bei mir würde dieser Schritt mit Folgen verbunden sein , die meine Freiheit , nicht unmöglich mein Leben , wenigstens die Fortdauer meiner gegenwärtigen Lebensstellung bedrohen . Gern will ich untergehen , wenn ich wenigstens eine Hand finde , die mir den Tod versüßt . O nur das eine , eine Glück , einen letzten Preis für den Rest meines Lebens errungen zu haben , wenn es sonst auch in Nacht und Grauen dahinfährt . Ach , ich bin schwach ! Ich möchte nicht den Kampf mit dem Geschick zu herbe kämpfen und das vermag ich nur durch Sie ! Nur Sie blicken tief in das Menschenherz ! Nur Sie können mit Engelzungen reden - reden , wo die irdische Sprache nichts Ueberzeugendes mehr hat . Ein Entschluß muß gefaßt werden ... In vierundzwanzig Stunden schon kann für mich alles verloren sein ... Deshalb schreib ' ich Ihnen ! Deshalb fleh ' ich fußfällig , gewähren Sie mir heute Abend , wenn ich von Witoborn zurückgekommen bin und Sie den Umständen angemessen auf Westerhof begrüßt habe , eine Stunde der Verständigung . Ich weiß nicht , wo es anders sein kann , als auf Ihren Zimmern . Um zehn Uhr ruht alles im Schlosse . Nehmen Sie mich an ! Hören Sie mich ! Vielleicht schon am Morgen darauf will ich nach England entfliehen , zu unserer theuern Gräfin , die das Richtige in meiner Sache nur durch Sie allein finden kann ! Denken Sie rein von mir , so rein , wie die Blumen sind , die Sie in meinem Namen begrüßen ! Ich ahne , daß Ihre holdselige , wunderliebliche Tochter sich wiederum der Umarmung der edelsten Mutter entzieht : aber auch sie wird jetzt Frieden stiften helfen für Ihre Brust und für die meine . Ihre Hand , edelste Frau , wird eine segnende sein . Nur muß ich Sie heute Abend sprechen - muß - muß es ! Ihr Urtheil hör ' ich über Leben oder Tod - - Terschka . « Pater Stanislaus hatte diesen Brief zum Theil in jenem seraphischen Ton geschrieben , der der Rhetorik der Jesuiten entspricht . Dennoch lag Wahrheit in ihm . Er wollte mit seinem Stand brechen und unter dem Schutz der Gräfin Erdmuthe , dieser heroischen Bekennerin ihres lutherischen Glaubens , sich vor den Folgen seiner Entlarvung sicher stellen ... Monika ' s Zeugniß wollte er bei der Gräfin für sich haben , wollte sich in den Folgen seiner für den Grafen empfangenen Mission enthüllen , wollte Monika das Räthsel zur Entscheidung vorlegen , wie er im Gegentheil ein Freund des Grafen wurde und seine römischen Aufträge vergaß . Wer konnte wie sie so tief und nach den obwaltenden Umständen alles überblickend ergründen , was zur Entschuldigung seiner Lage und - Lüge dienen konnte ? Zuletzt wollte er in der That und Wahrheit seine Liebe für Armgart bekennen ... Diese Leidenschaft war so mächtig in ihm , daß sie alle seine Schritte bestimmte ... Gerade deshalb , weil diese Leidenschaft ihm Kraft gab , den muthigsten Entschluß seines Lebens auszuführen , hielt er sie fest und während er diese ebenso verzweiflungs- wie hoffnungsvollen Zeilen schrieb , stand nur Armgart vor seinen leuchtenden Augen ... Die Liebe , die den Mann auf der Höhe seines Lebens ergreift , die Liebe , von der er ahnt , daß sie die letzte sein wird , die noch erhört werden dürfte , hat eine unwiderstehliche Kraft . Armgart aber las aus allen diesen Hülferufen nur im Gegentheil - die Liebe zu ihrer Mutter ... Jedes Wort dieser glühenden Rede war ihr ein Ausdruck der Zärtlichkeit nur für sie ... Für diese Liebe wollte Terschka seinen Glauben ändern und nach England entfliehen ... Die Mutter mußte ja dann ein Gleiches thun ... Von alledem hatten sich schon dunkle Sagen verbreitet ... Schon als man hörte , Monika reiste mit der Gräfin Erdmuthe nach England , war man auf einen solchen Schritt gefaßt ... Diese Voraussetzungen des Briefes , wie sicher waren sie ... Ein Angenommenwerden auf den Zimmern der Mutter in nächtlicher Stille konnte ihr nur beansprucht erscheinen nach längst vorausgegangener Vertraulichkeit ... Der letzte Hinweis des Briefs auf sie selbst war ihr nur der Ausdruck einer matten Rücksicht ; in nichts , nichts entsprach er den seit acht Tagen ihr gewidmeten Zärtlichkeiten und Huldigungen - dieses treulosen Verräthers ... Das der Dank für das Opfer eines - Lebens ! ... Hatte sie ihm nicht deutlich genug zu erkennen gegeben - daß sie ihn erhören würde , wenn auch mit blutendem Herzen , wenn er wollte - - ? ... Eine purpurne Glut des Zorns und der Scham färbte ihr Angesicht ... Sie rannte dahin ... Sie starrte den Brief unausgesetzt an und floh wieder wie Nattern seine Buchstaben ... Das also ist die aufgedeckte Seele eines Menschen ! ... Das ist der Abgrund der Wahrheit , den das Lächeln der Lüge , die Blumen des Scherzes verhüllen ! ... Namenloses Elend aller betrogenen Menschen ! ... Und du , du Schimpf meines geliebten Vaters ! ... Ich kann nicht , ich kann nicht erfüllen , was ich wollte ! Die Mutter ist für mich verloren ! Vergib mir , o Himmel ! Vergebt mir alle ! Vergib mir auch du , Hedemann ! Ich will dulden ! Will hier bleiben als deine Gefangene ! Schwände das Licht des Tages doch ganz und säh ' ich nichts mehr , als Nacht und Dunkel , sowie das Kind im Mutterleibe - ! ... Ein solches Bild zu wählen , war ihr nicht anstößig ... Natürlichkeit und ihre Wahrheit gingen ihr über alles ... So beugte sie das Haupt auf ihre weißen Händchen , die sie aufstützte . Sie dankte , niederblickend , dem Himmel für die Lage , in der sie sich befand , dankte für das Brausen , das in ihr betäubtes Ohr drang ... So war es ja schön ! ... So auch hätte sie jetzt untergehen mögen ! ... O ,