Dein Schutz gegen Rudhard , gegen Dystra und wenn Sie wagen , Rafflard , wenn Sie wagen , Adelen zu sagen , wohin ihr Kind sich flüchtete ... Gräfin ! Was denken Sie ? Postpferde ! rief Helene und Rafflard war hinaus . Er überlegte , was zu thun . Sollte er vor ' s Thor eilen und die Fürstin von der Gefahr , ihr Kind zu verlieren , unterrichten ? Während er so auf der Treppe stand , kam Heinrichson ... Sie kommen gerade recht , sagte er diesem . Wozu ? Die Gräfin will nach Italien und noch heute . Heinrichson stand wie vom Blitz getroffen . Das ist eine Trennung ! sagte Rafflard bitter . Nein , antwortete Heinrichson lächelnd , ein Wiedersehen . Ich selbst wollte der Gräfin sagen , daß ich in einigen Tagen nach Rom zu reisen gedenke ... Sie weiß es ... ich sprach immer davon ... Rafflard stand voll Erstaunens . Er überblickte , daß Heinrichson die Gräfin liebte . Anzunehmen , daß die Gräfin schon von ihm für die Idee einer italiänischen Begegnung gewonnen war , hatte er keinen , auch nicht den mindesten Grund . Aber dennoch erstarrt , ergriff er die Gelegenheit , die ihm von der Gräfin gegebenen Aufträge abzuschütteln . Leisten Sie ihr für diese schnelle und übereilte Abreise hülfreiche Hand ! sagte er zornig . Ich für meinen Theil bin zu beschäftigt , um ihren Aufträgen nach Wunsch zu genügen . Heinrichson in glückseligster Geschäftigkeit ging zur Gräfin , Rafflard hustete noch lange die Straße entlang . Unten überfiel ihn die verdrießlichste Stimmung , wie nun all ' seine klugberechneten Pläne umsonst gewesen und die Menschen mit ihren Leidenschaften weit über alle Schlingen und Netze des Verstandes hinauswachsen . Diese Familienbeziehungen erschienen ihm gering , armselig . Er spitzte im Geist schon die Feder , um auf den Quai d ' Orsay in Paris einen epigrammatischen Brief zu schreiben , dessen Thema so lauten sollte : In der Komödie der Liebenden darf man nur mit seinem Herzen , nicht mit seinem Verstande mitspielen . Verdrießlich über Das , was er sich Alles seither an größerer Geltendmachung seiner Mission hatte entgehen lassen , wie er Zeit , Mühe , List , eigene kleine Unterhaltungen den Interessen einer vornehmen Familiencoterie geopfert hatte , überfiel ihn sein alter rheumatischer Husten so heftig , daß er an der nächsten Straßenecke stillstand , in einen Fiaker stieg und mit den dem Kutscher zugerufenen Worten davonfuhr : An ' s Komödienhaus bei der katholischen Kirche ! Zum General Voland von der Hahnenfeder ! ... Noch in der Nacht gegen ein Uhr rollte ein Wagen mit Helene d ' Azimont , Olga Wäsämskoi , einem Mädchen und einem Diener zum Thore hinaus . Es war das , das nach dem Süden führte . Ende des sechsten Buches . Siebentes Buch Erstes Capitel Die ersten Winterschauer Der Vorwinter war da . An die Fenster desselben Eckzimmers im Schlosse Hohenberg , wo die uns bekannten Sommergäste ihre fröhlichen Abendgesellschaften gehalten hatten , schlug jetzt der Regen eines mürrischen , naßkalten Herbstes . Der Sturmwind rüttelte die schlechtverwahrten Jalousieen und machte sich pfeifend auch durch die Ritzen der Fenster Bahn , auf deren innerem Simse sogar sich die hellen Regentropfen sammelten . Der Blick in den Garten fand die Bäume entlaubt , die Wege unsauber , regenglatt . Hier und da krachte ein Zweig , der dem plötzlichen Stoße des Nordwest nicht widerstehen konnte . Der Blick , selbst am Tage , ging nur bis zum Dorfe Plessen hinunter , das mit seinem Kirchthurme wie im magischen Nebel schwamm . Von Wald , Berg und Flur waren selbst dem schärfsten Auge nur einige matte , graugrüne Umrisse ersichtlich . Dennoch war es in dem hohen Eckzimmer , wo in der Mitte noch das Piano stand , auf dem Melanie damals die Tanzanklänge gespielt hatte , nicht ganz ungemüthlich . Ein alterthümlich geformter Ofen von Gußeisen , in Form einer Pyramide , verbreitete die Behaglichkeit der ersten winterlichen Zimmerwärme . Der alte Winkler trug das Holz herein , Brigitte warf es von der Mitte des Ofens hinunter gerade durch die mit einer Jahreszahl versehene eiserne Denktafel der Pyramide , die nur die Thür des Ofens war . Der Alte schleppte schon den zweiten Korb herein und packte ihn sorgsam in der Nähe des Ofens unter das Kanapé . Waren doch er und die alte Brigitte jetzt die einzigen Diener des Hauses , die einzigen Wächter des Schlosses , alt und müde , wie konnten sie zu oft diese Treppen steigen , zu oft durch diese Zimmer die schweren Trachten Holz schleppen ! Da mußte eine Tracht für zwei Tage ausreichen . Freilich mochten sie gern in der Nähe ihrer Gäste sein . Sie hätten so gern gehört , wie es denn nun werden sollte in Zukunft mit den hochfürstlichen Besitzungen ! Ob sich denn keine junge Fürstin einstellen und , da doch einmal das Alter geht und das Junge kommt , mit einem lustigen Gefolge hier im nächsten Sommer wohnen würde ? Ob Sr. durchlauchtigsten Gnaden , von dem der diplomatische Herr von Zeisel nicht zu verbreiten wagte , daß er diesen Sommer im Incognito ihn in den Thurm gesperrt hatte , nicht einmal selbst kommen und das Erbe seiner Väter betrachten würde ? Das zurückgekehrte Mobiliar der seligen Fürstin gab fast Hoffnung dazu . Das hatten Heunisch und Herr von Zeisel im Triumph heimbegleitet und mit einer Art Stolz blickten die Sessel , die Divans , die Gebetpulte , die Tische und Schränke wieder in den Zimmern um sich , die sie zu schmücken hatten . Aber die weiteren Schicksale , die ihnen und dem Schlosse bevorstanden , waren den beiden alten Leuten denn doch für die kurze Zeit ihres Lebens noch zu sehr verschleiert . Nun freilich hatte sich das Seltsame ereignet , daß ein alter Mann und ein junger sich durch einen Brief des Fürsten als rechtmäßige Bewohner des Schlosses auswiesen und von dem