin bedarf meiner : hier , nimm Du das Kind . « Der blut- und kampfgewöhnte Mann nahm den Säugling so zart und sorgfältig auf , als sei er zur Wärterin geboren , und schaukelte ihn auf seinen Armen , während Nursädih zu der Fürstin schlich . Diese beobachtete das Erwachen des Kranken mit großer Theilnahme . Auf ihrer leicht gebräunten Stirn lagen Zeichen trüben Sinnens und schweren Kummers , das schöne Antlitz , das sich draußen im Pulverdampf der Schanzen und Redouten , im Jammer der Lazarethe nur heiler und tröstend zeigte , war hier düster und gedankenvoll . Der kranke Offizier trug ihr wohlbekannte Züge - wohlbekannt aus einer glücklichen freudenreichen Zeit ihres Lebens ! - der bleiche Mann mit den hohlen Augen , den feuchten an der Stirn klebenden Haaren war einst der Liebling der pariser Salons , der kecke Roué am Spieltisch , im Ballsall und Boudoir , der Tonangeber der Mode und der Vertraute der Chronique scandaleuse von ganz Paris , aus dem Reiche der Coulissen , wie aus den Cabineten der Diplomaten : Alfred de Sazé ! Bei einer der kecken nächtlichen Streifereien der russischen Matrosen und Jäger außerhalb der Festung im Mai war der junge Reiteroffizier , der auch nach der Abreise des Prinzen Napoleon vor Sebastopol zurückgeblieben war , auf einer Feldwache aufgehoben und verwundet nach der Mastbastion gebracht worden , wo die Fürstin sich am Morgen befand . Sie hatte ihn sofort erkannt und gebeten , den Gefangenen in ihr Haus aufnehmen zu dürfen , das , wie erwähnt , bereits einer Anzahl Verwundeter und Kranker zur Heilstätte diente . Die an und für sich nicht gefährliche Wunde des lebenslustigen Marquis erregte jedoch bald ernste Besorgnisse , da das verdorbene Blut des pariser Lebens , eine seltsame Aufregung der Nerven , die ihn bald nach seiner Ankunft im Hause der Fürstin ergriff und die Wirkung der eingetretenen Hitze seinen Zustand , trotz aller Sorgfalt , verschlimmerte und fieberhafte Erscheinungen herbeiführte , die jenem furchtbaren Uebel ähnelten , das jetzt die Lazarethe entvölkerte , rascher als Kugel und Bajonnet , und das der Schrecken der tapfersten Krieger war : dem Typhus . Der Sorgfalt des Arztes gelang es zwar , den Ausbruch zu unterdrücken , aber der Tod hatte dabei auf andere Weise sich die Beute gesichert : der Brand hatte die Kniewunde erfaßt und der eitle Franzose verweigerte , sich das Bein abnehmen zu lassen . Pirogoff selbst hatte ihn am Morgen besucht und sein Achselzucken verkündet , daß auch das äußerste Mittel jetzt zu spät kommen würde . Der Kranke kannte vollkommen seine Lage ; die Schmerzen hatten sich bereits gelegt und sein leichter und doch männlich entschlossener Charakter trat wieder stanz in den Vordergrund . Der kurze Schlaf , wenn auch fieberhaft , hatte ihn doch gekräftigt . Sein Auge schien im Zimmer umherzusuchen und wandte sich dann auf die Fürstin . - » Wie fühlen Sie sich nach dem Schlummer , Herr Marquis ? « fragte ihn diese . » Parbleu , Durchlaucht , als letzte Vorbereitung zum ewigen ganz leidlich ! Doch - Sie haben sich selbst wieder bemüht , - wo ist meine treue Wärterin Annuschka ? « » Sie ruht einige Augenblicke - ich verlangte es von ihr , weil sie ganz erschöpft war . « » Das ist kein Wunder ; denn seit den fünfzehn Tagen , daß Ihre Güte mich hier aufgenommen , hat sie mein Krankenlager kaum verlassen . - Es ist mir lieb , Durchlaucht , daß ich allein mit Ihnen bin - : ich möchte Sie bitten , mir eine kurze Unterredung zu gewähren . « » Das Sprechen wird Sie ermüden und angreifen , « sagte die Fürstin zögernd . » Was thut das ? - eine Stunde eher oder später - ich habe so viele vergeudet in meinem Leben , daß ich jetzt nicht geizen mag darum , wo es vielleicht das Beste gilt , was ich im Leben gethan habe . « » Soll ich unsere schwarze Freundin fortschicken ? « » Nein , Fürstin , lassen sie Beide hier , wir werden sie ohnehin vielleicht brauchen . - Ich verstehe zwar nicht Russisch , Durchlaucht , aber ich habe wohl begriffen , was Ihr Doctor von heute Morgen gesagt . « » Beunruhigen Sie sich nicht , Ihr Leben liegt in der Hand des Allmächtigen . « » Beunruhigen ? bah ! Als ob das Leben